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Wir brauchen die Berührung mit dem auferstandenen Christus, die durch den Tod hindurch uns trägt

Exerzitien zur Fastenzeit Teil IX mit Benedikt XVI. aus acht Jahren Pontifikat

Bild: berlinertageszeitung.deLaudetur Jesus Christus! Hier ist Radio Vatikan. Radioexerzitien in der Fastenzeit. Willkommen zu unserer Sendung, ich bin P. Bernd Hagenkord. Alles auf Jesus setzen, das soll der Fokus dieser Radioexerzitienfolge sein. Das bedeutet Vertrauen und Zuversicht, aber auch einen Blick auf das Kreuz, das sich in diesen vorösterlichen Tagen nähert. Wie hören wieder Gedanken von Papst Benedikt XVI. Hören Sie nun die neunte Folge der Radioexerzitien.

Wer auf den Herrn vertraut, steht fest wie der Zionsberg, der niemals wankt, der ewig bleibt. Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk von nun an auf ewig. Das Zepter des Frevlers soll nicht auf dem Erbland der Gerechten lasten, damit die Hand der Gerechten nicht nach Unrecht greift. Herr, tu Gutes den Guten, dem Menschen mit redlichem Herzen. Doch wer auf krumme Wege abbiegt, den jage, Herr, samt den Frevlern davon. Frieden über Israel.

[2:06] Dieser Psalm 125 führt uns in den anschaulichen Bildern der Berge und Felsen die schützende Treue Gottes vor Augen. Der gläubige Mensch kann stets auf Gottes Zusage bauen und weiss sich in seiner Liebe geborgen. In dieser Gewissheit wendet er sich an den Herrn, mit der vertrauensvollen Bitte um das unschätzbare Geschenk des Friedens. Auf ihrem Weg durch die Zeit teilen die Christen die Nöte und Ängste aller Menschen und sind denselben Bedrohungen ausgesetzt. Nicht selten werden wir auch wegen unserer Überzeugungen belächelt und stossen auf das Unverständnis der Welt. Doch mit Paulus, Augustinus und vielen anderen Glaubenszeugen wissen wir, dass Christus unser Friede ist. Wer auf seinen Wegen geht, wird Gottes Güte erfahren und kann aus der Kraft des Glaubens auch anderen Geborgenheit und Zuversicht schenken.

[3:37] Christus ist unser Frieden, auf ihn bauen wir Christen unser Leben. Zuversicht und Geborgenheit, oder in den Worten des Neuen Testamentes: Glaube, Liebe und Hoffnung, kommen von IHM her. Ganz und alles auf Jesus setzen, das soll der Fokus dieser neunten Folge der Radioexerzitien sein. Aber in diesen Tagen kommt auch Ostern in den Blick und damit das Kreuz. Und auch das ist etwas, was untrennbar mit dem Bauen auf Jesus zu tun hat. Dazu wollen wir Papst Benedikt XVI. in dieser Sendung hören. Der Anspruch Jesu kann uns hart vorkommen.

[4:41] Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: «Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.» Philippus kommt und sagt es Andreas und Philippus und Andreas sagen es Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: «Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.» [Johannes 12,20-24]

[5:44] Johannes erzählt uns, dass Jesus nach Jerusalem hinaufgestiegen war, um das Pascha zu feiern, und sagt dann, es waren auch einige Griechen da, die gekommen waren, um beim Fest anzubeten. Und der Evangelist erzählt uns desweitern, dass diese Menschen von Jesus hören, zu Philippus, dem Apostel aus dem halb Griechisch sprechenden Betsaida, kommen und ihm sagen: «Wir möchten Jesus sehen.» Ihre Sehnsucht Gott zu erkennen, drängt sie dazu, Jesus sehen zu wollen und von ihm her Gott näher kennen zu lernen. «Wir möchten Jesus sehen», ein Wort, das auch uns berührt, denn wir alle möchten immer mehr wirklich sehen und erkennen. Ich denke, diese Griechen gehen uns in doppelter Weise an. Auf der einen Seite ist ihre Situation auch die unsere, auch wir sind Pilgernde mit der Frage nach Gott, auf der Suche nach Gott. Auch wir möchten Jesus näher kennen lernen, ihn wirklich sehen. Aber zugleich gilt, dass wir, wie Philippus und Andreas, Freunde Jesu sein sollen, die ihn kennen und die anderen den Weg zu ihm öffnen können. Herr, hilf uns, Menschen unterwegs zu dir zu sein, Herr schenk uns, dass wir dich mehr sehen dürfen, hilf uns, deine Freunde zu sein, die anderen Menschen die Tür zu die hin auftun.

[7:56] «Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet und nicht auch alle Familienbindungen lässt, kann mein Jünger nicht sein.» Wir möchten dagegen halten: «Was sagst du denn da, Herr? Braucht die Welt nicht gerade die Familie? Braucht sie nicht die Liebe von Vater und Mutter, die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die Liebe zwischen Mann und Frau? Brauchen wir nicht die Liebe zum Leben, die Freude am Leben, und brauchen wir nicht auch Menschen, die in die Güter dieser Welt investieren und die uns gegebene Erde aufbauen, so dass alle an deren Gaben teilhaben können? Ist uns denn nicht auch die Entwicklung der Erde und ihrer Güter aufgetragen? – Wenn wir dem Herrn genauer zuhören, und ihm vor allem zuhören im Ganzen, was er sagt, dann verstehen wir, dass Jesus nicht von allen Menschen das Gleiche verlangt. Jeder hat seinen eigenen Auftrag und die ihm zugedachte Weise der Nachfolge.

[9:55] Der Kern dessen, was er meint, gilt für alle. Worum es letztlich geht, drückt er ein anderes Mal so aus [Lukas 9,24-25]: «Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber an seiner Seele Schaden leidet.» Wer sein Leben nur haben, nur für sich selber nehmen will, der verliert es. Nur wer sich gibt, empfängt sein Leben. Anders gesagt: Nur der Liebende findet das Leben. Und Liebe verlangt immer das Weggehen aus sich selbst, verlangt immer, sich selber zu verlassen. Wer umschaut nach sich selber, den andern nur für sich haben will, der gerade verliert sich und den andern. Ohne dieses tiefste Sich-verlieren, gibt es kein Leben. Die rastlose Gier nach Leben, die die Menschen heute umtreibt, endet in der Öde des verlorenen Lebens. Wer sein Leben um meinetwillen verliert, sagt der Herr. Ein letztes Loslassen unserer selbst, ist nur möglich, wenn wir dabei am Ende nicht ins Leere fallen, sondern in die Hände der ewigen Liebe hinein. Erst die Liebe Gottes, der sich selbst für uns und an uns verloren hat, ermöglicht auch uns, frei zu werden, los zu lassen und so das Leben wirklich zu finden.

[12:31] Noch viel mehr als wir Menschen Gott je suchen und ersehnen können, sind wir schon zuvor von ihm gesucht und ersehnt, ja gefunden und erlöst. Der Blick der Menschen aller Zeiten und Völker, aller Philosophien, Religionen und Kulturen trifft zuletzt auf die weit geöffneten Augen der gekreuzigten und auferstandenen Sohnes Gottes, sein geöffnetes Herz ist die Fülle der Liebe. Die Augen Christi sind der Blick des liebenden Gottes.

[13:58] Auch für uns gilt, das wir eine Beziehung brauchen, die uns trägt, unserem Leben Richtung uns Inhalt gibt. Auch wir brauchen die Berührung mit dem Auferstandenen, die durch den Tod hindurch uns trägt. Wir brauchen diese Begegnung, die uns zusammenführt, die uns einen Raum der Freiheit schenkt, uns über das Getriebe des Alltags hinausschauen lässt, auf die schöpferische Liebe Gottes, aus der wir kommen und zu der wir gehen.

[15:56] Und damit endet auch diese neunte Folge der Radioexerzitien mit Texten, Ansprachen und Predigten von Papst Benedikt XVI. Ich bin P. Bernd Hagenkord und verabschiede mich von Ihnen, wo immer Sie uns zuhören. Hier ist Radio Vatikan. Laudetur Jesus Christus!

Weitere Hinweise und Quellen

Nachweis der Audioausschnitte für die 9. Folge der Radioexerzitien von Radio Vatikan am 16. März 2013

  • Predigt in Heiligenkreuz am 9. Sept 2007
  • Generalaudienz am 3. August 2005

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