{"id":506,"date":"2011-09-22T20:25:04","date_gmt":"2011-09-22T18:25:04","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=506"},"modified":"2021-06-18T16:41:23","modified_gmt":"2021-06-18T14:41:23","slug":"in-christus-bleiben-heisst-in-der-kirche-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=506","title":{"rendered":"In Christus bleiben heisst auch in der Kirche bleiben"},"content":{"rendered":"<h1>Predigt von Papst Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?attachment_id=6365\" rel=\"attachment wp-att-6365\"><img data-opt-id=2035738346  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-6365\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png\" alt=\"Bild: berlinertageszeitung.de\" width=\"290\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:715\/h:538\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png 715w, https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:300\/h:226\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png 300w\" sizes=\"(max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>Erstmals hat sich Papst Benedikt XVI. bei seiner Deutschlandreise im September 2011 \u00f6ffentlich in der kirchlichen Reformdebatte zu Wort gemeldet. Manche Kirchenkritiker s\u00e4hen nur die \u00e4u\u00dferliche Gestalt der Kirche und betrachteten sie nur als \u201eeine der vielen Organisation innerhalb der demokratischen Gesellschaft\u201c, sagte er bei einer hl. Messe im Berliner Olympiastadion. Audio-Datei (MP3):<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-506-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Im Folgenden die Predigt im Wortlaut: <!--more-->Liebe Mitbr\u00fcder im Bischofsamt! Liebe Br\u00fcder und Schwestern! Der Blick in das weite Rund des Olympiastadions, das ihr in so gro\u00dfer Zahl heute f\u00fcllt, weckt in mir gro\u00dfe Freude und Zuversicht. Sehr herzlich gr\u00fc\u00dfe ich euch alle \u2013 die Gl\u00e4ubigen aus dem Erzbistum Berlin und den Di\u00f6zesen Deutschlands wie auch die vielen Pilger aus den benachbarten L\u00e4ndern. 15 Jahre ist es her, da\u00df erstmals ein Papst in die Bundeshauptstadt Berlin gekommen ist. Der Besuch meines verehrten Vorg\u00e4ngers, des seligen Johannes Paul II., und die Seligsprechung des Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg \u2013 zusammen mit Karl Leisner \u2013 eben hier an diesem Ort ist uns allen in lebendiger Erinnerung.<br \/>\nWenn wir an diese Seligen und an die Schar der Heiligen und Seligen insgesamt denken, k\u00f6nnen wir begreifen, was es hei\u00dft, als Rebzweige des wahren Weinstocks Christus zu leben und reiche Frucht zu bringen. Das heutige Evangelium hat uns das Bild neu vergegenw\u00e4rtigt, dieses im Orient \u00fcppig rankenden Gew\u00e4chses und Sinnbilds von Lebenskraft, eine Metapher f\u00fcr die Sch\u00f6nheit und Dynamik der Gemeinschaft Jesu mit seinen J\u00fcngern und Freunden.<\/p>\n<h1>Das Gleichnis vom wahren Weinstock (Joh Kapitel 15)<\/h1>\n<p>Im Gleichnis vom Weinstock sagt Jesus nicht: \u201eIhr seid der Weinstock\u201c, sondern: \u201eIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben\u201c (Joh 15,5). Das hei\u00dft: \u201eSo wie die Rebzweige mit dem Weinstock verbunden sind, so geh\u00f6rt ihr zu mir! Indem ihr aber zu mir geh\u00f6rt, geh\u00f6rt ihr auch zueinander.\u201c Und dieses Zueinander- und Zu-ihm-Geh\u00f6ren ist nicht irgendein ideales, gedachtes, symbolisches Verh\u00e4ltnis, sondern \u2013 fast m\u00f6chte ich sagen \u2013 ein biologisches, lebensvolles Zu-Jesus-Christus-Geh\u00f6ren. Das ist die Kirche, diese Lebensgemeinschaft mit ihm und f\u00fcreinander, die durch die Taufe begr\u00fcndet und in der Eucharistie von Mal zu Mal vertieft und verlebendigt wird. \u201eIch bin der wahre Weinstock\u201c, das hei\u00dft doch eigentlich: \u201aIch bin ihr und ihr seid ich\u2018 \u2013 eine unerh\u00f6rte Identifikation des Herrn mit uns, seiner Kirche.<br \/>\nChristus selbst hat damals vor Damaskus den Kirchenverfolger Saulus gefragt: \u201eWarum verfolgst Du mich?\u201c (Apg 9,4). Damit dr\u00fcckt der Herr die Gemeinsamkeit des Schicksals aus, die sich aus der innigen Lebensgemeinschaft seiner Kirche mit ihm, dem auferstandenen Christus, ergibt. Er lebt in seiner Kirche in dieser Welt fort. Er ist bei uns und wir mit ihm. \u2013 \u201eWarum verfolgst du mich?\u201c \u2013 Es ist also Jesus, den die Verfolgungen seiner Kirche treffen. Und zugleich sind wir, wenn wir um unseres Glaubens willen bedr\u00e4ngt werden, nicht allein. Jesus ist bei uns.<br \/>\nJesus sagt im Gleichnis: \u201eIch bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer\u201c (Joh 15,1), und er f\u00fchrt aus, da\u00df der Winzer zum Messer greift, die d\u00fcrren Reben abschneidet und die fruchttragenden reinigt, so da\u00df sie mehr Frucht bringen. Gott will \u2013 um es mit dem Bild des Propheten Ezechiel zu sagen, das wir in der ersten Lesung geh\u00f6rt haben \u2013 das tote, steinerne Herz aus unserer Brust nehmen, um uns ein lebendiges Herz aus Fleisch zu geben (vgl. Ez 36,26). Er will uns neues, kraftvolles Leben schenken. Christus ist gekommen, die S\u00fcnder zu rufen. Sie brauchen den Arzt, nicht die Gesunden (vgl. Lk 5,31f). Und so ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt, die Kirche das \u201euniversale Heilssakrament\u201c (LG 48), das f\u00fcr die S\u00fcnder da ist, um ihnen den Weg der Umkehr, der Heilung und des Lebens zu er\u00f6ffnen. Das ist die eigentliche und gro\u00dfe Sendung der Kirche, die ihr von Christus \u00fcbertragen ist.<\/p>\n<h1>Das Mysterium in der Kirche &#8211; trotz der S\u00fcnder &#8211; nicht \u00fcbersehen!<\/h1>\n<p>Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer \u00e4u\u00dferen Gestalt h\u00e4ngen. Dann erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Ma\u00dfst\u00e4ben und Gesetzen dann auch die so sperrige Gr\u00f6\u00dfe \u201eKirche\u201c zu beurteilen und zu behandeln ist. Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazukommt, da\u00df es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschlie\u00dft sich das gro\u00dfe und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr.<br \/>\nDann kommt auch keine Freude mehr \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit zu diesem Weinstock \u201eKirche\u201c auf. Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Mi\u00dfvergn\u00fcgen, wenn man die eigenen oberfl\u00e4chlichen und fehlerhaften Vorstellungen von \u201eKirche\u201c, die eigenen \u201eKirchentr\u00e4ume\u201c nicht verwirklicht sieht! Da verstummt dann auch das frohe \u201eDank sei dem Herrn, der mich aus Gnad\u2019 in seine Kirch\u2019 berufen hat\u201c, das Generationen von Katholiken mit \u00dcberzeugung gesungen haben.<br \/>\nWeiter f\u00e4hrt der Herr in seiner Rede fort: \u201eBleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so k\u00f6nnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt, \u2026 denn getrennt von mir \u2013 wir k\u00f6nnten auch \u00fcbersetzen: au\u00dferhalb von mir \u2013 k\u00f6nnt ihr nichts vollbringen\u201c (Joh 15,4f).<br \/>\nVor diese Entscheidung ist jeder von uns gestellt. Wie ernst sie ist, sagt uns der Herr wiederum in seinem Gleichnis: \u201eWer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen\u201c (Joh 15,6) Dazu meint der heilige Augustinus: \u201eEines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer; wenn sie nicht im Weinstock ist, wird sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, m\u00f6ge sie im Weinstock sein\u201c (In Ioan. Ev. tract. 81,3 [PL 35, 1842]).<\/p>\n<h1>Die Kirche ist das sch\u00f6nste Geschenk Gottes<\/h1>\n<p>Die hier geforderte Wahl macht uns eindringlich die existentielle Bedeutung unserer Lebensentscheidung bewu\u00dft. Zugleich ist das Bild vom Weinstock ein Zeichen der Hoffnung und Zuversicht. Christus selbst ist durch seine Menschwerdung in diese Welt gekommen, um unser Wurzelgrund zu sein. In aller Not und D\u00fcrre ist er die Quelle, die das Wasser des Lebens schenkt, die uns n\u00e4hrt und st\u00e4rkt. Er selbst nimmt alle S\u00fcnde, Angst und Leid auf sich und reinigt und verwandelt uns schlie\u00dflich geheimnisvoll in guten Wein. Manchmal f\u00fchlen wir uns in solchen Stunden der Not wie in die Kelter geraten, wie Trauben, die v\u00f6llig ausgepre\u00dft werden. Aber wir wissen, mit Christus verbunden werden wir zu reifem Wein. Auch das Schwere und Bedr\u00fcckende unseres Lebens wei\u00df Gott in Liebe zu verwandeln. Wichtig ist, da\u00df wir am Weinstock, bei Christus \u201ebleiben\u201c. Der Evangelist verwendet das Wort \u201ebleiben\u201c in dieser kurzen Perikope ein dutzendmal. Dieses \u201eIn-Christus-Bleiben\u201c pr\u00e4gt das ganze Gleichnis. In unserer Zeit der Rastlosigkeit und Beliebigkeit, wo so viele Menschen Orientierung und Halt verlieren, wo die Treue der Liebe in Ehe und Freundschaft so zerbrechlich und kurzlebig geworden ist, wo wir in unserer Not wie die Emmausj\u00fcnger rufen wollen: \u201eHerr bleibe bei uns, denn es ist Abend (vgl. Lk 24,29), ja, es ist Dunkel um uns!\u201c, da schenkt uns der Auferstandene eine Bleibe, einen Ort des Lichtes, der Hoffnung und Zuversicht, der Ruhe und Geborgenheit. Wo den Rebzweigen D\u00fcrre und Tod drohen, da ist in Christus Zukunft, Leben und Freude. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">In Christus bleiben hei\u00dft<\/span><\/strong>, wie wir bereits gesehen haben, <strong><span style=\"color: #ff0000;\">auch in der Kirche bleiben<\/span><\/strong>. Die ganze Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen ist in den Weinstock Christus fest hineinverf\u00fcgt. In Christus geh\u00f6ren wir zusammen. In dieser Gemeinschaft tr\u00e4gt er uns und zugleich tragen alle Glieder sich gegenseitig. Sie halten gemeinsam Stand gegen den Sturm und geben einander Schutz. Wer glaubt ist nicht allein. Wir glauben nicht alleine, sondern wir glauben mit der ganzen Kirche.<br \/>\nDie Kirche als Verk\u00fcnderin des Wortes Gottes und Spenderin der Sakramente verbindet uns mit Christus, dem wahren Weinstock. Die Kirche als \u201eF\u00fclle und Erg\u00e4nzung des Erl\u00f6sers\u201c (Pius XII., Mystici corporis, AAS 35 [1943] S. 230: \u201eplenitudo et complementum Redemptoris\u201c) ist uns Unterpfand des g\u00f6ttlichen Lebens und Vermittlerin der Fr\u00fcchte, von denen das Gleichnis des Weinstocks spricht. Die Kirche ist das sch\u00f6nste Geschenk Gottes. Daher sagt auch der heilige Augustinus: \u201eIn dem Ma\u00df, wie einer die Kirche Christi liebt, hat er den Heiligen Geist\u201c (In Ioan. Ev. tract. 32, 8 [PL 35, 1646]). Mit der Kirche und in der Kirche d\u00fcrfen wir allen Menschen verk\u00fcnden, da\u00df Christus die Quelle des Lebens ist, da\u00df er da ist, da\u00df er das Gro\u00dfe ist, nach dem wir uns sehnen. Er schenkt sich selbst. Wer an Christus glaubt, hat Zukunft. Denn Gott will nicht das D\u00fcrre, das Tote, das Gemachte, das am Ende weggeworfen wird, sondern das Fruchtbare und Lebendige, das Leben in F\u00fclle.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern! Das w\u00fcnsche ich euch allen, da\u00df ihr immer tiefer die Freude entdeckt, in der Kirche mit Christus verbunden zu sein, da\u00df ihr in eurer Not Trost und Erl\u00f6sung findet und immer mehr zum k\u00f6stlichen Wein der Freude und Liebe Christi f\u00fcr diese Welt werdet. Amen.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3): Papst in D 2011 &#8211; Predigt im Olympiastadion am 22. September 2011<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-506-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-D-2011-Predigt-im-Olympiastadion.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext:\u00a0Apostolische Reisen, Radio Vatikan, Artikel 522726<\/li>\n<li>Originaltext: Galgano, v. Kempis, Radio Vatikan, Artikel 522822<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer \u00e4u\u00dferen Gestalt h\u00e4ngen. 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