{"id":502,"count":4,"description":"Macht (Herrschaft). Das Streben nach Verwirklichung des eigenen Willens, der eigenen Interessen und \u00dcberzeugungen sowie nach Erweiterung des eigenen Freiheitsraumes (siehe Gewalt) - auch gegen das (berechtigte) Widerstreben anderer - geh\u00f6rt sowohl zur anthropologischen Grundausstattung des Menschen (Hobbes und Nietzsche) wie auch zu den entscheidenden Merkmalen staatlicher Gebilde. In beiden F\u00e4llen sind zur deskriptiven Erfassung der realen Macht die psychischen und sozialen Faktoren durch das materielle und ideelle Machtpotential zu erg\u00e4nzen: nat\u00fcrliche Ressourcen, Kapital, industrielle und milit\u00e4rische Kapazit\u00e4t, politischer und moralischer Einflu\u00df, Information, B\u00fcrokratie, Propaganda (Werbung), Autorit\u00e4t. Wird die Verteilung der Chancen zur Durchsetzbarkeit dieses Willens zur Macht durch ein System von Machtbeziehungen - sei es auf der Basis von Delegation und Anerkennung, freiwilligem oder erzwungenem Gehorsam, Manipulation oder offener Unterdr\u00fcckung - geregelt und institutionalisiert, so entsteht Herrschaft. Die Herrschenden sind in allen bisher geschichtlich existierenden sozialen Systemen insofern auch immer privilegiert, als sie das zur Verf\u00fcgung stehende Machtpotential immer auch prinzipiell zur Aufrechterhaltung der bestehenden Herrschaftsstruktur einsetzen und eine Neu- oder Umverteilung der Macht verhindern k\u00f6nnen. Die Herrschaftsstrukturen definieren daher weitgehend die m\u00f6glichen Formen der Machtaus\u00fcbung (hierarchische Machtkonzentration; demokratische Machtverteilung; Mitbestimmung aller Beteiligten). Eine im Interesse der Beherrschten denkende politische Theorie hat daher seit Beginn der Neuzeit versucht, Vorschl\u00e4ge zur Kontrolle, Begrenzung und zum Abbau von Macht zu entwickeln und in gesellschaftsver\u00e4ndernder Praxis in politischen Strukturen zu verwirklichen (Gewaltenteilung, Menschenrechte, Parlamentarisierung, Demokratisierung). \u00dcber die anerkannten politischen Motive hinaus ist eine radikale theologische Kritik jeder Substantialisierung von Macht und Herrschaft und unzumutbarer Machtkonzentrationen in besonderer Weise durch die befreiende Botschaft und Praxis Jesu legitimiert. Die in der Botschaft Jesu verk\u00fcndete Macht und Herrschaft Gottes entfaltet sich dadurch, da\u00df sein erl\u00f6sendes Wort und seine helfende Tat mit g\u00f6ttlicher Vollmacht den Bedr\u00e4ngten und Verlorenen ein neues Leben schenkt. Darum steht diese Macht Gottes in unvers\u00f6hnlichem Gegensatz zu jedem unsolidarischen Selbstbehauptungswillen und Machtstreben wie auch zur religi\u00f6s-metaphysischen Verdr\u00e4ngung oder \u00dcberh\u00f6hung politischer M\u00e4chte und Herrschaftsideologien. Als letzte Konsequenz seiner Botschaft von der vers\u00f6hnenden Herrschaft Gottes nimmt Jesus den Kreuzestod auf sich. Sein Leiden wird zum befreiend-mahnenden Zeichen der Solidarit\u00e4t Gottes mit der Ohnmacht des verlassenen Gerechten und damit zur geschichtlichen Grundlage der selber heilschaffenden Macht des Evangeliums. Durch die Teilhabe an staatlicher Macht ist die Kirche daher immer in Gefahr, der urspr\u00fcnglichen Intention untreu zu werden. K. F. und kthW","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=macht","name":"Macht","slug":"macht","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}