{"id":233,"count":42,"description":"Person (lateinisch persona, urspr\u00fcnglich die Maske im Schauspiel; griechisch prosopon == Antlitz). Der Begriff der Person (zun\u00e4chst im heutigen Sinn) ist in der Theologie von gro\u00dfer Bedeutung, insofern er auf jene Eigent\u00fcmlichkeiten des Menschen hinweist, die die Voraussetzung seines Verh\u00e4ltnisses zu Gott und seines Heilstuns sind: seine Geistigkeit, insofern sie gr\u00fcndet in seiner Transzendenz, und Beisichselbstsein, bleibende und unausweichliche Verwiesenheit auf das Sein im ganzen und somit auf Gott (als der apriorischen Bedingung seines urteilenden [objektivierenden] und handelnden Verh\u00e4ltnisses zu den einzelnen Seienden), und Freiheit, \u00fcber sich selbst im kritisch distanzierenden Umgang mit dem als endlich erkannten einzelnen Seienden zu verf\u00fcgen, besagt. Personsein ist also Selbstbesitz des Subjekts als solchen in wissender und freier Bezogenheit auf die Wirklichkeit als ganze und deren unendlichen Grund, Gott. Die Personhaftigkeit des Menschen als solchen ist nat\u00fcrlich dabei zu sehen als eine solche, die sich nur in konkreter Leibhaftigkeit, im Hier und Jetzt der Geschichte, im Dialog mit dem anderen Du und so in der Gemeinschaft in einer bleibenden Ausgesetztheit der urspr\u00fcnglichen Tat an die leidende Erfahrung der Welt vollziehen kann. Da\u00df diese ontologische Verfassung des Menschen der Grund ist f\u00fcr seine ewige G\u00fcltigkeit, seine Verantwortung, sein dialogisches Verh\u00e4ltnis zu Gott, seine Berufbarkeit zum \u00fcbernat\u00fcrlichen Ziel (Natur und Gnade, Potentia oboedientialis), seine W\u00fcrde und Unsterblichkeit, den absoluten Charakter sittlicher Werte (nat\u00fcrliches Sittengesetz), braucht nicht lang erkl\u00e4rt zu werden. Die christliche Theologie kennt aber (neben und in diesem modernen Personbegriff) in der Christologie und Trinit\u00e4tslehre (in beiden nochmals in nicht einfach absolut selbem Sinn und mit nicht unerheblichen Verschiedenheiten ihrer Interpretation in den einzelnen theologischen Richtungen) einen anderen Personbegriff, der zwar mit dem erstgenannten zusammenh\u00e4ngt, mit ihm aber nicht einfach identisch ist, sondern ein Merkmal an einer subjekthaften (beisichseienden und freien) geistigen, konkreten Natur (= Person im obigen Sinn) heraushebt und unterscheidet und zum formalsten Merkmal der Person (Hypostase) erkl\u00e4rt: ihre \u201eSubsistenz\", d. h. die Eigent\u00fcmlichkeit einer konkreten geistigen Natur (mit den obigen Merkmalen), durch die sie (und insofern sie) in letzter Unmittelbarkeit sich selbst geh\u00f6rt; das letzte ganzheitliche Insichselberstehen; der unvertauschbare Tr\u00e4ger dieser geistigen Natur bzw. das, was eine Wirklichkeit zu einem solchen Tr\u00e4ger macht. Der Grund f\u00fcr diese Unterscheidung in der Theologie liegt einmal darin, da\u00df in der einen ganzen Wirklichkeit Jesu Christi alles jenes gegeben ist, was einen Menschen zum Menschen macht (was oben zum modernen, materialen Begriff des Personalen gez\u00e4hlt wurde), dieses an sich absolut kreat\u00fcrlich, endlich und geschaffen ist und nicht mit der Gottheit Gottes identifiziert werden darf und doch eben dieses alles in aller Wirklichkeit als dem Logos Gottes in absoluter, bleibender Einheit zugeh\u00f6rig begriffen werden mu\u00df, das offenbarende Dasein Gottes bei uns ist. Das nun, was den Logos unbeschadet seiner Gottheit in Wahrheit einen Menschen sein l\u00e4\u00dft, nennt die traditionelle christliche Terminologie (ungef\u00e4hr seit dem Konzil von Chalkedon) seine menschliche \u201eNatur\u201c (ohne diese dadurch zu versachlichen, ihre Transzendenz und Freiheit und ihr kreat\u00fcrlich dialogisches Verh\u00e4ltnis zu Gott zu leugnen). Und insofern eben diese Wirklichkeit ganz die des Logos ist, sagt diese Terminologie, da\u00df dieser die \u201ePerson\", d. h. letzten Stand gebender, besitzender Tr\u00e4ger dieser \u201eNatur\" sei und insofern diese menschliche \u201eNatur\" Jesu Christi nicht an sich schon \u201ePerson\" (in diesem scholastischen Sinn) sei. Dieses Menschsein Jesu Christi ist damit nicht als weniger \u201epersonal\" (im modernen Sinn) erkl\u00e4rt. Im Gegenteil: insofern Personalit\u00e4t (im heutigen Sinn) jenes Zusichselbergekommensein (oder dessen ontologischen Grund) einer Wirklichkeit meint, durch das diese erst, und zwar notwendig (seinshaft und existentiell), auf ein Du und Gott verwiesen ist, ist die \u201eSubsistenz\" der menschlichen Wirklichkeit Jesu im Logos gerade die h\u00f6chste \u00fcberbietende Erf\u00fcllung dessen, was Personalit\u00e4t besagt. Person hat also als nicht-absolut (seinshaft und bewu\u00dft) Gott \u00fcbereignete Geistigkeit im blo\u00df Kreat\u00fcrlichen eine Negativit\u00e4t an sich. Und so schlie\u00dfen sich der moderne und der traditionelle Begriff von Person zusammen: die geistige, beisichseiende Transzendenz, die in ihrer Ekstase immer wieder endlich auf sich selbst zur\u00fcckf\u00e4llt und in sich hypostasiert (=  endliche Person im modernen Sinn unter expliziter Erkenntnis der Endlichkeit des Personalen als solchen), wird in Jesus Christus durch das absolute, von Gott bewirkte Gelungensein dieser Ekstase (seinshaft und bewu\u00dft) in sich \u201eahypostatisch\u201c (blo\u00dfe \u201eNatur\u201c, aber gerade so in dem Anspruch des Personalen vollendet) und enhypostatisch im Logos Gottes. Der Grund f\u00fcr die scholastisch-theologische Unterscheidung zwischen Person und geistig-individueller Natur liegt zweitens in der christlichen Trinit\u00e4tslehre. Die Selbstmitteilung Gottes an den Menschen in Inkarnation und Gnade ist so radikal, d.h. gibt Gott so absolut, wie er an sich ist, da\u00df der dreifache Aspekt dieser Selbstmitteilung (der heils\u00f6konomischen Dreifaltigkeit Gottes) Gott an sich selber und f\u00fcr sich selber zukommen, auch innerg\u00f6ttlich sein mu\u00df: radikal ursprunglose Urspr\u00fcnglichkeit geistiger Wirklichkeits- und Lebensf\u00fclle als mitteilbarer und doch behaltener; selbstobjektivierte Ausgesagtheit dieser Wirklichkeitsf\u00fclle; Weggegebenheit dieser Wirklichkeitsf\u00fclle in ekstatisch heiliger Liebe kommen Gott an sich zu und d\u00fcrfen nicht wegen der wahren, absoluten Einheit Gottes in eine dumpfe, unvermittelte Einerleiheit, in eine tote Identit\u00e4t zusammenfallend gedacht werden, wodurch die \u00f6konomische Trinit\u00e4t, als nicht der eigentliche Gott an sich seiend, zu einem endlichen ung\u00f6ttlichen Zwischenbereich zwischen Gott und dem Begnadeten w\u00fcrde, der die eigentliche Selbstmitteilung Gottes aufheben w\u00fcrde. Diese drei Aspekte der g\u00f6ttlichen Seins- und Lebensf\u00fclle, die durch ihre gegens\u00e4tzliche Bezogenheit aufeinander je eine letzte Unvertauschbarkeit besitzen und so dieselbe eine Lebensf\u00fclle (als absolute Wirklichkeit) erst in je einmaliger und gegens\u00e4tzlicher Weise in dreifach einmaliger Weise dasein lassen, werden nun auch \u201ePersonen\" genannt und von der einen unendlichen Seinsf\u00fclle als der g\u00f6ttlichen \u201eNatur\u201c unterschieden. Dementsprechend wird formuliert: in dem einen Jesus Christus als dem menschgewordenen Logos ist eine Person (das Wort des Vaters) und sind zwei Naturen (die g\u00f6ttliche und die menschliche) (in dem einen ewigen Gott sind eine Natur (oder Wesen) und drei Personen. Dabei ist zu beachten, da\u00df die \u201eDreiheit\u201c von \u201ePersonen\u201c nicht dreimal das Gleiche setzt, sondern das, was Vater, Sohn und Geist jeweils absolut verschieden, d.h. relativ entgegengesetzt voneinander macht, zusammenz\u00e4hlt.  Man kann die Gr\u00fcnde der blo\u00dfen innerg\u00f6ttlichen Unterschiedenheit als solcher in der Einheit, deren echtes Wesen dadurch zur Vollendung kommt, nur in einem sehr ungenauen Sinn nochmals unter einen Begriff bringen, da jene \u201eDrei\u201c durch das, was sie in diesem hier gemeinten Sinn zu \u201ePersonen\u201c macht, nur unterschieden, nicht aber gleichgemacht werden, da das \u201eGemeinsame\u201c hier schon die absolute eine Selbigkeit der ,,Natur\u201c ist, durch die, was eingangs im modernen Begriff der \u201ePerson\u201c an Merkmalen herausgestellt wurde (\u201eBeisichsein\u201c als innere Wesenserhelltheit, Freiheit), in den drei g\u00f6ttlichen \u201ePersonen\u201c nur strengstens einmal gegeben ist. - Dies alles ist hier nur gesagt, um deutlich zu machen, da\u00df bei der Verwendung solcher Begriffe wie \u201eNatur\u201c, \u201ePerson\u201c in der Theologie der Sachgrund, der zu solcher z\u00f6gernd analoger Verwendung f\u00fchrt, nicht am Ende einer solchen abwandelnden Gedanken- und Begriffsgeschichte wieder vergessen werden darf, so da\u00df der Begriff dann wieder wie zu Beginn verstanden wird und so den christologischen und trinitarischen Glaubensformeln unwillk\u00fcrlich ein Sinn unterlegt wird, der an sich v\u00f6llig falsch ist. Die menschliche \u201eNatur\u201c Jesu Christi ist also als solche absolut nicht sachhaft-statisch oder dessen entbehrend, was eine menschliche \u201ePerson\u201c auszeichnet: Beisichsein, Freiheit und dialogisch-kreat\u00fcrliches Gegen\u00fcber zu Gott in Anbetung und Gehorsam als Vollz\u00fcge kreat\u00fcrlicher Transzendenz. Und die drei \u201ePersonen\u201c in Gott bedeuten nicht drei handelnde \u201eSubjekte\u201c, die mit dreimal je eigener wissender und freier Lebensf\u00fclle sich gegen\u00fcberst\u00fcnden und so die Einzigkeit der g\u00f6ttlichen Natur nicht als Mysterium stehenlie\u00dfen, sondern aufheben w\u00fcrden. kthW","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=person","name":"Person","slug":"person","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/233","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}