{"id":198,"count":7,"description":"Wunder hei\u00dft ein im Gesichtskreis unserer menschlichen Erfahrung antreffbares Ereignis, das wesenhaft nicht aus den (grunds\u00e4tzlich einsichtigen) Eigengesetzlichkeiten dieses Erfahrungsraumes erkl\u00e4rt werden kann und deswegen den Menschen in jener Tiefe seines Daseins anruft, die seine gesamte \u00fcberblickbare Erfahrungswelt st\u00e4ndig begleitet und zugleich \u00fcbersteigt: in der eigent\u00fcmlichen inneren Erschlossenheit und allseitigen Offenheit seiner geistgepr\u00e4gten Natur, kraft der der Mensch eine grunds\u00e4tzliche Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das Jenseits seiner Erfahrungswelt hat, eine bleibende Nachbarschaft zu Gott (siehe Geist, Transzendenz). Freilich mu\u00df er sich diese stets neu aus allen innerweltlichen Verfestigungen und Verdeckungen er\u00f6ffnen im schlichten Vollzug der urspr\u00fcnglichen Weite seines Wesens, in jener Glaubenswilligkeit, Gottgeh\u00f6rigkeit und ehrlichen Bejahung seines endlichen Daseins, die ihm eine letzte schwebende Fragw\u00fcrdigkeit seiner Horizonte bewu\u00dft macht und so in ihm jene dem\u00fctig empf\u00e4ngliche Verwunderung wachh\u00e4lt, in der er die nach verantwortlicher Pr\u00fcfung unerkl\u00e4rbaren (und nicht blo\u00df faktisch unerkl\u00e4rten) Ereignisse seiner Erfahrungswelt als unmittelbar von Gott beabsichtigt und veranla\u00dft annimmt und sich selbst durch sie aufgerufen wei\u00df zu einem geschichtlichen Dialog mit ihm. Auch die Schrift kennt diese fundamentale Gl\u00e4ubigkeit im Menschen als Voraussetzung f\u00fcr das Wunder (vgl. Mk 5,34; Lk 18,42 u.a.), das dann seinerseits zum Glauben (im strengen Sinn) an die ausdr\u00fccklich formulierte Botschaft Gottes f\u00fchrt (vgl. Joh 11,37 ff u.\u00f6.). Zur Begr\u00fcndung der vielfach von neuzeitlichen Naturwissenschaftlern und einer von ihrem Weltbild inspirierten Theologie in Frage gestellten M\u00f6glichkeit des Wunders und seiner Erkennbarkeit (als Glaubenss\u00e4tze im I. Vatikanischen Konzil gelehrt, Definierte Glaubenslehre (Dogma): DS 3034, vgl. 3009; NR 52, vgl. 32) ist zu beachten, da\u00df die vom Menschen her erschlossene Gesamtwirklichkeit einem Stufenbau gleicht, in dem keine einzige Region ausschlie\u00dflich sich selbst angeh\u00f6rt, sondern alles in einem nach oben aufgeschlossenen, seine konnaturalen Wirkm\u00f6glichkeiten je \u00fcbersteigenden Zusammenhang steht. Die untermenschliche Natur bleibt in einer innerlich gezielten Hinordnung auf die Natur des Menschen, die ihrerseits aus sich selbst f\u00fcr ein geschichtlich freies Handeln Gottes empf\u00e4nglich ist. Eine solche geschichtliche Initiative Gottes im Wunder bringt deshalb in der (materiellen) Natur nur in einer qualitativ neuen Weise deren Wesen, Ausdruck des souver\u00e4nen Ordnungswillens Gottes zu sein, zur Geltung, insofern sie n\u00e4mlich diese Natur, die sich wesenhaft in den Schranken eines \u00fcberblickbaren Naturgesetzes auslegt, entschr\u00e4nkt in die h\u00f6here Gesetzlichkeit der g\u00f6ttlichen Heils\u00f6konomie, in der Gott den Menschen in geschichtlicher Tat in seine Lebensgemeinschaft beruft.\r\nDogmatisch gesehen, ist damit das Wunder nicht irgendeine ungesetzm\u00e4\u00dfige, willk\u00fcrliche Demonstration der Allmacht Gottes, sondern es steht in einem universalen heilsgeschichtlichen Zusammenhang, geh\u00f6rt in den Proze\u00df der gn\u00e4dig-freien Selbstmitteilung Gottes an den Menschen (siehe Offenbarung, Praeambula fidei). Es ist die innergeschichtliche Selbstbezeugung dieses Heilswillens Gottes und seines ihm entspringenden heilsgeschichtlichen Handelns in den Propheten (seit Mose) und vor allem in Jesus Christus. Diesen dient das Wunder zun\u00e4chst als \u00e4u\u00dferes beglaubigendes Zeichen ihrer gottgewollten Wirksamkeit, es hat aber in seinem Vollsinn zugleich einen endzeitlichen Aspekt, der besonders im alles entscheidenden Wunder der Auferstehung Jesu deutlich wird: das Wunder des verkl\u00e4rt auferstandenen Leibes Jesu ist die sichtbare Vorwegnahme des endzeitlichen Schicksals des in die Gottgemeinschaft berufenen Menschen, um dadurch die geschichtsstiftende und endzeitliche Macht Gottes (der diese Auferstehung gewirkt hat) zu best\u00e4tigen und zugleich die dem Menschen von ihm verhei\u00dfene Vollendung als die verborgen wirkende Kraft der gegenw\u00e4rtigen Heilssituationen zu bezeugen. kthW","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?tag=wunder","name":"Wunder","slug":"wunder","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}