{"id":529,"count":1,"description":"Tradition ist in einem allgemeinen, noch vortheologischen Sinn die \u00dcberlieferung, das Herkommen, d.h. die Summe aller Vorg\u00e4nge, durch die in der Menschheitsgeschichte die erworbenen Einsichten, F\u00e4higkeiten und Einrichtungen \u00fcbermittelt werden, und dann auch die Summe des so \u00fcberlieferten. Die Tradition sichert die Fortsetzung dessen, was einmal begonnen wurde, und erm\u00f6glicht aus dem Wissen und der Welterfahrung der Vorfahren einen Standpunkt, von dem aus das Neue seine Einordnung und Wertung erfahren kann. Anderseits jedoch steht die Tradition immer in der Gefahr, die Offenheit f\u00fcr das Kommende zu verlieren und zur Erstarrung im Gewesenen zu f\u00fchren.\nTradition bedeutet in der katholischen Theologie den Vorgang und Inhalt der letztlich von den urspr\u00fcnglichen Tr\u00e4gern der christlichen Offenbarung (besonders Jesus Christus und den Aposteln) in m\u00fcndlicher Verk\u00fcndigung ausgehenden, unter dem Beistand des Heiligen Geistes durch die Kirche geschehenden und sich dabei entfaltenden Weitergabe der geoffenbarten Wahrheit (siehe Dogma). Auch nachdem die urspr\u00fcngliche Tradition noch in der ersten Generation der Kirche einen Niederschlag in der Heiligen Schrift gefunden hatte, ist das in Tradition weitergegebene und durch das Lehramt autoritativ verk\u00fcndigte Glaubensbewu\u00dftsein der Kirche \u00fcber den Umfang (siehe Kanon) und den Sinn der Schrift und in diesem Sinn die Tradition immer noch formale Norm der Interpretation der Schrift, so da\u00df es in diesem Sinn zwei Erkenntnis-\"Quellen\" der Offenbarung: Schrift und Tradition gibt (DS 1501 u.\u00f6., NR 87f u.\u00f6.), ja sogar die Tradition einen logischen Vorrang vor der Schrift hat. Insofern aber anderseits das Glaubensbewu\u00dftsein der sp\u00e4teren Kirche und so die \"Tradition\" immer inhaltlich gebunden bleibt an die Verk\u00fcndigung (Tradition) der apostolischen Zeit, die sich mindestens im wesentlichen in der Schrift objektiviert hat und insofern mindestens f\u00fcr uns nicht sicher nachweisbar ist, da\u00df explizite Glaubensinhalte (au\u00dfer dem Umfang des Kanons) in der apostolischen Zeit vorhanden waren, die sich nicht in der Schrift niedergeschlagen haben, bleibt f\u00fcr die sp\u00e4tere Tradition die Schrift allein mindestens praktisch die einzige materiale Quelle der Glaubensinhalte; was nicht aus-, sondern einschlie\u00dft, da\u00df die weitere Geschichte des Glaubensbewu\u00dftseins der Kirche in einer Dogmengeschichte diese Inhalte der Schrift erheblich entfaltet und immer neu aktualisiert, und da\u00df die letzte Garantie der Sicherheit dieser Entfaltung auf dem bleibenden Boden der Schrift allein der Beistand des Heiligen Geistes ist, der der Kirche und in ihr ihrem Lehramt verhei\u00dfen ist (siehe Depositum fidei). Das II. Vat. erkl\u00e4rte, da\u00df die Bildung der Heiligen Schrift selbst ein Traditionsgeschehen sei (Offb. 7); da\u00df ein Traditionsvorgang in der Successio apostolica unter dem Beistand des Geistes immer weitergeht; da\u00df die Tradition Kenntnis gibt vom Schriftkanon und die Schrift aktualisiert (Offb. 8); da\u00df Schrift und Tradition eine Einheit bilden, weil sie einen Ursprung - die eine g\u00f6ttliche Offenbarung - haben und sich gegenseitig bedingen (Offb. 9f). Man kann daraus schlie\u00dfen: die Tradition geschieht immer und in allem im H\u00f6ren der Schrift, unter der Schrift als der kritischen Norm, die immer und in allem notwendig ist, um die \"g\u00f6ttliche\" Tradition als \u00dcberlieferung der Offenbarung in Jesus Christus von menschlichen Traditionen zu unterscheiden. Die Alternative, ob die S\u00e4tze der Schrift \"material\" die christliche Offenbarung vollst\u00e4ndig enthalten oder ob dar\u00fcber hinaus einzelne S\u00e4tze \"nur\" durch die (\"m\u00fcndliche\") Tradition \u00fcberliefert und so \"zwei\" material verschiedene \"Quellen\" f\u00fcr die christliche \u00dcberlieferung gegeben sind, ist falsch gestellt. Denn einerseits ist die Tradition, die in der nachapostolischen Zeit sich seihst in der Schrift inkarniert darbietet, in ihrem urspr\u00fcnglichen Wesen nicht eine Summe von S\u00e4tzen, sondern das Bleiben der Offenbarung Gottes, die reflex nicht aussch\u00f6pfbare Erfahrung Jesu Christi, das nie umgreifbare Geheimnis der Selbstmitteilung Gottes. Anderseits geht diese Tradition weiter, indem sie, so verstanden, auch die Schrift tr\u00e4gt. Die Schrift ihrerseits ist eben das Ereignis, in dem die Kirche ihr Kerygma, ihren Glauben konkret macht, wiedererkennt und dieser Objektivation sich selbst unterstellt zur Kritik an dem, was sonst noch in ihr im Lauf der Geschichte an Meinungen, Tendenzen usw. gegeben ist, und so das Eigentliche ihres Glaubens, den sie hat, indem sie ihn in der Schrift aussagt, rein erh\u00e4lt. Von der Tradition im strengen Sinn ist das zu unterscheiden, was sonst noch lehrm\u00e4\u00dfig oder disziplin\u00e4r als Tradition im weiteren Sinn \u00fcberliefert wird, ohne direkt auf die Autorit\u00e4t des sich offenbarenden und durch die Kirche sich immer zu Geh\u00f6r bringenden Gottes zur\u00fcckzugehen (vgl. z.B. Consensus). kthW","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=tradition","name":"Tradition","slug":"tradition","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}