{"id":5279,"date":"2012-11-23T15:42:28","date_gmt":"2012-11-23T14:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5279"},"modified":"2021-06-18T16:39:11","modified_gmt":"2021-06-18T14:39:11","slug":"ungeschuldetheit-und-wesen-der-anschauung-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5279","title":{"rendered":"Ungeschuldetheit und Wesen der Anschauung Gottes"},"content":{"rendered":"<h2>Selbstmitteilung Gottes an den konkreten Menschen<\/h2>\n<figure id=\"attachment_5032\" aria-describedby=\"caption-attachment-5032\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-opt-id=1590556880  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5032\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karl-Rahner-SJ.jpg\" alt=\"http:\/\/www.karl-rahner-archiv.de\/\" width=\"193\" height=\"280\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5032\" class=\"wp-caption-text\">Karl Rahner SJ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit Anschauung Gottes ist gew\u00f6hnlich im theologischen Sprachgebrauch das Ganze des vollendeten Heiles (wenn auch mit einer gewissen terminologischen \u00dcberbetonung des intellektuellen Momentes an diesem ganzen und einen Heil) in der vollen und endg\u00fcltigen Erfahrung der unmittelbaren Selbstmitteilung Gottes selbst durch den in freier Gnade zu einem absoluten und zur vollen Verwirklichung gelangten Willen Gottes zu dieser Selbstmitteilung an den konkreten Menschen gemeint. Insofern dieser absolute Wille (wirksame Gnade des vollendeten Heiles in Pr\u00e4destination) den Einzelnen trifft als Glied der erl\u00f6sten Menschheit in Christo und wegen Christus, impliziert der Begriff konkret (wenn auch nicht formal) auch die Einheit der Erl\u00f6sten und Vollendeten im vollendeten Reich Gottes, den &#171;Himmel&#187; als die Gemeinschaft der Seligen mit dem verkl\u00e4rten Herrn auch in seiner Menschheit und untereinander, also die Vollendung der Gemeinschaft der Heiligen. <!--more-->Als endg\u00fcltige, unaufhebbare Vollendung der Tat Gottes am Menschen und der menschlichen Freiheit (die frei das Endg\u00fcltige will) ist die Anschauung Gottes &#171;das ewige Leben&#187;. Insofern die &#171;Zeit&#187;-Differenz (soweit sie gedacht werden kann und mu\u00df) zwischen der Vollendung des einen Menschen in seine geistig-personale Dimension und der Vollendung in seine leibliche Dimension hinein letztlich unerheblich ist, insofern die Schrift immer die eine ganze Vollendung des Menschen meint und sie nur von verschiedenen Aspekten anvisiert und sie darum einmal als Auferstehung des Fleisches vorstellt (1 Kor 15), die die ganze Vollendung meint, das andere Mal als &#171;Sein mit Christus&#187; (Phil 2,23) in dem &#171;Schauen Gottes von Angesicht zu Angesicht&#187; (1 Kor 13, 12), darf unbefangen auch die Vollendung der Leiblichkeit des Menschen in den konkreten Begriff der Anschauung Gottes eingetragen werden, zumal es eine theologisch offene Frage ist, ob nicht doch auch die Anschauung Gottes durch die leibliche Verkl\u00e4rung des Menschen einen &#171;Zuwachs&#187; erh\u00e4lt, d.h. konkret auch von dieser mitbestimmt wird.<\/p>\n<h2>Ungeschuldetheit der Anschauung Gottes<\/h2>\n<p>Die Anschauung Gottes ist als personal freie Selbstmitteilung Gottes und als H\u00f6hepunkt der \u00fcbernat\u00fcrlichen, d.h. jeder geistigen Kreatur im Voraus zu einer eventuellen S\u00fcndigkeit und Unw\u00fcrdigkeit ungeschuldeten Gnade schlechthin ungeschuldet (D 475), das Wunder radikaler Liebe Gottes, die von ihrem Adressaten her nie eine Forderung der Gerechtigkeit oder Billigkeit oder eine blo\u00dfe Konsequenz ihres Wesens sein kann. Die Anschauung Gottes ist zwar die denkbar vollendetste Verwirklichung einer geistigen Kreatur, insofern diese auf Sein und Wahrheit und Wert eine schlechthin unbegrenzte Offenheit hat. Da aber diese unbegrenzte &#171;Transzendentalt\u00e4t&#187; des Menschen auch einen Sinn und eine Funktion hat, wenn sie nicht durch die Selbstmitteilung Gottes erf\u00fcllt wird, n\u00e4mlich die Konstitution von sinnhaftem, geistigem, interkommunikativem Leben in Freiheit, Geschichte auf Endg\u00fcltigkeit des Besitzes solchen Lebens hin, was alles ohne solche Transzendenz nicht m\u00f6glich ist, so ist die vollendete Selbstmitteilung Gottes auch einer geistigen Kreatur als solcher gegen\u00fcber (als &#171;Natur&#187;) freie Gnade und kann doch die (letztlich einzig absolute) Vollendung der geistigen Kreatur sein. Diese Gnadenhaftigkeit der Anschauung Gottes bestreitet nicht, da\u00df in der faktischen Ordnung der Wirklichkeit die geistige Kreatur von Gott frei gewollt ist, weil er sich selbst frei mitteilen wollte, Natur also ist, weil Gnade sein sollte, da\u00df also in jeder freien Kreatur eine unzerst\u00f6rbare Hinordnung auf Anschauung Gottes (ein &#171;\u00fcbernat\u00fcrliches Existenzial&#187;) gegeben ist, mit der der h\u00f6chste &#171;Anspruch&#187; der geistigen Kreatur und der letzte Sinn und das Ziel des Dramas ihrer Geschichte eben die Anschauung Gottes ist.<\/p>\n<h1>Wesen der Anschauung Gottes<\/h1>\n<p>1. Was das letzte Wesen der Anschauung Gottes (also im engsten Sinn) angeht, so ist a) davon auszugehen, da\u00df das spezifische Wesen des kreat\u00fcrlichen Geistes geistige Erkenntnis und Liebe in einer radikalen Einheit und gegenseitigen Bedingung ist, und zwar in Interkommunikation geistiger Personen. Es ist b) zu beachten, da\u00df &#171;Heil&#187;, und zwar gerade als endg\u00fcltiges, die Vollendung der geistigen Person als solcher und ganzer meint, also vor allem ihres spezifischen Wesens, das sie von untergeistigem Seienden unterscheidet. Es ist c) zu bedenken, da\u00df, wenn diese Vollendung des Menschen in der gnadenhaften Selbstmitteilung Gottes besteht, eine solche Vollendung von Anfang ihres Begriffes an nicht davon absehen kann, da\u00df dieser Gott notwendig der trinitarische ist, da\u00df die \u00f6konomische Trinit\u00e4t die immanente ist, da dies von der ganzen christologischen und pneumatologischen Struktur der Heilsgeschichte, deren Vollendung die Anschauung Gottes ist, best\u00e4tigt wird. Wenn von einer &#171;Teilnahme an der g\u00f6ttlichen Natur&#187; gesprochen wird, darf nicht \u00fcbersehen werden, da\u00df diese notwendig in drei distinkten Subsistenzweisen ist und gegeben wird zur Unmittelbarkeit zwischen Gott und der geistigen Person des Gesch\u00f6pfes, also Unmittelbarkeit des Gesch\u00f6pfes zu Gott als Vater, Sohn und Geist besagt.<\/p>\n<p>2. Dennoch ist es nat\u00fcrlich richtig, da\u00df sich aus dem Wesen der Sache heraus die Anschauung Gottes am besten von ihrer intellektuellen Seite her beschreiben l\u00e4\u00dft. Daher wird sie als Erkennen Gottes, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht, ohne Spiegel und Gleichnis, als Schauen im Gegensatz zum Hoffen, schon in der Schrift beschrieben (1 Jo 3,2; 1 Kor 13,12; vgl. Mt 5,8; 18,10; 2 Kor 5,7). Die Parallele dieses Erkennens zum Erkanntsein durch Gott (1 Kor 13,12) betont den personalen Charakter der gegenseitigen Liebesannahme und Selbstmitteilung im Unterschied zu einem rein objektivistischen Kenntnisnehmen. Dementsprechend beschreibt Benedikt XII. (D 530) die Anschauung Gottes als Visio intuitiva et facialis der Wesenheit Gottes, deren Eigenart darin besteht, da\u00df kein von Gott verschiedenes Objekt diese Erkenntnis vermittelt, sondern das g\u00f6ttliche Wesen selbst sich unmittelbar, klar und offen zeigt (D 530; vgl. auch D 693). Die theologische Spekulation f\u00fcgt dem mit Recht hinzu, da\u00df die realontologische Bestimmung der kreat\u00fcrliche Erkenntnisf\u00e4higkeit, durch die diese aktuiert werden mu\u00df zur unmittelbaren Erkenntnis Gottes, nochmals Gott als er selbst sein mu\u00df, der selbst in einer quasi-formalen Weise die notwendige Funktion einer &#171;Species impressa&#187; f\u00fcr die Erkenntnis erf\u00fcllt. Wenn und insofern dabei doch auch eine kreat\u00fcrliche realontologische Bestimmung des Geistes erforderlich ist (das &#171;Lumen gloriae&#187; als Vollendung des Glaubenshabitus: D 475), so ist ihr Verh\u00e4ltnis zur quasi-formalen Selbstmitteilung Gottes zur Anschauung Gottes ebenso zu bestimmen wie das Verh\u00e4ltnis zwischen &#171;geschaffener&#187; und &#171;ungeschaffener&#187; Gnade. Die Anschauung Gottes hebt nat\u00fcrlich die Unbegreiflichkeit Gottes nicht auf (D 428 1782), sie ist vielmehr die unmittelbare Erfahrung und liebende Bejahung Gottes als des Unbegreiflichen, dessen Geheimnis nicht blo\u00df die Begrenzung endlicher Erkenntnis, sondern deren letzter positiver Grund und letztes Ziel, deren Seligkeit ist, die &#171;ekstatische&#187; &#171;Aufhebung&#187; der bleibenden Erkenntnis in die Seligkeit der Liebe. In Gott werden, insofern er der Ursprung und das Ziel aller au\u00dferg\u00f6ttlichen Wirklichkeit ist, auch alle anderen Wirklichkeiten geschaut und geliebt, in der Weise und dem Ma\u00df sie einen &#171;angehen&#187; (vgl. Thomas, S. th. III q. 10 a. 2).<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Karl Rahner, Herders theologisches Taschenlexikon, Bd. 1 (Freiburg, 1972), 116-119, <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Anschauung-Gottes-Herder.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anschauung Gottes &#8211; Herder (PDF)<\/a><\/li>\n<li>\u21d2 <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5031\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstmitteilung Gottes an den konkreten Menschen Mit Anschauung Gottes ist gew\u00f6hnlich im theologischen Sprachgebrauch das Ganze des vollendeten Heiles (wenn auch mit einer gewissen terminologischen \u00dcberbetonung des intellektuellen Momentes an diesem ganzen und einen Heil) in der vollen und endg\u00fcltigen Erfahrung der unmittelbaren Selbstmitteilung Gottes selbst durch den in freier Gnade zu einem absoluten und &hellip; <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5279\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ungeschuldetheit und Wesen der Anschauung Gottes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9504,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[229,281,149,233,362,186,260],"class_list":["post-5279","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirche","tag-gnade","tag-gott-vater","tag-karl-rahner","tag-person","tag-selbstmitteilung-gottes","tag-wahrheit","tag-wesen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5279","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5279"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5279\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9501,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5279\/revisions\/9501"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}