{"id":5266,"date":"2012-12-13T16:33:19","date_gmt":"2012-12-13T15:33:19","guid":{"rendered":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5266"},"modified":"2021-06-18T16:39:05","modified_gmt":"2021-06-18T14:39:05","slug":"gotteserfahrung-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5266","title":{"rendered":"Gotteserfahrung heute"},"content":{"rendered":"<h2>Die Gotteserfahrung\u00a0hat durchaus eine gesellschaftliche \u00f6ffentliche Bedeutung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_9551\" aria-describedby=\"caption-attachment-9551\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-opt-id=194731762  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-9551\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Karl-Rahner-Gotteserfahrung-heute-CD-Grünewald.jpg\" alt=\"https:\/\/www.gruenewaldverlag.de\/gotteserfahrung-heute-p-659.html\" width=\"278\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:600\/h:525\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Karl-Rahner-Gotteserfahrung-heute-CD-Gr\u00fcnewald.jpg 600w, https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:300\/h:263\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Karl-Rahner-Gotteserfahrung-heute-CD-Gr\u00fcnewald.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9551\" class=\"wp-caption-text\">Der Vortrag auf CD beim Gr\u00fcnewald Verlag<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der grosse Theologe und spirituelle Lehrer Karl Rahner hat wie kaum ein anderer in immer neuen Anl\u00e4ufen und neuen Perspektiven die Frage zur Sprache gebracht, wie wir Gott erfahren k\u00f6nnen. Und unerm\u00fcdlich hat er betont, dass jeder Mensch grunds\u00e4tzlich f\u00fcr eine solche Erfahrung offen ist, denn er lebt \u201emit den Sandk\u00f6rnern des Strandes besch\u00e4ftigt, am Rand des unendlichen Meeres des Geheimnisses \u2026 Die Gotteserfahrung darf [auch] nicht als blosse unverbindliche Stimmung, als unkontrollierbares Gef\u00fchl diskreditiert werden bloss deshalb, weil sie die Erfahrung des Unsagbaren ist. Und diese Erfahrung ist auch nicht bloss die Sache einer privaten Innerlichkeit, sondern hat durchaus eine gesellschaftliche \u00f6ffentliche Bedeutung. &#187;<\/p>\n<p>(Audio WMA h\u00f6ren? Klick\u00a0\u21d2\u00a0<a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Karl-Rahner-Gotteserfahrung-heute-1.wma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Rahner &#8211; Gotteserfahrung heute<\/a>)<!--more--><\/p>\n<h3>Vorbemerkungen zum Kontext des Titels<\/h3>\n<p>Sehr verehrte Damen und Herrn<br \/>\nWenn von der Gotteserfahrung heute gesprochen werden soll, so setzt diese Themenangabe schon ein Doppeltes voraus:<\/p>\n<ol>\n<li>Dass es so etwas wie eine Gotteserfahrung gibt und<\/li>\n<li>Dass sie eine bestimmte Eigent\u00fcmlichkeit hat, die ihr aus unserer gegenw\u00e4rtigen Situation zukommt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Wort Gotteserfahrung bedeutet dabei wieder ein Doppeltes: Einmal, dass das, was wir Gott nennen, eine Wirklichkeit ist und wir mit dieser Wirklichkeit zu tun haben, dass also der Atheismus, ein skeptischer Positivismus, der den Menschen schlechthin auf die naturwissenschaftlich zug\u00e4nglichen Daten einengt, eine Theologie der absoluten Ferne Gottes, eine Theologie des Gott ist tot im vulg\u00e4ren Sinn des Wortes, falsch sind, den Menschen und seine Wirklichkeit verkennen.<\/p>\n<p>Und zum andern will das Wort Gotteserfahrung sagen, dass es mehr und anderes Grundlegenderes gibt als die Erkenntnis Gottes durch die so genannten Gottesbeweise, deren Sinn und M\u00f6glichkeit nicht geleugnet werden soll, die aber eben m\u00f6glich und existentiell sinnvoll nur sind als nachtr\u00e4gliche begriffliche Objektivierung dessen, was wir als das sie tragende und ihnen Ursprung gebende Gotteserfahrung nennen, Beweise also, die nicht aufgefasst werden d\u00fcrfen als bloss intellektuelle Indoktrination eines Sachverhaltes, der wie etwa die Existenz einer physikalischen Subpartikel ausserhalb der urspr\u00fcnglich menschlichen Urerfahrung liegt und so auch schlechterdings nicht anders gewusst werden kann, als eben durch eine solche Indoktrination von aussen.<\/p>\n<p>Das ist es, was zun\u00e4chst als Vorbemerkung zum ersten Wort des Titels dieses Vortrages gesagt werden sollte.<\/p>\n<p>Zum zweiten Wort des Titels \u201cheute\u201d soll im Voraus nur gesagt werden, dass es uns einerseits nicht auf den Versuch ankommt, eine Gotteserfahrung zu behaupten oder nachzuweisen, die absolut heutig und neu ist, die es also fr\u00fcher schlechterdings nicht gegeben h\u00e4tte. Wenn Gott existiert und wenn richtig verstanden wird, was mit dem Wort \u201cGott\u201d gemeint ist, wenn der Mensch bei allem radikalen Wandel in seiner Geschichte eben doch immer Mensch ist, dann ist es von vornherein undenkbar, dass es heute eine Gotteserfahrung geben k\u00f6nnte, die es fr\u00fcher schlechterdings nicht gab.<\/p>\n<p>Andererseits ist es ebenso selbstverst\u00e4ndlich, dass die heutige Situation des Menschen in seinem totalen Selbstvollzug, ohne den es keine Gotteserfahrung gibt, auch diese Erfahrung sehr deutlich mitpr\u00e4gt, sogar mehr als die nachtr\u00e4gliche Reflexion auf sie, Gottesbeweise oder wie immer genannt. Aus beiden zusammen ergibt sich wohl das Recht von der Gotteserfahrung heute zu sprechen, ohne die \u00dcberlegung auf die blosse Heutigkeit dieser Erfahrung allein einzuengen.<\/p>\n<p>Die Schwere und Not unserer \u00dcberlegungen kommt daher, dass wir von einer Erfahrung sprechen wollen, die in jedem Menschen gegeben ist, reflex oder unreflex, verdr\u00e4ngt oder angenommen, richtig oder falsch, interpretiert oder wie immer, dass einerseits diese Erfahrung, um die es hier geht, mehr, urspr\u00fcnglicher und unausweichlicher ist als ein rationales Kalk\u00fcl, das in einem Kausalschluss vom Ei auf das Huhn, vom Donner auf den Blitz, d.h. von der Welt auf einen Urheber schliesst, mehr ist als ein solches Kalk\u00fcl, das auch unterlassen werden kann und so das Erschliessbare g\u00e4nzlich unerkannt lassen kann, dass aber anderseits diese Erfahrung nicht wie die vom Vorhandensein eines sinnlichen, physikalischen Erfahrungsdatums oder einer vitalen Empfindung sich so aufdr\u00e4ngt und unwiderstehlich ist, dass der \u00dcbergang von der Erfahrung zu ihrer expliziten reflexen und interpretierenden Erkenntnis und Aussage unwiderstehlich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es gibt auch andere urspr\u00fcngliche Erfahrungen, wie sich gleich noch zeigen wird, bei denen der \u00dcbergang von der Erfahrung selbst, obwohl diese Erfahrung unausweichlich gegeben ist, zu ihrer begrifflich reflexen Erkenntnis schwierig ist, durch das erfahrende Subjekt selbst verhindert werden kann, bei denen die Interpretation, die in diesem \u00dcbergang geschieht, deutlicher oder weniger deutlich gl\u00fccken, ja auch missgl\u00fccken kann. Solche \u00dcberlegungen wie diese jetzt, wie diese, die wir jetzt machen, heute Abend vortragen, k\u00f6nnen darum nur Hinweise sein, Anrufe, die den H\u00f6renden einladen, den Versuch zu machen, bei sich selbst, in sich selbst diese, vielleicht ganz anonyme, Erfahrung zu entdecken, vorzulassen, anzunehmen, sie nicht zu verdr\u00e4ngen und sich zu fragen, ob er verstehen k\u00f6nne, dass dieser Anruf seiner Erfahrung diese Erfahrung auch einigermassen richtig interpretiere. Wo man beim H\u00f6ren auf das von aussen hier zugesprochene Wort nicht bereit ist, in sich selbst hineinzuh\u00f6ren, das schweigende Wort seiner eigenen Existenz zu vernehmen, wo man nicht gewillt ist, von einem selbstherrlich Verf\u00fcgbaren und darum klar genannten Wissen weg, sich fortf\u00fchren zu lassen in das Geheimnis hinein, das uns ratlos macht, das verf\u00fcgt und \u00fcber das nicht verf\u00fcgt wird, da sind solche Anrufe einer solchen Erfahrung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Aber auch die begriffliche Reflexion auf diese Erfahrung, Gottesbeweise genannt, fallen ebenso ins Leere. Aber genug der Vorbemerkungen.<\/p>\n<h3>Unausweichliche Existenz und das Wesen solcher Erfahrungen<\/h3>\n<p>Ich muss zun\u00e4chst genauer etwas zu sagen versuchen \u00fcber die unausweichliche Existenz und das Wesen solcher Erfahrungen, von denen wir schon zu reden begonnen haben. Es gibt solche Erfahrungen, wie schon gesagt, \u00fcber die sinnlichen Erfahrungen von Dingen der Aussenwelt und \u00fcber vitale Empfindungen von Lust, Unlust usw. hinaus und zwar auch schon ganz abgesehen von der Gotteserfahrung, wenn diese auch ihre einmalige Eigenart hat, die es nicht erlaubt, sie in genau dem gleichen Sinne mit diesen anderen Erfahrungen, die wir hier meinen, unter einen und denselben Begriff zu bringen. Was Freude, Angst, Treue, Liebe, Vertrauen und vieles andere mehr, was logisches Denken und verantwortliche Entscheidung ist, das hat der Mensch schon erfahren, bevor er darauf reflektiert und zu sagen versucht, was das ist, was er schon immer erf\u00e4hrt und erlebt. Ja die reflektierende Aussage kann falsch sein oder unzul\u00e4nglich. Es kann jemand echte personale Liebe radikaler Treue und Verantwortung vollziehen und erfahren, der dabei sehr Falsches dar\u00fcber sagt, wenn er n\u00e4mlich gefragt wird, was dabei eigentlich geschieht. Und es kann einer durch Indoktrination von aussen belehrt, vielleicht sehr Gescheites und Richtiges dar\u00fcber sagen, der eigentlich davon noch nichts oder kaum etwas wirklich erfahren hat. Erfahrung als solche und die begrifflich objektivierende Reflexion auf solche Erfahrung sind zwar nie absolut getrennt, weil Erfahrung immer wenigstens eine gewisse ansatzhafte Reflexion bei sich hat, aber diese beiden Gr\u00f6ssen Erfahrung und objektivierende Reflexion auf sie sind auch nie identisch. Die Reflexion holt die urspr\u00fcngliche Erfahrung nie ganz ein. Ja es gibt Erfahrungen, die auch nochmals als solche gemacht werden, wenn sie durch die Reflexion falsch interpretiert, geleugnet oder verdr\u00e4ngt werden. Wer zum Beispiel sagt, es gebe keine Logik, keine Wahrheit, die grunds\u00e4tzlich vom Irrtum unterschieden ist, was man so nenne, sei nur das Produkt bestimmter Gehirnmechanismen oder gesellschaftlicher Zw\u00e4nge allein, die auch ebenso berechtigt anders sein k\u00f6nnten, der sagt einen Satz, dessen Gegenteil er ja f\u00fcr falsch h\u00e4lt und der vollzieht und erf\u00e4hrt also nochmals so, ob er\u2019s zugibt oder nicht, den Sinn und den Anspruch von Wahrheit und absoluter Logik, die er in seinem reflektierenden Satz leugnet. Nat\u00fcrlich kann eine solche Erfahrung wie etwa Liebe, Treue auch selbst und nicht nur die Reflexion darauf, in der individuellen Lebensgeschichte wachsen, radikaler werden, entschlossener von der Freiheit angenommen werden oder sie kann verk\u00fcmmern und ihre ihr eigene Tendenz, sich auf in Reflexion deutlicher zu objektivieren, abnehmen oder fast ganz aufh\u00f6ren.<\/p>\n<h3>Erfahrungen eignen sich in einem gewissen Zeitstil<\/h3>\n<p>Weiter. Auch solche Erfahrungen ereignen sich in einem gewissen Zeitstil. So sehr solche urspr\u00fcnglichen Erfahrungen ihrer begrifflichen Objektivation und Deutungen vorausliegen und grunds\u00e4tzlich von dieser Reflexion unabh\u00e4ngig sind, so wenig darf man diese objektivierende Reflexion f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig halten und sagen, wenn es eine solche Erfahrung selber unausweichlich gibt, brauche man auch nicht sich reflex um sie zu k\u00fcmmern, sondern k\u00f6nne sie auch auf sich beruhen lassen. Eine solche Meinung ist ebenso falsch, wie wenn jemand sagen w\u00fcrde, das medizinisch theoretische Wissen um das Wesen eines Herzinfarkts sei \u00fcberfl\u00fcssig, wenn man seine, vielleicht sehr unbeachtete, Erfahrung davon auch ohne dieses Wissen gemacht hat oder machen k\u00f6nne. Eine erfahrene Liebe kann trotz ihrer Urspr\u00fcnglichkeit und trotz der Unersetzlichkeit dieser Erfahrung als solcher durch das reflexe Wissen um ihr wahres Wesen und dessen Implikationen selber radikaler, reiner und mit gr\u00f6sserer Freiheit angenommen werden.<\/p>\n<h3>Erfahrung kann sich nun auch auf Gott beziehen<\/h3>\n<p>13:33: Eine solche Erfahrung kann sich nun auch auf Gott beziehen. Und diese Gotteserfahrung ist unausweichlich. Sie ist davon unabh\u00e4ngig, ob man das, worauf sie bezogen ist, Gott nennt oder nicht; unabh\u00e4ngig davon, ob sie in eine theoretische Aussage von Gott hinein begrifflich thematisiert wird oder nicht; unabh\u00e4ngig davon, ob der Mensch sich in Freiheit mit ihr identifiziert oder sie ablehnt, verdr\u00e4ngt, auf sich beruhen l\u00e4sst. Diese Gotteserfahrung, die wir hier meinen, ist nicht eine nachtr\u00e4gliche emotionale Reaktion auf eine theoretische von aussen her indoktrinierte Lehre von der Existenz und dem Wesen Gottes, sondern geht einer solchen Lehre voraus, tr\u00e4gt diese Lehre und macht diese Lehre erst wirklich verst\u00e4ndlich. Diese Gotteserfahrung ist nicht das Privileg einzelner Mystiker, sondern in jedem Menschen gegeben, wenn auch die Kraft und die Deutlichkeit der Reflexion bei den verschiedenen Menschen sehr verschieden ist. Es ist nat\u00fcrlich eine Erfahrung von einmaliger Art, deren philosophische und theologische Interpretation sehr schwierig ist, eine Interpretation, die hier nat\u00fcrlich jetzt nicht geleistet werden kann. Sonst m\u00fcsste n\u00e4mlich die eigent\u00fcmliche, einmalige Gegebenheitsweise des Gegenstandes dieser Erfahrung, also dessen, was wir Gott nennen, genauer bedacht werden. Man m\u00fcsste dann einerseits sagen, dass das, was wir Gott als Gegenstand dieser Erfahrung nennen, nicht gegeben ist in der Weise, die nach dem Modell der Anschauung eines sich durch sich selbst unmittelbar darbietenden Gegenstandes, so wie es der so genannte Ontologismus sich denkt, gedacht werden d\u00fcrfte, sondern Gott als das in sich selbst verborgene, asymptotisch angezielte Woraufhin der Erfahrung einer unbegrenzten Dynamik des erkennenden Geistes und der Freiheit gegeben ist. Anderseits m\u00fcsste man bei einer solchen philosophischen Reflexion und Interpretation dieser urspr\u00fcnglichen Gotteserfahrung betonen, dass diese sich selbst erfahrende Dynamik des geistigen Subjekts sich nicht als autonome Macht dieses Subjektes, sondern als er\u00f6ffnet und getragen durch ihr Woraufhin erf\u00e4hrt 16:55: und dass diese Dynamik sich als dadurch begnadigt erf\u00e4hrt, dass sie auch die Kraft der Hoffnung in sich birgt dort in letzter N\u00e4he und Unmittelbarkeit anzukommen, wohin sie unterwegs ist, so dass dann ihr Woraufhin nicht nur die ihr ewig asymptotisch fernbleibende Macht der Bewegung, sondern ihr wirklich erreichbares Ziel ist. Es m\u00fcsste in einer solchen philosophischen Reflexion auf diese urspr\u00fcngliche Erfahrung gezeigt werden, dass auch in der Dimension des Bewusstseins selbst Gott gegeben ist in einer Weise, die sich der Alternative entzieht, dass Gott entweder nur als Gedachter fast ideologisch oder im Sinn des Ontologismus als unmittelbar Angeschauter in sich selbst gegeben sein k\u00f6nnte. Aber, wie gesagt, auf solche und \u00e4hnliche Fragen der zutreffenden metaphysischen und theologischen Interpretation dieser Erfahrung einzugehen, ist hier nun im Augenblick nicht m\u00f6glich. Und es hat auch ferner keinen Sinn, diese Erfahrung, auf die wir hinzielen, in einer theologisch voreiligen Weise vor die Frage zu stellen, ob diese Erfahrung nat\u00fcrlich oder gnadenhaft sei. Eine solche Unterscheidung ist die der nachtr\u00e4glichen Reflexion und braucht in der Erfahrung selbst nicht thematisch zu sein. Der Sache nach selbst m\u00fcsste man in der konkreten Situation unserer menschlichen Existenz diese Erfahrung nat\u00fcrlich und gnadenhaft zugleich nennen, wobei aber diese Gnadenhaftigkeit kein Privileg Einzelner bedeutet, sondern diese Gnade dieser Erfahrung allen gegeben, allen angeboten ist und umgekehrt die Frage der existentiellen Annahme, des existentiellen Vorlassens dieser Erfahrung in Freiheit durchaus offen bleibt. Diese Gotteserfahrung darf nicht so gedacht werden, als ob sie eine partikul\u00e4re Erfahrung neben andern ist, so wie z. B. ein Erlebnis eines physiologischen Schmerzes neben der Erfahrung eines Sehvorgangs liegt. Die Gotteserfahrung ist vielmehr, wenn wir von besondern eigentlich mystischen Erfahrungen vielleicht absehen, ich sage die Gotteserfahrung selbst ist vielmehr die letzte Tiefe und Radikalit\u00e4t jeder geistig personalen Erfahrung der Liebe, der Treue, der Hoffnung und so fort, und ist somit gerade die urspr\u00fcngliche eine Ganzheit der Erfahrung, in der die geistige Person sich selber hat und sich selber \u00fcberantwortet ist.<\/p>\n<h3>Wieso macht man diese Erfahrung? \u2013 eigentlicher Kern des Themas<\/h3>\n<p>20:24 Aber wieso macht man diese Erfahrung? Wo ist die Anleitung, wenn zwar nicht dazu diese Erfahrung erstmals zu machen, so doch dazu, sie als immer schon gegebene zu erkennen? Damit kommen wir erst zum eigentlichen Kern unseres Themas. Nochmals: Man kann auf diese Erfahrung nur hinweisen, den andern aufmerksam zu machen suchen, dass er in sich selbst das entdecke, was man nur findet, weil und wenn man es schon besitzt. Man kann es aber auch haben und in sich entdecken, auch wenn man es noch nie die Gotteserfahrung genannt hat. Der beschreibende Hinweis auf diese Erfahrung steht dabei immer vor einem Dilemma: Entweder versucht dieser anrufende Hinweis m\u00f6glichst konkret Geist und Herz eines bestimmten Angerufenen in dessen eigent\u00fcmlich bestimmter Situation zu treffen. Dann klingt ein solcher Anruf leicht subjektiv, poetisch, scheinbar nur Stimmung von unkontrollierbarer Wagheitaussagen und ein solcher Anruf setzt sich dann dem Einwand aus, man k\u00f6nne ihn im realistischen Sinne des n\u00fcchternen Alltags doch nicht ernst nehmen. Oder man formuliert diesen hinweisenden Anruf doch in m\u00f6glichst philosophischer Exaktheit und strenger Begrifflichkeit. Dann wird die Rede abstrakt, schwer verst\u00e4ndlich, begegnet dem Vorwurf subtiles Begriffsgespinst zu sein, das man am Ende erm\u00fcdet auf sich beruhen l\u00e4sst. Vielleicht ist es am besten, sich um dieses Dilemma gar nicht zu k\u00fcmmern, zu sagen zu versuchen, was gemeint ist, ohne auf die Sprache selbst nochmals zu reflektieren. Der Anrufende, also in diesem Falle ich selbst, wird sich damit tr\u00f6sten m\u00fcssen, dass sein Wort unvermeidlich auf Verst\u00e4ndnislosigkeit stossen wird, wo ihm nicht echte Bereitschaft entgegenkommt. Er wird sich sagen, dass, was er anruft, n\u00e4mlich diese anonyme Gotteserfahrung, auch dort angenommen oder abgelehnt gegeben ist, wo die Rede \u00fcber sie nur auf Unverst\u00e4ndnis st\u00f6sst. Der Anrufende wird nicht vergessen, dass es nicht verwunderlich ist, wenn seine Rede, die eine gewisse Erfahrung des Lebens im H\u00f6renden voraussetzen muss, von dem vielleicht abgelehnt oder bei dem vielleicht ungeh\u00f6rt bleibt, der noch ganz unbek\u00fcmmert jugendlich die \u00e4ussere Welt erobern muss, bevor er die Frage nach dem entt\u00e4uschten und scheiternden Eroberer selbst stellen kann.<\/p>\n<p>Es waltet in jedem Leben ein Unsagbares, das Geheimnis. Dieses ist nicht der Rest an noch nicht Durchschautem oder noch nicht Getanem und noch nicht Verwirklichtem, sondern ist dessen Voraussetzung und tragender Grund. Denn eben der Vorgriff \u00fcber jedes konkrete Denkbare und Verwirklichbare hinaus, die grunds\u00e4tzliche Unbegrenzbarkeit jeder Bewegung der Erkenntnis und Freiheit durch ein einzelnes bestimmtes, endg\u00fcltigen Haltepunkt Bedeutendes ist die Bedingung der M\u00f6glichkeit und der Eigenart menschlichen Daseinsvollzugs. Wir sind, wir denken und handeln in Freiheit nur, indem wir das Bestimmte, Umfassbare mit dem wir immer zu tun haben, auch schon immer \u00fcberholt haben in einer Bewegung, die keine Grenze kennt. Und wenn wir uns als die Begrenzten begreifen, die wir gewiss in radikaler und vielf\u00e4ltiger Weise sind, haben wir diese Grenze auch schon immer \u00fcberschritten \u2013 freilich wie ins Leere hinein, aber dennoch \u00fcberschritten, haben wir uns als die dauernd sich selbst \u00dcberschreitenden erfahren \u2013 auf das Unumfassbare hin, das eben als grunds\u00e4tzlich solches unendlich genannt werden muss, das das Geheimnis schlechthin ist, weil es als Bedingung allen Begreifens, Unterscheidens, Einordnens nicht nochmals in der Weise erfahren werden kann, f\u00fcr die es selbst die Bedingung ist.<\/p>\n<h3>Das bleibende Geheimnis<\/h3>\n<p>26:17 Dieses, auf das diese unendliche Bewegung unseres Geistes in Erkennen und Freiheit immer hingeht, ist gegeben als das bleibende Geheimnis. Diese urspr\u00fcngliche durch nichts anderes begr\u00fcndete, wenn auch durch die Erfassung eines konkreten Gegenstandes vermittelte Erfahrung kann eigentlich durch nichts anderes als durch sich selber erkl\u00e4rt werden. Diese Erfahrung ist die Erfahrung des Geheimnisses, das bleibt, immer schon gegeben und gerade so das Unbegreifliche und allein Selbstverst\u00e4ndliche zumal ist. Die Dynamik dieser unbegrenzten Bewegung und an ihr ihr Woraufhin werden nat\u00fcrlich in einem erfahren und darin auch unterschieden. Aber weil das Woraufhin dieser Bewegung per definitionem nicht ein Gegenstand derart ist und sein kann, wie er sonst in der Erkenntnis und Freiheit angezielt wird, um ihn als vorl\u00e4ufige Etappe dieser Bewegung untertan zu machen, um ihn in ein Koordinatensystem an einer bestimmten Stelle einzuordnen, weil dieses Woraufhin in und an der unendlichen Bewegung des Geistes erfahren wird, wenn auch gerade als das diese Bewegung selbst Tragende und Er\u00f6ffnende, darum ist es letztlich eine zweitrangige Frage, ob man sagt: der unendliche Raum, der sich in dieser Bewegung ohne Grenze und Ende \u00f6ffnet, sei das Leere, das, um sein zu k\u00f6nnen, auf eine unendliche F\u00fclle verweise, weil das Nichts, wenn man dieses Wort ernst nimmt, sich nicht als Raum der M\u00f6glichkeit dieser Bewegung ausspannen k\u00f6nne oder ob man sagt, dieses Woraufhin dieser unendlichen Bewegung selbst sei als die unendliche F\u00fclle angezielt. Und so ist es darum auch eine zweitrangige Frage, ob man von einer Gotteserfahrung oder von der Erfahrung der Verwiesenheit auf Gott reden will. Hier sind eben objektive und subjektive Seite der Erfahrung zwar immer noch unterschieden \u2013 soll der Mensch sich nicht zu Gott machen \u2013 sind aber in einer einmaligen und urspr\u00fcnglichen Weise voneinander untrennbar.<\/p>\n<p>29:25: Wie schon warnend im Voraus gesagt wurde, ist das eben Gesagte sehr abstrakt und man darf nie vergessen, dass eine solche Aussage die gemeinte Erfahrung nicht bewirkt, sondern nachtr\u00e4glich \u00fcber die schon bestehende redet. Man macht sie, diese Erfahrung, selbst somit nicht in der Abstraktheit der nachtr\u00e4glichen Rede \u00fcber sie. Diese Erfahrung selber ereignet sich sehr konkret, wenn auch als das Unsagbare der konkreten Alltagserfahrung. Gibt es sie anonym, unausdr\u00fccklich auch in jedem geistigen Vollzug, so wird sie doch deutlicher und in etwa thematisch in jenen Ereignissen, in denen der Mensch, der gew\u00f6hnlich verloren an die einzelnen Dinge und Aufgaben des Alltags lebt, gewissermassen auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen wird und sich nicht mehr \u00fcbersehen kann \u00fcber dem, mit dem er sonst gew\u00f6hnlich umgeht. So etwa, wenn der Mensch pl\u00f6tzlich einsam wird, wenn alles Einzelne wie in eine schweigende Ferne hinein sich zur\u00fcckzieht und darin aufl\u00f6st, wenn alles fraglich wird, wie wir zu sagen pflegen, wenn die Stille dr\u00f6hnt, eindringlicher als der \u00fcbliche Alltagsl\u00e4rm; so etwa, wenn man pl\u00f6tzlich unerbittlich seiner Freiheit und Verantwortung \u00fcberantwortet erf\u00e4hrt, hier als einer und Ganzes, die das ganze Leben umgreift; wenn diese Verantwortung keine Ausflucht mehr zul\u00e4sst, keine Entschuldigung, wenn kein Beifall mehr unterst\u00fctzt, keine Anerkennung und kein Dank mehr erhofft werden kann, wo man eben vor der schweigenden, unendlichen von uns nicht manipulierten Verantwortung steht, die ist und uns nicht untertan ist, die das Innerste und das Unterschiedenste von uns zugleich ist. So wenn man dann erf\u00e4hrt, wie diese Verantwortung sich gleichsam schweigend ausbreitet durch das ganze Dasein, alles durchdringt, alles eint, selber unbegreiflich sp\u00fcrt, wie diese Verantwortung urspr\u00fcnglich nicht das ist, was ist und gilt, weil wir sie frei leisten, sondern das inappellabel unsere Freiheit anfordernde, das als Gericht dann noch da ist, wenn wir diese Verantwortung leugnen oder ihr davonlaufen.<\/p>\n<h3>Die Erfahrung personaler Liebe<\/h3>\n<p>32:58: So etwa auch, wenn man pl\u00f6tzlich die Erfahrung personaler Liebe und Begegnung macht, pl\u00f6tzlich, selig erschreckt, merkt, wie man in Liebe absolut bedingungslos angenommen wird, obwohl man selber f\u00fcr sich allein in seiner Endlichkeit und Br\u00fcchigkeit dieser Bedingungslosigkeit der Liebe, die einem entgegenkommt, von der anderen Seite gar keinen Grund und keine zureichende Begr\u00fcndung liefern kann oder wenn man selbst ebenso liebt, in unbegreiflicher K\u00fchnheit die gewusste Fragw\u00fcrdigkeit des andern \u00fcberspringend, sp\u00fcrt, wie diese Liebe in ihrer Absolutheit einem Grund vertraut, der ihr selbst nicht mehr untertan ist, ihr in seiner Unbegreiflichkeit zuinnerst und von ihr unterschieden zugleich ist.<\/p>\n<h3>Der Tod schweigend einen anblickt<\/h3>\n<p>34:13: Oder so etwa, wenn der Tod schweigend einen anblickt, der alles in seine Nichtigkeit fallen l\u00e4sst und so gerade, so er willig angenommen wird, so und nur so, nicht t\u00f6tet, sondern selbst verwandelt, befreit in die Freiheit, die sich auf nichts mehr beruft und st\u00fctzt, aber so unbedingt wird.<\/p>\n<h3>In tausend Abwandlungen das eine Urerlebnis des Menschen andeuten<\/h3>\n<p>34:45: So k\u00f6nnte und m\u00fcsste man fortfahren, um in tausend Abwandlungen das eine Urerlebnis des Menschen anzudeuten, in dem die Offenheit seines Daseins in das unbegreifliche Geheimnis hinein aufgeht, in dem er merkt, dass er nur dann der Gefangene seiner erschreckenden Endlichkeit ist, die es gibt und die grausam qu\u00e4lt, wenn er an der unendlichen Unbegreiflichkeit vorbeisieht, die ihn \u00fcberall umgibt oder wenn er sich vor dieser f\u00fcrchtet, weil sie so schweigend und unverf\u00fcgbar alles durchwaltet. Man m\u00fcsste so von der Freude, der Treue, der letzten Angst, der Sehnsucht, die alles Einzelne \u00fcberfordert, von der Ersch\u00fctterung \u00fcber die Unerbittlichkeit der Wahrheit sprechen, die noch als geleugnete und bel\u00e4chelte nochmals da ist, sprechen von dem Frieden der Gelassenheit, die nichts Einzelnes absolut verteidigt und so alles gewinnt, sprechen von der Erfahrung des Sch\u00f6nen, die lautere Verheissung dessen ist, was noch k\u00fcnftig ist, sprechen von der Erfahrung der radikalen ausweglosen Schuld, der pl\u00f6tzlich dennoch unbegreiflich vergeben wird, sprechen von der Erfahrung der heilig strengen G\u00fcltigkeit dessen, das scheinbar einfach vergangen ist, aber in Wahrheit geworden ist, sprechen von der Erfahrung der unendlichen Offenheit der Zukunft, die unverbrauchte Verheissung ist.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte man noch lange fortfahren und man m\u00fcsste noch viel konkreter werden, konkret nicht in einem sich Verlieren in die Einzelheiten der \u00e4usseren Welt, sondern in jener einfachen Dichte letzter und doch \u00fcberall im Alltag gegebener Erfahrung, in dem der Mensch, immer mit den Sandk\u00f6rnern des Strandes besch\u00e4ftigt, am Rande des unendlichen Meeres des Geheimnisses wohnt. Freilich m\u00fcsste man nun deutlicher zeigen einmal, dass alle diese verschieden scheinenden Absolutheitserfahrungen untereinander eine urspr\u00fcngliche letzte Einheit bedeuten und zum andern zeigen, dass diese Erfahrung wirklich das oder besser den meinen, den wir Gott nennen. Diese zweite Frage m\u00fcsste allerdings in doppelter gegenl\u00e4ufiger Richtung gestellt werden. Es d\u00fcrfte nicht nur gesagt werden, was so erfahren wird, meint Gott, wobei dann vorausgesetzt w\u00fcrde, es sei von vornherein klar, was mit Gott gemeint sei, es m\u00fcsste vielmehr auch umgekehrt gesagt werden, was mit Gott gemeint ist. Das gerade ist nur zu verstehen von dieser Erfahrung her, weil n\u00e4mlich sonst, wenn man ohne diesen R\u00fcckgriff auf diese Erfahrung von Gott zu reden anf\u00e4ngt, die Gefahr droht, sich unter dem Wort Gott etwas Sinnloses zu denken, dieses Sinnlose dann zu verwerfen und zu meinen, man m\u00fcsse ein Atheist sein.<\/p>\n<p>Aber weil noch vieles zu sagen ist und dabei doch der Sache nach einiges zu diesen beiden Fragen gesagt wird, sei hier vorausgesetzt, diese beiden Fragen seien in dem eben angedeuteten Sinne beantwortet.<\/p>\n<h3>Gotteserfahrung ist nicht keine unverbindliche Stimmung<\/h3>\n<p>Bevor wir uns nun fragen, welches die heutige Eigenart dieser Gotteserfahrung sei, seien noch zwei Bemerkungen gemacht. Diese Gotteserfahrung darf nicht als blosse unverbindliche Stimmung, als unkontrollierbares Gef\u00fchl diskreditiert werden bloss deshalb, weil sie die Erfahrung des Unsagbaren ist. Und diese Erfahrung ist auch nicht bloss die Sache einer privaten Innerlichkeit, sondern hat durchaus eine gesellschaftliche \u00f6ffentliche Bedeutung. Diese Erfahrung ist also keine blosse Stimmung, keine unverbindliche Sache des Gef\u00fchls oder gar der Poesie \u2013 solche Erfahrung ist nat\u00fcrlich verschieden von der begrifflichen Erkenntnis des Einzelnen innerhalb des Erkenntnisraumes. Diese Erfahrung betrifft ja das Ganze der Erkenntnis und der Freiheit als solches Ganze und kann deswegen gar nicht dieselbe Erfahrung sein wie man sie macht hinsichtlich eines bestimmten Einzelnen innerhalb dieses Erfahrungsraumes, innerhalb unseres Koordinatensystems der Freiheit und der Erkenntnis. Aber darum ist diese eigent\u00fcmliche Erfahrung, die vom Ganzen unseres Erkenntnisraumes als Ganzen ausgeht, noch lange nicht ein unverbindliches Gef\u00fchl, denn diese Erfahrung ist unaufhebbar, auch wenn sie noch so unreflektiert und anonym ist, weil sie in jedem auftaucht und gerade dem rationalsten geistigen Vollzug als letzten Grund und Horizont mitgegeben ist, weil jeder solche Vollzug lebt von dem alles \u00fcbersteigenden Vorgriff auf das Ganze, das eines und das das namenlose Geheimnis ist. Man kann diese Erfahrung verdr\u00e4ngen, aber sie bleibt und sie bricht in den entscheidenden Stunden auch wieder unwiderstehlich ins Bewusstsein vor. Man kann auch nicht sagen, man solle \u00fcber sie, weil man nicht klar \u00fcber sie reden k\u00f6nne, schweigen, denn, was ist das \u201eklar\u201c? Und hat man nicht auch schon dar\u00fcber geredet, wenn man diese Rede verbietet, eigens verbieten muss?<\/p>\n<p>Und wenn die rationalistischen Philosophen und Positivisten, die nichts dar\u00fcber sagen wollen, werden dann die Heiligen, die Dichter und andere Offenbarer des ganzen vollen Daseins sich deswegen die Rede \u00fcber dieses umfassende, unumfassbare Geheimnis verbieten lassen? Wird das Wort \u201eGott\u201c, das nun einmal doch da ist und sich selbst noch im Kampf der Atheisten gegen Gott setzt, wird, sage ich, dieses Wort nicht immer aufs Neue die Frage aufwecken, was damit gemeint sei? Und noch wenn dieses Wort einmal vergessen w\u00e4re, dann w\u00fcrde uns in den entscheidenden Stunden des Lebens das namenlose Geheimnis unseres Daseins schweigend, richtend und zur letzten Freiheit begnadigend immer noch umgeben, uns anblicken und wir w\u00fcrden den alten Namen f\u00fcr es neu erfinden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Man sage weiter auch nicht, dass diese Erfahrung f\u00fcr die gesellschaftliche \u00d6ffentlichkeit belanglos sei. Religion, echte Religion, die von dieser Erfahrung immer lebt, ist eine gesellschaftliche Realit\u00e4t selbst dann noch, wenn der Atheist meinen sollte, es w\u00e4re besser, es g\u00e4be diese Realit\u00e4t der Religion in der gesellschaftlichen \u00d6ffentlichkeit nicht und diese Gotteserfahrung w\u00e4re in ihrer gesellschaftlichen Relevanz noch gar nicht beseitigt, wenn die begriffliche Reflexion und die gesellschaftliche Institutionalisierung dieser Gotteserfahrung, Religionen genannt, ganz verschwunden w\u00e4ren. Denn auch dann noch w\u00fcrde der Mensch aus seiner Transzendentalit\u00e4t in das unverf\u00fcgbare Geheimnis hinein leben, h\u00e4tte die Gotteserfahrung, ihre, wenn auch noch so unreflektierte, Wirksamkeit in Treue, Verantwortung, Liebe, Hoffnung \u00fcber alles Partikul\u00e4re so Rechtfertigende hinaus, eine Wirksamkeit, die, wenn auch scheinbar ganz unpolitisch, privat und unmanipulierbar auch das Gesellschaftliche tr\u00e4gt.<\/p>\n<h3>Heute<\/h3>\n<p>45:42: Wir m\u00fcssen uns endlich der Frage zuwenden, welches der Zeitindex dieser Gotteserfahrung heute sei, ob diese Gotteserfahrung, die wir bisher fast \u00fcberzeitlich beschrieben haben, nicht doch von der Situation des Menschen von heute her, eine ganz bestimmte Eigent\u00fcmlichkeit erhalte. Vier kurze Hinweise m\u00fcssen zur Beantwortung dieser Frage, soweit eine solche hier in K\u00fcrze \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, gen\u00fcgen.<\/p>\n<h4>1. Eigent\u00fcmlichkeit: Der Mensch von fr\u00fcher ordnete doch Gott als ein St\u00fcck seiner Welt ein<\/h4>\n<p>46:23: Zun\u00e4chst ist folgendes hinsichtlich des transzendentalen Charakters der Gotteserfahrung zu bedenken: Der Mensch von fr\u00fcher ordnete doch Gott als ein St\u00fcck seiner Welt ein, auch wenn er dabei sagte, dass dieses St\u00fcck das H\u00f6chste und Vollkommenste sei, von dem alles andere abh\u00e4nge, auch wenn die Philosophen und Theologen in ihren theoretischen Aussagen diesen Menschen von fr\u00fcher dar\u00fcber belehrten, dass es eigentlich dem Wesen Gottes und der Gotteserfahrung widerspreche, so von Gott zu denken und ihn gewissermassen als ein einzelnes St\u00fcck in das Ganze des Erfahrungsraums einzuordnen. Gott wurde fr\u00fcher doch als Teil der Welt erlebt in der Welt und nicht als ihr Grund und Abgrund, der von vornherein nicht mir ihr selbst verrechnet werden darf. Gott war praktisch f\u00fcr den Menschen von fr\u00fcher eine partikul\u00e4re Wirklichkeit in der Welt, so sehr gesagt wurde, dass er alles verursacht habe, war eine Teilursache, die mit den \u00fcbrigen Wirklichkeiten in einem dauernden gegenseitigen Wechselverh\u00e4ltnis stehend gedacht wurde. So war Gott verst\u00e4ndlich und die Lehre von ihm leicht von jedermann praktikabel. Der liebe Gott, der als Weltregent f\u00fcr Moral sorgt und auch wieder gn\u00e4dig sein kann. Was man im Allerletzten meinte, stimmte zwar schon, aber das wie man es meinte stimmte nicht, das merken erst wir heute deutlich, denn jetzt wird es allm\u00e4hlich auch dem Durchschnittsmenschen, der fr\u00fcher auch noch im hohen Denker bei seiner religi\u00f6sen Praxis steckte, ich sage, jetzt wird es auch dem Durschnittsmenschen allm\u00e4hlich deutlich, dass es diesen Gott nicht gibt, dass er in der Welt nicht zu finden ist als St\u00fcck dieser Welt, dass sein Himmel nicht \u00fcber den Wolken ist, dass Wunder nicht zur Behebung von St\u00f6rungen der Weltmaschinerie dienen, sondern, dass der wahre Gott absolut mit der Welt inkommensurabel, nicht als Einzelposten in die Kalkulation unseres Lebens eingesetzt werden kann. Und solche und \u00e4hnliche Erfahrungen machen wir Menschen von heute alle in einer fortschreitenden immer intensiver werdenden Deutlichkeit und dann ist es kein Wunder, wenn der Tod einer primitiven Gottesvorstellung als Tod des wahren Gottes selbst gedeutet wird oder wenn Gott als unsagbar fern, so sehr fern empfunden wird, dass wir \u00fcberhaupt nichts mehr mit ihm zu tun haben k\u00f6nnen. Es ist aber in Wahrheit so: die rationale Durchschaubarkeit der Welt, die diese Welt entg\u00f6ttlicht, ist durchaus legitim, vorausgesetzt nur, dass diese Entg\u00f6ttlichung der Welt langsam auch immer mehr erfahren wird als getragen von jener Transzendierung von Welt- und Endlichem Subjekt, in welcher Transzendierung die wahre Gotteserfahrung geschieht. Die heutige Gotteserfahrung ist viel deutlicher und radikaler als die fr\u00fchere eine Transzendenzerfahrung, die die Welt entg\u00f6ttlicht und so gerade Gott Gott sein lassen kann.<\/p>\n<h4>2. Eigent\u00fcmlichkeit der Gotteserfahrung heute \u2013 die Eigenart der Vermittlung<\/h4>\n<p>51:16: Eine zweite weitere Eigent\u00fcmlichkeit der heutigen Gotteserfahrung besteht wohl in der Eigenart ihrer heutigen Vermittlung. Jede Gotteserfahrung ist insofern vermittelt, als die Transzendierung der Welt und des Subjekts, in welcher Transzenzerfahrung Gott gewusst und erfahren wird, immer von etwas Bestimmtem ausgeht und gleichsam abspringt. Und diese Vermittlung kann, zumindest, was ihre gesellschaftlich und geistespolitisch auffallende Auspr\u00e4gung angeht, wechseln. Zun\u00e4chst einmal hat sich gegen\u00fcber fr\u00fcher, diese Vermittlung verschoben von der Welt zur Existenz. Fr\u00fcher war die \u00e4ussere Welt in ihrer Ordnung und Harmonie das, woran sich die Transzendenzerfahrung des Menschen entz\u00fcndete. Heute ist es vielmehr die Existenz des Menschen mit ihren Abgr\u00fcnden selbst. Und man darf, vielleicht ein wenig prophezeiend, vermuten, dass die zeittypische Existenz, die diese Vermittlung allm\u00e4hlich leisten wird, nicht die Existenz des weisen, kontemplativen Heiligen ist oder sein wird, sondern die Existenz des unpathetisch und schweigend seine einsame Verantwortung tragenden Menschen, der f\u00fcr die andern selbstlos da ist. Das wird wohl in Zukunft noch mehr die Eigenart der Vermittlung der heutigen Gotteserfahrung bedeuten.<\/p>\n<h4>3. Eigent\u00fcmlichkeit: Ist ein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zu Gott m\u00f6glich?<\/h4>\n<p>Ein Drittes kennzeichnet weiterhin die heutige Eigenart der Gotteserfahrung in ihrer Gef\u00e4hrdetheit und in ihrer neuen Aufgabe. Bei einer \u00d6ffentlichkeit der Religion, die gesellschaftlich, wenn auch in den verschiedensten Gestalten, unbestritten herrschte, in einer Situation, in der alle V\u00f6lker ihre G\u00f6tter hatten, war es f\u00fcr den, der diese Gotteserfahrung \u00fcberhaupt vorliess und annahm, kein sonderliches weiteres Problem mehr, dass man sich an diesen Gott, du sagend, anrufend und anbetend wenden k\u00f6nne. Heute ist dieses vielleicht das wirklich echte Problem des Menschen, auch wenn er deutlich diese Gotteserfahrung macht, denn er wird sich dann immer noch fragen k\u00f6nnen: Kann man diesem Gott, der sowohl radikal anders ist als wir, als auch nochmals der Grund unseres eigenen Tuns, also auch noch einmal der Grund des Versuchs, ihn anzureden und auf ihn hin frei zu reagieren wirklich anzureden, ist, ein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis gewinnen? Man sollte zwar nicht sagen, wie es sehr oft geschieht, wir seien zu unbedeutend als dass er, dieses namenlose Geheimnis, sich f\u00fcr uns interessieren k\u00f6nnte. Denn ein solches Bedenken macht ihn ja gerade zu einem St\u00fcck der Welt, das zu einem kleineren St\u00fcck davon ein kleineres Verh\u00e4ltnis hat als zu einem grossen. W\u00e4hrend Gott in Wahrheit ein unmittelbarstes Verh\u00e4ltnis zu uns, so wie wir sind, haben kann und haben muss, wenn er Gott ist. Aber damit ist das Problem doch noch nicht gel\u00f6st. Zu ihm kann hier nur weniges gesagt werden. Zun\u00e4chst einmal soll man ruhig diese Frage sehr ernst nehmen, denn nur dann bestimmt diese bange Frage auch unsere Haltung auf Gott selbst hin positiv mit und wenn wir diese Frage: \u201eKann man denn diesen Gott anreden?\u201c wirklich stellt, dann macht diese Frage unsere Haltung zu ihm zu dem, was man in der traditionellen Terminologie Anbetung, totale \u00dcbergabe nennt, in welcher der Mensch verstummt, in welcher sein Wort an Gott nur die Voraussetzung, das Anheben seines Schweigens wird, in der er sein Antlitz vor der Majest\u00e4t des unsagbaren Geheimnisses verh\u00fcllt, des Schweigens, in dem er weiss, dass, wider allen Schein von heute, der Mensch mit Gott nicht rechnen kann. Weiter! Es ist nur gut, wenn der Mensch dieses Anreden Gottes wirklich als unerh\u00f6rtes Wagnis, ja in der Konkretheit dieses Wagnisses als reine Gnade empfindet, in der Gott von ihm selbst her den Menschen zu einem solchen Wagnis erm\u00e4chtigt, einem Wagnis, das alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist, wozu aber zu erm\u00e4chtigen der Mensch die M\u00f6glichkeit Gott nicht absprechen darf, will er nicht doch noch einmal Gott nach dem Mass des Menschen denken. Und schliesslich: Es schadet nichts, wenn wir den Mut zu solcher Anrede nur im Blick auf Jesus Christus finden, der es im Tod noch fertig brachte, das Geheimnis, das sich ihm ihn t\u00f6tend entzog und ihn in die unbegreiflichste Gottverlassenheit st\u00fcrzte, Vater zu nennen, in dessen H\u00e4nde er sich ergab.<\/p>\n<h4>4. Eigent\u00fcmlichkeit: Wo bleibt das Christliche?<\/h4>\n<p>59:04: Ein Viertes scheint zum Zeitindex unserer Gotteserfahrung heute zu geh\u00f6ren. Es sieht zun\u00e4chst so aus, als ob an dieser Gotteserfahrung kaum etwas spezifisch Christliches sei \u2013 gerade dort nicht, wo diese Gotteserfahrung im Widerstand gegen alle Trends der Zeit und ohne eine erhebliche St\u00fctze durch die bloss gesellschaftliche Tradition des Christentums im reflektierenden Bewusstsein lebendig bleibt oder wieder lebendig wird. Wir selber haben ja heute Abend lang \u00fcber diese Gotteserfahrung geredet und dabei scheinbar fast ohne Bezug auf das Christentum und seine geschichtlich ergangene Botschaft gesprochen. Und es gibt heute genug religi\u00f6se Menschen, auch Christen, die ihre eigene urspr\u00fcngliche Gotteserfahrung zu einem reflektierten Bewusstsein kommen lassen mit Hilfe der Zeugnisse dar\u00fcber, die sie als echt und erweckend \u00fcberall in der Geschichte der Menschheit, der V\u00f6lker und der Religionen zu vernehmen \u00fcberzeugt sind. Auch zu diesem Problem kann hier nur Weniges angedeutet werden. Zun\u00e4chst: Auf der einen Seite ist die letzte Tiefe dieser Gotteserfahrung, die wir anzurufen versuchten, gerade die Erfahrung einer unsagbaren N\u00e4he Gottes, der bei aller anzubetenden Unbegreiflichkeit bleibt, sich selbst in Unmittelbarkeit verg\u00f6ttlichend und vergebend dem Menschen mitteilt und nicht nur der ewig fernbleibende Richtpunkt aller menschlichen Bewegung des Geistes in Erkenntnis und Freiheit ist. Diese radikale Tiefe der Gotteserfahrung auf absolute Selbstmitteilung und N\u00e4he hin, wird aber gerade im Christentum deutlich ergriffen, ausgesagt, bekannt als Gnade und als sich in Jesus Christus siegreich durchsetzend und geschichtlich bezeugend verstanden. Die angerufene Gotteserfahrung ist also auch in unserer heutigen Zeitgestalt nicht notwendig so achristlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Im Gegenteil! Unter den faktischen Religionen als geschichtliche und gesellschaftlich verfasste verstanden und nat\u00fcrlich auf ihre eigene Wesensinterpretation und nicht auf ihre faktischen Depravationen hin interpretiert, ist es gerade das Christentum, das diese Gotteserfahrung am radikalsten und reinsten realisiert und in Jesus Christus daf\u00fcr die geschichtliche, \u00fcberzeugende Erscheinung hat. Auf der anderen Seite und umgekehrt: wenn heute deutlicher wird und zwar innerhalb des lehrhaften und institutionellen Christentums selbst, dass diese Gotteserfahrung allerdings als radikale und als richtig interpretierte wirklich der Kern des Christentums und auch die lebendig bleibende Quelle dessen ist, was wir reflektiert Offenbarung nennen, dann kommt gerade das Christentum nur radikaler und deutlicher zu seinem eigenen richtigen Selbstverst\u00e4ndnis, denn es ist ja in seinem wahren Wesen nicht die partikulare Religion neben andern, sondern die geschichtlich reine Objektivation der Gotteserfahrung, die gerade wegen des allgemeinen Heilswillens Gottes durch seine Selbstmitteilung als Gnade \u00fcberall gegeben ist und als solche \u00fcberall gegebene gerade vom Christentum bekannt wird. Wenn also das Christentum heute deutlicher als fr\u00fcher merkt und deutlicher existentiell realisiert, dass es das geschichtliche reine und in Christus endg\u00fcltig siegreich gewordene Zusichkommen der Selbstmitteilung Gottes an die Menschheit ist, die \u00fcberall und in aller Gotteserfahrung geschieht und zwar auch dort noch, wo diese Gotteserfahrung ohne Schuld schlecht interpretiert wird, dann bedeutet diese Erkenntnis ein St\u00fcck besserer Selbstverwirklichung des Selbstverst\u00e4ndnisses des Christentums selbst. Es ist also Aufgabe gerade des Christentums selbst immer neu auf diese urspr\u00fcngliche Gotteserfahrung hinzuweisen, den Menschen anzuleiten, sie in sich zu entdecken, sie anzunehmen und nat\u00fcrlich auch sich zu ihr zu bekennen in ihrer worthaften und gesellschaftlichen Objektivation, die freilich wo sie rein und auf Jesus Christus als ihrer Besiegelung bezogen ist, eben das ist, was wir Christentum nennen.<\/p>\n<h3>Schlusswort<\/h3>\n<p>1:05:34: Lassen Sie mich ein letztes Wort sagen: Heute in der katholischen Kirche \u00fcberhaupt und auch in Deutschland wird unendlich viel \u00fcber Kirchenreform, \u00fcber Demokratie in der Kirche, \u00fcber Bisch\u00f6fe oder P\u00e4pste, \u00fcber ihr richtiges oder falsches Verh\u00e4ltnis gestritten und geredet, wird viel gesagt \u00fcber die Weltaufgabe, die das Christentum hat, \u00fcber seine Verantwortung f\u00fcr die profane Welt usw. Alle diese Dinge sind wichtig, sie k\u00f6nnen nicht \u00fcbergangen werden, aber ich meine all das w\u00fcrde doch zu einem entarteten Betrieb bei allem Reformwillen, zum entarteten Betrieb einer religi\u00f6sen Institutionalit\u00e4t entarten, die gr\u00e4ulich ist auch dann, wenn sie grossen L\u00e4rm und Geschrei macht und stolz ist auf ihren Reformwillen, wenn dieser ganze Betrieb nicht letztlich immer wieder erkennen w\u00fcrde, dass er dazu da ist, den Menschen anzuleiten, diese urspr\u00fcngliche Gotteserfahrung in sich zu entdecken, vorzulassen, f\u00fcr sich selbst in einem gewissen Sinn wenigstens zu objektivieren, diese urspr\u00fcngliche Gotteserfahrung anzunehmen, in Freiheit sie wachsen zu lassen, sich immer radikaler zu ihr zu bekennen, in dieser Gotteserfahrung frei zu werden von sich, von den versklavenden M\u00e4chten der Welt, des Lebens, der innerweltlichen Utopien, des Todes usw. Religion, reden dar\u00fcber, institutionalisiertes Christentum, so wichtig alle diese Dinge sind, sind nur dann nicht noch einmal ein neuer G\u00f6tze, den der Mensch sich entrichtet, wenn all das immer wieder den Menschen hinf\u00fchrt zu einer letzten urspr\u00fcnglichen, unausweichlichen, immer gegebenen, wenn auch noch so anonymen Erfahrung, dass wir immer und \u00fcberall schon umgeben, getragen, angenommen, befreit und erl\u00f6st sind von jenem unsagbaren Geheimnis, das wir Gott nennen. Und ich meine in all den heutigen kirchlichen, theologischen, dogmatischen K\u00e4mpfen und Auseinandersetzungen, die heute die Kirche durchtoben, sollten wir das nicht vergessen. Wir sind im Grunde genommen eben doch nur Christen, wenn wir uns vertrauend, hoffend, arglos, ohne letzte Angst, ohne letztes Misstrauen hineinfallen lassen in das Geheimnis unserer Existenz, das gr\u00f6sser ist wie wir, das uns umgibt, das uns sich immer zusagt als Gnade, als Heil, als ewiges Leben. Man darf, wie ich schon gesagt habe, diese Gotteserfahrung nicht verbannen in eine blosse religi\u00f6se Innerlichkeit des Menschen. Ich habe schon gesagt, sie hat auch wirklich eine letzte, sehr radikale, politische, gesellschaftliche, \u00f6ffentliche Revelanz und Bedeutung, aber eben nur dann, wenn sie echt und lebendig gemacht wird, wenn wir alle, wenn ich das einmal so sagen darf, die Mystiker dieser Gotteserfahrung sind, die wir alle haben und die wir meistens \u00fcbersehen, an der wir uns, weil wir sie nicht manipulieren k\u00f6nnen nur zu gern vorbeischleichen zu den Dingen des Alltags, die \u00fcbersichtlicher, manipulierbarer, verst\u00e4ndlicher sind.<\/p>\n<p>Aber wir leben dieses klare Dasein des Alltags letztlich eben doch umfasst und von jener Tiefe des Geheimnisses her, das wir Gott nennen. Wir leben aus einer wirklichen, echten, in jedem von uns gegebenen, wenn vielleicht auch verdr\u00e4ngten anonymen nicht beachteten Gotteserfahrung heraus und die Geschichte unseres Lebens sollte nicht in einer theoretischen Spekulation und nicht bloss in einem Gef\u00fchl, sondern in der Tat des Lebens die Geschichte des Wachstums und der Annahme und der immer tieferen Verwurzelung dieser Gotteserfahrung sein.Vorbemerkungen und Bedeutung des Titels.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li><a title=\"Karl Rahner Archiv M\u00fcnchen\" href=\"http:\/\/www.karl-rahner-archiv.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Rahner Archiv M\u00fcnchen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/karl-rahner-stiftung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Rahner Stiftung<\/a><\/li>\n<li>\u21d2 <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?p=5031\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur\u00fcck zu Karl Rahner<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gotteserfahrung\u00a0hat durchaus eine gesellschaftliche \u00f6ffentliche Bedeutung Der grosse Theologe und spirituelle Lehrer Karl Rahner hat wie kaum ein anderer in immer neuen Anl\u00e4ufen und neuen Perspektiven die Frage zur Sprache gebracht, wie wir Gott erfahren k\u00f6nnen. 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