{"id":246,"count":30,"description":"1. Eine apologetische Beweisf\u00fchrung der historischen Tatsache, da\u00df Jesus Christus nach seinem wirklichen und wahrhaften Tod, seiner Abnahme vom Kreuz und seiner ordnungsgem\u00e4\u00dfen Bestattung in seiner ganzen und darum leibhaftigen Wirklichkeit zur verkl\u00e4rten Vollendung und Unsterblichkeit auferstanden ist, steht nicht im Vordergrund der Osterbotschaft des NT (dar\u00fcber 2). Aber es ist wichtig, angesichts der heute m\u00f6glichen Glaubensschwierigkeiten zuerst auf die gutbegr\u00fcndete Geschichtlichkeit dieser Tatsache hinzuweisen. Sie st\u00fctzt sich auf zwei sich gegenseitig tragende und erhellende Erfahrungen, die selbst bei kritischer Exegese und rein historischer Forschung jeder ernsthaften Bestreitung standhalten. Die eine Erfahrung ist die Entdeckung des leeren Grabes (\u00e4lteste Bezeugung Mk 16,1-8), die nach kritisch-exegetischem Befund gerade nicht in den Dienst einer apologetischen Beweisf\u00fchrung gestellt wurde (einerseits: Entdeckung durch die nach j\u00fcdischem Recht zeugnisunf\u00e4higen Frauen [\"leeres Geschw\u00e4tz\" Lk 24,11]; Abschlu\u00df des Berichts mit einem blo\u00dfen Furchtmotiv Mk 16,8; aber anderseits: Nachpr\u00fcfbarkeit des Berichts in Jerusalem; Fehlen jeder Bestreitung der Tatsache des leeren Grabes von Seiten der antichristlichen Jerusalemer Polemik). Die andere Erfahrung ist die der mehrmaligen Selbstbezeugung Jesu (\u00e4ltestes Zeugnis daf\u00fcr 1 Kor 15,3b-5, ein urspr\u00fcnglich aram\u00e4isch gefa\u00dftes, in den ersten Jahren der Urgemeinde entstandenes Traditionsst\u00fcck, das nach der j\u00fcdischen Anthropologie nur eine leibliche Auferstehung meinen und jedenfalls nicht \"reine Legitimationsformel\" sein kann) gegen\u00fcber auserw\u00e4hlten Zeugen, die ihren Glauben bekunden nicht in erster Linie aufgrund des leeren Grabes, sondern aufgrund einer durch eigene Wahrnehmung gewonnenen eigenen \u00dcberzeugung, die nachtr\u00e4glich auch in den Evangelien f\u00fcr andere glaubw\u00fcrdig gemacht wird durch den Bericht \u00fcber die in Jerusalem unbestrittene und unbestreitbare Auffindung des leeren Grabes.\r\n\r\n2. Wie schon 1 Kor 15,3-5, so bekunden auch die von der kritischen Exegese in ihrem Wert wiederentdeckten Petrusreden Apg 2,22-40; 3,12-16; 5,29-32; 10,34-43u.\u00f6. (\u00fcbrigens Zeugnisse vom Streit zwischen Juden und Christen \u00fcber die Auferstehung) den Osterglauben der Urgemeinde an die Machttat Gottes in der Auferweckung und Sichtbarmachung Jesu, wodurch die Erscheinungen des Auferstandenen als objektive Ereignisse bezeugt werden (Grundschema der Osterpredigt: Auferweckung - Schriftbeweis - J\u00fcngerzeugnis; sp\u00e4teres Schema: leeres Grab - Christophanie - Himmelfahrt). Ein weiteres wesentliches Moment am Zeugnis \u00fcber diese Erscheinungen ist der Nachweis, da\u00df der Gekreuzigte mit dem Auferstandenen identisch ist (z.B. Lk 24; Jo 20), da\u00df bei der Bezeugung den Aposteln und vorab dem Petrus eine vom Herrn vorgesehene Funktion eigener W\u00fcrde zukommt, die durch die Berichte von den Reden des Auferstandenen noch einmal eigens untermauert wird. Im Neuen Testament ist die Auferstehung Jesu immer unter der vom Zeugnis nicht abl\u00f6sbaren Voraussetzung eines objektiven Ereignisses bezeugt, das nicht gen\u00fcgend (wenn auch nicht unrichtig) mit \"Auferstehung ins Bewu\u00dftsein der Glaubenden\" wiedergegeben wird. Angesichts der Neuartigkeit des Auferstehungsleibes ist verst\u00e4ndlich, wenn gesagt wird, die im Judentum erwartete Auferstehung des Fleisches diene als Interpretament der Ostererfahrung der J\u00fcnger; aber diese Erfahrung besteht nicht nur in einem inneren, interpretationsbed\u00fcrftigen Reflexions-Vorgang, sondern ist offenkundig fundiert in objektiven Ereignissen.\r\n\r\n3. Der Inhalt des apostolischen Glaubens an die Auferstehung Jesu und seiner katechetischen und kultischen (besonders in der Taufe geschehenden) Bekundung ist dar\u00fcber hinaus kurz: die Auferstehung Jesu ist die h\u00f6chste Machttat des Vaters - das entscheidende Selbstzeugnis des  Sohnes; die Er\u00f6ffnung der Endzeit und ihres Heiles - die Erfahrung des Heils in der Gegenwart; die volle Erkenntnis Jesu als des Messias, Ebed Jahwe, Menschensohnes, zweiten Adams und \"Anf\u00fchrers des Lebens\", Begr\u00fcnders und Vorbilds der neuen Sch\u00f6pfung, des kosmischen Endmenschen, des Kyrios, der seiner Gemeinde verkl\u00e4rt gegenw\u00e4rtig ist; daraus die Mahnung zum Wandel im neuen Leben, zum Anziehen des neuen Menschen, die freilich nur in der Gnade des Auferstandenen erf\u00fcllt werden kann, da es letztlich der ,\"Geist\" des Auferstandenen ist (vgl. Rom 7,6; 8,9; 14,17 u.\u00f6.), der den Glaubenden neu macht zum Bild des \"letzten und himmlischen\" Adam (vgl. 1 Kor 15,47ff), ja bef\u00e4higt, da\u00df der Auferstandene in ihm Gestalt annehmen kann (vgl. R\u00f6m 8,10; Eph 3,17; Gal 2,20).\r\n\r\n4.  Die Auferstehung Jesu wird von s\u00e4mtlichen  Glaubensbekenntnissen  von Anfang an bekannt. Sie mu\u00df auch f\u00fcr die heutige Theologie zentrales Thema sein, da sie die Vollendung des Heilshandelns Gottes an der Welt und am Menschen ist, in der Gott sich in dem durch die Auferstehung endg\u00fcltig ausgewiesenen Sohn der Welt unwiderruflich mitteilt und darum die Welt in eschatologischer Endg\u00fcltigkeit zum Heil annimmt (siehe Tod), so da\u00df alles noch Ausst\u00e4ndige nur die Durchf\u00fchrung und Enth\u00fcllung des in der Auferstehung Geschehenen ist. Dabei handelt es sich insofern um ein eigentliches Geheimnis des Glaubens, als die Auferstehung in ihrem konkreten vollen Wesen als der Vollendung gerade Jesu Christi nur von dem absoluten Geheimnis der Inkarnation her ad\u00e4quat verstanden werden kann. Theologisch ist die Auferstehung Jesu also nicht prim\u00e4r ein Fall einer schon in sich verst\u00e4ndlichen Auferstehung im allgemeinen, sondern das einmalige, aus Jesu Wesen und Tod erfolgende Ereignis, das die Grundlage der Auferstehung der durch ihn Erl\u00f6sten als solchen ist.\r\n\r\n5. Der christologische Aspekt der Auferstehung besagt, da\u00df Jesus in seiner ganzen und darum  leibhaftigen  Wirklichkeit  zur  verkl\u00e4rten  Vollendung  und Unsterblichkeit (im Unterschied zur Wiedererweckung eines Toten) auferstanden ist, die ihm geb\u00fchrt kraft seines Leidens und Sterbens, insofern diese mit einer inneren Wesensnotwendigkeit diese konkrete Vollendung zeitigen. Tod und Auferstehung Jesu sind ein einziger, innerlich in seinen Phasen unl\u00f6slich zusammenh\u00e4ngender Vorgang (vgl.  Lk 24,26.46; R\u00f6m 4,25; 6,4 ff): jeder Mensch stirbt von innen her in seine Endg\u00fcltigkeit hinein, so da\u00df diese die gezeitigte Frucht seines zeitlich-freien Daseins und nicht eine blo\u00df in einem zeitlichen Hintereinander folgende Periode ist, in der etwas zum Vorausgehenden v\u00f6llig Heterogenes gegeben sein k\u00f6nnte. Diese Vollendung ist dennoch zugleich von Gott geschenkt, da der Tod ja in jeder Hinsicht ein Sicheinlassen auf die Verf\u00fcgung des Verf\u00fcgenden ist. Bei Jesus mu\u00df darum die Auferstehung das vollendete und vollendende Ende eben dieses seines Todes sein, und beide Momente des einen Vorgangs m\u00fcssen sich gegenseitig bedingen und interpretieren. Darum ist es nicht eine mythische Aussage, sondern die der Sache selbst, wenn Schrift und Tradition die Auferstehung als die reale Annahme des Todesopfers Jesu durch den Vater betrachten, die zum Wesen des Opfers selbst geh\u00f6rt.\r\n\r\n6. Weil Jesu leibhaftige Menschheit ein bleibender Teil der einen Welt mit einer einheitlichen Dynamik ist, darum ist die Auferstehung Jesu soteriologisch objektiv der Anfang der Verkl\u00e4rung der Welt als eines ontologisch zusammenh\u00e4ngenden Geschehens; in diesem Anfang ist ja die Vollendung der Welt grunds\u00e4tzlich entschieden und schon begonnen. Die Auferstehung Jesu ist auch darin nicht nur sein exklusiv-privates Schicksal, so da\u00df seine Auferstehung den \"Himmel\" schafft und nicht nur (samt der \"Himmelfahrt\", die im Grunde ein Moment an der Auferstehung ist) ein Einzug in einen vorgegebenen Himmel ist, da\u00df also auch hier die (Heils-) Geschichte letztlich Grund der Naturgeschichte ist und sich nicht blo\u00df im Rahmen einer von ihr unber\u00fchrten fixen Natur abspielt. Anderseits mu\u00df daraus auch deutlich werden, da\u00df der Auferstandene, weil der vereinzelnden irdischen Leiblichkeit enthoben, gerade erst als der Auferstandene, also durch sein \"Gehen\", in Wahrheit der der Welt Nahe geworden ist und darum seine Wiederkunft das Offenbarwerden dieses in der Auferstehung gewonnenen innigen und offenen Weltverh\u00e4ltnisses Christi ist.\r\n\r\n7. Die Erfahrung eines \"Jenseitigen\", der sich \"zeigen\" mu\u00df, der Raumzeitlichkeit der Menschen nicht mehr angeh\u00f6rt, ist kein Ereignis, das aus menschlicher Erfahrung \"verstehbar\" w\u00e4re. Ohne die Erfahrung des Geistes, das heisst in diesem Fall ohne die glaubend angenommene Erfahrung der Sinnhaftigkeit des Daseins, wird das vertrauende Sicheinlassen auf das Osterzeugnis der J\u00fcnger nicht geschehen. Nur der Hoffende kann die Erf\u00fcllung der Hoffnung sehen, und an der gesehenen Erf\u00fcllung kommt die Hoffnung in die Ruhe ihrer eigenen Existenz. \"Vorstellbar\" ist eine \"leibhaftige\" Auferstehung nicht, weil sie ja nicht die Wiederherstellung eines fr\u00fcheren Zustandes ist, sondern jene Verwandlung radikaler Art bedeutet, durch die der freie irdische Daseinsvollzug des Menschen als ganzen hindurchgehen mu\u00df, soll der Mensch seine Vollendung in der \u00dcberwindung der Zeit und Auszeitigung der Ewigkeit aus der Zeit finden. kthW\r\n","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=auferstehung-jesu","name":"Auferstehung Jesu","slug":"auferstehung-jesu","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}