{"id":493,"date":"2012-11-25T10:11:48","date_gmt":"2012-11-25T09:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=493"},"modified":"2023-12-02T16:29:10","modified_gmt":"2023-12-02T15:29:10","slug":"sich-nicht-von-der-weltlichen-logik-der-macht-faszinieren-zu-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=493","title":{"rendered":"Sich nicht von der weltlichen Logik der Macht faszinieren lassen"},"content":{"rendered":"<h1>Festpredigt zum Christk\u00f6nigssonntag von Papst Benedikt XVI.<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"150\" height=\"232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>Meine Herren Kardin\u00e4le, verehrte Mitbr\u00fcder im bisch\u00f6flichen und im priesterlichen Dienst, liebe Br\u00fcder und Schwestern! Das heutige Hochfest Christk\u00f6nig, die Kr\u00f6nung des liturgischen Jahres, erf\u00e4hrt eine Bereicherung durch die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern ins Kardinalskollegium, die ich traditionsgem\u00e4\u00df eingeladen habe, an diesem Morgen in der Eucharistiefeier mit mir zu konzelebrieren. Jeden von ihnen begr\u00fc\u00dfe ich aufs herzlichste und danke Kardinal James Michael Harvey f\u00fcr die freundlichen Worte, die er im Namen aller an mich gerichtet hat. Ich gr\u00fc\u00dfe die \u00fcbrigen Purpurtr\u00e4ger und alle anwesenden Bisch\u00f6fe wie auch die verehrten Repr\u00e4sentanten des \u00f6ffentlichen Lebens, die Priester, die Ordensleute und alle Gl\u00e4ubigen, besonders die aus den Di\u00f6zesen, welche der pastoralen Leitung der neuen Kardin\u00e4le anvertraut sind. <!--more-->An diesem letzten Sonntag des liturgischen Jahres l\u00e4dt uns die Kirche ein, Jesus, den Herrn, als K\u00f6nig des Universums zu feiern. Sie ruft uns auf, den Blick in die Zukunft zu richten, oder besser: in die Tiefe, auf das letzte Ziel der Geschichte, das endg\u00fcltige und ewige Reich Christi. Am Anfang, als die Welt erschaffen wurde, war er beim Vater, und er wird seine Herrschaft vollends offenbaren am Ende der Zeiten, wenn er alle Menschen richten wird. Die drei heutigen Lesungen sprechen uns von diesem Reich. In dem Abschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir geh\u00f6rt haben, befindet sich Jesus in der entw\u00fcrdigenden Lage des Angeklagten vor der r\u00f6mischen Macht. Er ist verhaftet, verspottet, verh\u00f6hnt worden, und nun hoffen seine Feinde, seine Verurteilung zum Kreuzestod zu erreichen. Sie haben ihn dem Pilatus als einen vorgestellt, der die politische Macht anstrebt, als den angeblichen K\u00f6nig der Juden. Der r\u00f6mische Statthalter f\u00fchrt seine Untersuchung durch und fragt Jesus: \u00bb Bist du der K\u00f6nig der Juden? \u00ab (vgl. Joh 18,33 in <a title=\"Johannes 18,28-40\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes18.28-40\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johannes 18,28-40<\/a>). In der Antwort auf diese Frage kl\u00e4rt Jesus das Wesen seines Reiches und seiner Messianit\u00e4t, das nicht in weltlicher Macht besteht, sondern dienende Liebe ist. Er betont, da\u00df sein Reich keinesfalls mit irgendeinem politischen Reich verwechselt werden darf: \u00bb Mein K\u00f6nigtum ist nicht von dieser Welt \u2026 ist nicht von hier \u00ab (v. 36).<br \/>\nEs ist klar, da\u00df Jesus keinerlei politische Ambitionen hat. Nach der Brotvermehrung wollten die Menschen ihn in ihrer Begeisterung \u00fcber das Wunder ergreifen, um ihn zum K\u00f6nig zu machen, um die r\u00f6mische Macht umzust\u00fcrzen und so ein neues politisches Reich zu errichten, das als das sehnlich erwartete Reich Gottes angesehen worden w\u00e4re. Doch Jesus wei\u00df, da\u00df das Reich Gottes ganz anderer Art ist, sich nicht auf Waffen und auf Gewalt gr\u00fcndet. Und so ist es gerade die Brotvermehrung, die einerseits zum Zeichen seiner Messianit\u00e4t wird, aber andererseits einen Wendepunkt in seinem Wirken darstellt: Von jenem Moment an wird der Weg zum Kreuz immer deutlicher; dort, in der \u00e4u\u00dfersten Liebestat, wird das verhei\u00dfene Reich, das Reich Gottes aufleuchten. Doch die Menschenmenge begreift das nicht, sie ist entt\u00e4uscht, und Jesus zieht sich allein auf den Berg zur\u00fcck, um zu beten, um mit dem Vater zu sprechen (vgl. <a title=\"Johannes 6,1-15\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes6.1-15\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johannes 6,1-15<\/a>). Im Passionsbericht sehen wir, wie sogar die J\u00fcnger, die doch das Leben mit Jesus geteilt und seine Worte geh\u00f6rt hatten, an ein politisches, auch mit Hilfe von Gewalt zu errichtendes Reich dachten. In Getsemani hatte Petrus das Schwert gezogen und zu k\u00e4mpfen begonnen, aber Jesus hatte ihm Einhalt geboten (vgl. Joh 18,10-11). Er will nicht mit Waffen verteidigt werden, sondern er will den Willen des Vaters bis zum letzten erf\u00fcllen und sein Reich nicht mit Waffen und Gewalt errichten, sondern mit der scheinbaren Schwachheit der Liebe, die das Leben hingibt. Das Reich Gottes ist ein v\u00f6llig anderes Reich als die irdischen.<br \/>\nUnd das ist der Grund, warum ein Vertreter der Macht wie Pilatus angesichts eines wehrlosen, gebrechlichen, erniedrigten Menschen wie Jesus verwundert ist \u2013 verwundert, weil er von einem Reich, von Dienern reden h\u00f6rt. Und er stellt eine Frage, die ihm wohl paradox erscheint: \u00bb Also bist du doch ein K\u00f6nig? \u00ab Was f\u00fcr eine Art K\u00f6nig kann ein Mann in diesem Zustand sein? Doch Jesus bejaht: \u00bb Du sagst es, ich bin ein K\u00f6nig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, da\u00df ich f\u00fcr die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, h\u00f6rt auf meine Stimme \u00ab (18,37). Jesus spricht von einem K\u00f6nig, von einem Reich, aber er bezieht sich dabei nicht auf die Herrschaft, sondern auf die Wahrheit. Pilatus versteht nicht: Kann es eine Macht geben, die man nicht mit menschlichen Mitteln erreicht? Eine Macht, die nicht der Logik der Herrschaft und der Gewalt entspricht? Jesus ist gekommen, um ein neues K\u00f6nigtum zu offenbaren und zu bringen: das K\u00f6nigtum Gottes; er ist gekommen, um Zeugnis abzulegen f\u00fcr die Wahrheit eines Gottes, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,8.16) und der ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens errichten will (vgl. Pr\u00e4fation). Wer f\u00fcr die Liebe offen ist, h\u00f6rt dieses Zeugnis und nimmt es im Glauben an, um in das Reich Gottes einzutreten.<br \/>\nDiese Sicht finden wir in der ersten Lesung [Dan 7, 2a.13b-14] wieder, die wir geh\u00f6rt haben. Der Prophet Daniel k\u00fcndigt die Macht einer geheimnisvollen Gestalt zwischen Himmel und Erde an: \u00bbDa kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gef\u00fchrt. Ihm wurden Herrschaft, W\u00fcrde und K\u00f6nigtum gegeben. Alle V\u00f6lker, Nationen und Sprachen m\u00fcssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unverg\u00e4ngliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter\u00ab (7,13-14). Es sind Worte, die einen K\u00f6nig vor Augen f\u00fchren, der von Meer zu Meer, bis an die Enden der Erde herrscht, mit einer absoluten Macht, die nie gebrochen werden wird. Diese Vision des Propheten, eine messianische Vision, wird durch Christus erhellt und findet in ihm ihre Verwirklichung: Die Macht des wahren Messias \u2013 eine Macht, die niemals untergeht und niemals vernichtet wird \u2013 ist nicht die Macht der Reiche der Erde, die entstehen und vergehen, sondern die der Wahrheit und der Liebe. Damit verstehen wir, da\u00df das K\u00f6nigtum, das Jesus in den Gleichnissen angek\u00fcndigt und vor dem r\u00f6mischen Statthalter unverh\u00fcllt und ausdr\u00fccklich offenbart hat, das K\u00f6nigtum der Wahrheit ist, das einzige, das allen Dingen ihr Licht und ihre Gr\u00f6\u00dfe verleiht.<br \/>\nIn der zweiten Lesung sagt der Autor der Geheimen Offenbarung, da\u00df auch wir am K\u00f6nigtum Christi teilhaben. In dem Zuruf an den, \u00bbder uns liebt und uns von unseren S\u00fcnden erl\u00f6st hat durch sein Blut\u00ab, erkl\u00e4rt er: \u00bbEr hat uns zu einem Reich gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater\u00ab (vgl. 1,5-6). Auch hier ist deutlich, da\u00df es sich um ein Reich handelt, das auf das Verh\u00e4ltnis zu Gott, zur Wahrheit, gegr\u00fcndet ist, und nicht um ein politisches Reich. Durch sein Opfer hat Jesus uns den Weg zu einer tiefen Beziehung zu Gott er\u00f6ffnet: In ihm sind wir wirkliche S\u00f6hne und T\u00f6chter geworden, haben wir somit Anteil erhalten an seinem K\u00f6nigtum \u00fcber die Welt. J\u00fcnger Jesu zu sein bedeutet also, sich nicht von der weltlichen Logik der Macht faszinieren zu lassen, sondern das Licht der Wahrheit und der Liebe Gottes in die Welt zu tragen. Der Autor der Geheimen Offenbarung weitet dann den Blick aus auf die Wiederkunft Jesu, wenn er kommt, um die Menschen zu richten und f\u00fcr immer das g\u00f6ttliche Reich einzusetzen, und er erinnert uns daran, da\u00df die Umkehr als Antwort auf die g\u00f6ttliche Gnade die Bedingung f\u00fcr die Errichtung dieses Reiches ist (vgl. 1,7). Das ist eine eindringliche Aufforderung an alle und an jeden, sich immer neu zum Reich Gottes zu bekehren, dazu, da\u00df Gott \u2013 die Wahrheit schlechthin \u2013 in unserem Leben herrsche. Darum beten wir t\u00e4glich im \u00bbVater unser\u00ab mit den Worten: \u00bbDein Reich komme\u00ab, was soviel bedeutet, wie zu Jesus zu sagen: Herr, gib, da\u00df wir dein sind, lebe in uns, sammle die verstreute und leidende Menschheit, damit in dir alles dem Vater der Barmherzigkeit und der Liebe unterworfen sei.<br \/>\nEuch, liebe, verehrte Mitbr\u00fcder im Kardinalskollegium \u2013 in besonderer Weise denke ich an die gestern kreierten Kardin\u00e4le \u2013 wird diese anspruchsvolle Verantwortung aufgetragen: Zeugnis zu geben f\u00fcr das Reich Gottes, f\u00fcr die Wahrheit. Das bedeutet, gegen\u00fcber den Interessen der Welt und ihrer M\u00e4chte immer den Vorrang Gottes und seines Willens hervortreten zu lassen. Ahmt Jesus nach, der in der vom Evangelium beschriebenen Erniedrigung vor Pilatus seine Herrlichkeit hat aufleuchten lassen: die Herrlichkeit, bis zum \u00e4u\u00dfersten zu lieben und das eigene Leben f\u00fcr die geliebten Menschen hinzugeben. Das ist die Offenbarung der Reiches Jesu. Und darum wollen wir, ein Herz und eine Seele, miteinander beten: \u00bbAdveniat regnum tuum\u00ab. Amen.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3): Predigt zum Christk\u00f6nigssonntag vom 25. November 2012<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-493-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/2012-11-25-Predigt-zum-Christkoenigssonntag.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/2012-11-25-Predigt-zum-Christkoenigssonntag.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/2012-11-25-Predigt-zum-Christkoenigssonntag.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Zusammenfassung (Link vergriffen): Stefan v. Kempis, Radio Vatikan, Artikel 641966<\/li>\n<li>Originaltext (Link vergriffen): Radio Vatikan, Artikel 641966<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festpredigt zum Christk\u00f6nigssonntag von Papst Benedikt XVI. Meine Herren Kardin\u00e4le, verehrte Mitbr\u00fcder im bisch\u00f6flichen und im priesterlichen Dienst, liebe Br\u00fcder und Schwestern! 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