{"id":479,"count":1,"description":"Gnosis\n(griechisch = Erkenntnis)\na) in einem echt christlichen Sinn bedeutet die charismatische, von der Agape umfa\u00dfte Erkenntnis (als Moment am Glauben, nicht seine \u00dcberbietung), die Paulus dem vollkommenen \"geistlichen\" Menschen (der im Pneuma ist) zuschreibt, jene Erkenntnis, in der der Mensch letztlich die unbegreifliche Liebe Gottes, die sich im Kreuz Jesu Christi offenbart, immer mehr glaubend \"begreift\" und sich so immer mehr von dieser Liebe selbst als dem Eigentlichsten und Endg\u00fcltigen ergreifen l\u00e4\u00dft. Dieses Wachstum bedeutet das einende Verst\u00e4ndnis des Ganzen der Offenbarung als solcher und deren immer personaleren Bezogenheit auf die eigene Existenz.  Diese theologische Erkenntnis ist von ihrem Wesen her auf die Beschauung ausgerichtet, sollte getragen werden durch die Weisheit des Heiligen Geistes, sollte \"charismatische\", \"kniende Theologie\" werden, aus dem Vollzug des Geglaubten in der Liturgie herauswachsen und in einer pers\u00f6nlichen \"Konnaturalit\u00e4t\" zum Glaubensmysterium und in der Liebe geschehen. Einer solchen Gnosis ist jede Theologie bed\u00fcrftig.\nb) In einem nicht rechtgl\u00e4ubigen Sinn bezeichnet Gnosis eine in der Geschichte immer wieder durchgebrochene Anfechtung (bis zur h\u00e4retischen Spaltung) des Christentums und eine Grundhaltung. Die gnostischen Ph\u00e4nomene pflegt man an Hand einzelner Anschauungen, die jeder Gnosis gemeinsam sind, unter dem Sammelnamen \"Gnostizismus\" zusammenzufassen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem als wichtigste: eine Ablehnung der jeweils konkreten Gegenwart, eine \"Flucht\" in die g\u00f6ttliche Sph\u00e4re, in die man durch philosophische Erkenntnis und Askese aufsteigt (und die in Geister- und Engelspekulationen ausgemalt wird), ein absoluter oder relativer (mit dem Ende der Welt begrenzter) Dualismus, eine Ablehnung gesetzlicher Normen (Antinomismus). Solche Gnosis gab es in der j\u00fcdischen Umwelt des Neuen Testamentes z.B. in der Bruderschaft von Qumran, in jenen Kreisen, die von Paulus im Brief an die Kolosser (wegen Abschw\u00e4chung der Stellung Jesu Christi) und die von den Pastoralbriefen (Mythen, Ehefeindlichkeit) bek\u00e4mpft werden und gegen die sich die Apokalypse richtet. Dabei ist nicht zu verkennen, da\u00df das Neue Testament gerade zur radikalen Ablehnung solcher Gnosis sich teilweise ihrer Terminologie bedient (siehe Entmythologisierung). Radikal antignostisch im Neuen Testament sind die Betonung, da\u00df die Vollendung der Welt und des Einzelnen allein Sache Gottes sind, der auch allein das Heil gibt, die Betonung der fleischlich-leiblichen Existenz des wirklich Mensch gewordenen Logos Gottes samt dem \u00c4rgernis des Kreuzes, die Ungeschuldetheit und Einmaligkeit der Erl\u00f6sung u.a. Seit Beginn des 2. Jahrhunderts wird eine von Osten her kommende Gnosis, die in ihr System christliche St\u00fccke einbaut, zum gef\u00e4hrlichsten, weil von echter religi\u00f6ser Erfahrung getragenen und imponierenden Gegner der Urkirche. Historisch greifbar und wichtig sind vor allem eine fr\u00fchgnostische Gruppe um 120 n.Chr. in Antiochien (die den Doketismus und radikale geschlechtliche Enthaltung vertrat); die Anh\u00e4nger des Basilides (120-145 in Alexandrien; gnostische Exegese des Evangeliums und Hymnendichtung); die des Valentin in Rom (145-160), die einen dualistischen Erl\u00f6sungsmythos aufstellte. Markion, 144 in Rom exkommuniziert, der den \"Judengott\" (das ganze Alte Testament) radikal verwarf und einen Kanon, bestehend aus Lukas und 10 Paulusbriefen, die er von \"j\u00fcdischen\" Elementen gereinigt hatte, aufstellte, ist nicht eigentlicher Gnostiker, wohl aber seine Anh\u00e4nger. Gegen diese Gnosis entfalteten sich die fr\u00fcheste Dogmenentwicklung der Kirche, eine gro\u00dfartige kirchliche Literatur (Justinus, Eirenaios, Tertullian, Hippolyt) und die theologischen Bem\u00fchungen, tiefere und g\u00fcltige Erkenntnisse der Gnostiker christlich zu integrieren (siehe Alexandrinische Theologenschule). Konzentriert ist die kirchliche Abwehr in der radikalen Bejahung der echten Menschheit Jesu und darum der W\u00fcrde  des Fleisches (siehe Auferstehung des Fleisches). Gnostische Anschauungen lebten im Mittelalter und in der Neuzeit immer wieder auf (siehe Theosophie, Anthroposophie, Rosenkreuzer usw.). Die theologische Grenze gegen die Gnosis ist vor allem wegen der folgenden Merkmale der Gnosis zu ziehen:\nGnosis ist Erkenntnis, die nicht einer personalen, gnadenhaften Selbsterschlie\u00dfung Gottes, sondern dem zu entdeckenden Wesen des Menschen selbst entstammt, ist also letztlich gnostisches \"Selbstbewu\u00dftsein\", nicht gehorsames H\u00f6ren des Wortes Gottes, Glaube. Der \"Erl\u00f6ser\" der Gnosis hilft dem Menschen nur, zum eigenen versch\u00fctteten Wesen hinabzudringen, schafft aber nicht innerhalb der konkreten Geschichte als echter Mensch erst das Heil, das er gibt. Die Erkenntnis als solche ist schon einfach durch sich allein erl\u00f6send; Liebe und sittliche Tat ist h\u00f6chstens Folgerung aus dem Erkannten, so da\u00df objektiv und subjektiv in der Gnosis schon alles gegeben ist. Damit behauptet die Gnosis, da\u00df der Mensch im letzten die absolute und doch alles umfassende Einheit aller Wirklichkeit in sich selbst findet; er realisiert also nicht, da\u00df er in seinem kreat\u00fcrlichen Pluralismus immer auf die ihm transzendent bleibende Einheit Gottes verwiesen ist und seine Existenz also der Konzentration auf die blo\u00dfe Erkenntnis widersteht. Die Erkenntnis erreicht nach der Gnosis ein \"geschlossenes\" System, das das Abbild des in logischer oder physischer Notwendigkeit verlaufenden Weltlaufes ist, somit keine wirkliche personale Freiheit, Geschichtlichkeit und Einmaligkeit kennt und mit dem Geheimnis im Grund des Daseins nicht als bleibender, wenn auch \"nahegekommener\" Unbegreiflichkeit Gottes rechnet, sondern es als das entschleierte und eroberte versteht. kthW","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=gnosis","name":"Gnosis","slug":"gnosis","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}