{"id":3858,"date":"2013-11-07T11:51:01","date_gmt":"2013-11-07T09:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ifitblog.ch\/wordpress\/?p=3858"},"modified":"2021-10-19T16:31:03","modified_gmt":"2021-10-19T14:31:03","slug":"zurueck-ins-leben-finden-die-fazendas-da-esperanca-von-sao-paulo-in-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=3858","title":{"rendered":"Zur\u00fcck ins Leben finden \u2013 die Fazendas da Esperan\u00e7a von Sao Paulo in Brasilien"},"content":{"rendered":"<h1>Eine christliche Farm der Hoffnung f\u00fcr die Reintegration von Menschen<\/h1>\n<p>Der Missbrauch von Drogen, Alkohol und Zigaretten forderte seinen Tribut. \u201eIch hatte Albtr\u00e4ume und alle m\u00f6glichen Schmerzen. Die ersten Wochen waren sehr schlimm\u201c, erz\u00e4hlt der 24-j\u00e4hrige Leandro, der auf der Fazenda da Esperan\u00e7a (Farm der Hoffnung) in Guaratingueta bei Sao Paulo lebt. Leandro hatte mit 12 Jahren begonnen, exzessiv zu trinken, sp\u00e4ter kamen Marihuana und Kokain dazu. \u201eIch konnte meine Schule nicht beenden\u201c, erz\u00e4hlt er. Der junge Mann spricht hastig; man merkt ihm an, dass er seine Geschichte schnell loswerden m\u00f6chte. Nach der Scheidung seiner Eltern \u2013 da war er 18 Jahre alt &#8211; kam er an Crack. Autodiebst\u00e4hle lieferten das Geld daf\u00fcr. \u201eIch geriet immer tiefer in die Droge, dann bekam ich schlimme Depressionen\u201c. Erst ein Gespr\u00e4ch mit seiner Mutter brachte ihn zum Entschluss, sich behandeln zu lassen. \u201eIch habe verstanden, dass ich nicht nur auf die Fazenda da Esperan\u00e7a gekommen bin, um von den Drogen zu lassen, sondern um mein Leben grundlegend zu \u00e4ndern\u201c, erz\u00e4hlt er.<!--more--><\/p>\n<h2>Ohne Radio, TV und Internet<\/h2>\n<p>Rund 140 M\u00e4nner wie Leandro leben auf der Fazenda da Esperan\u00e7a in Guaratingueta. In Gruppen von bis zu 15 Personen arbeiten, beten und k\u00e4mpfen sie ein Jahr lang zusammen.<\/p>\n<p>Jeder Tag steht unter einem Motto, einem einfachen christlichen Grundsatz oder Bibelwort wie \u201eLiebe deinen N\u00e4chsten\u201c. Es gilt, \u201ezu lernen, sich und den anderen wieder wahrzunehmen und mit den eigenen Gef\u00fchlen umzugehen\u201c, so Christine Magg. Im Laufe ihrer Zeit auf der Fazenda erkennen die M\u00e4nner \u201cdass auch sie einen Wert haben, ja mehr noch, ein Geschenk Gottes sind\u201c. Die geb\u00fcrtige Augsburgerin arbeitet seit sechs Jahren f\u00fcr die Fazenda. Um das Leben der Rekuperanten &#8211; so nennen sich die Bewohner der Fazendas &#8211; nachzuempfinden, lebte sie ein Jahr lang wie sie: isoliert von der Aussenwelt, ohne Radio, Fernsehen, Internet. \u201eJeder Stein stammt von hier\u201c, erz\u00e4hlt sie bei einem Rundgang durch die Fazenda. Alles hier ist liebevoll angelegt. \u00dcberall sprie\u00dfen Blumen; es duftet nach Zitronengras und verschiedenen Bl\u00fcten; V\u00f6gel zwitschern; Katzen und Hunde springen umher. F\u00fcr jemanden, der die H\u00f6lle kennt, muss es das Paradies sein. Und das Paradies wird gepflegt. Alle achten auf Nachhaltigkeit. Beim Bau eines neuen Geb\u00e4udes werden Materialien aus der Umgebung verwertet, selbst der M\u00fcll.<\/p>\n<h2>\u00dcber 15.000 Geheilte<\/h2>\n<p>Die Fazendas entstanden quasi aus dem Nichts heraus. Es begann in den 70er Jahren: Einem jungen Gemeindemitglied namens Nelson gingen die Predigten von Franziskanerpater Hans Stapel nicht aus dem Kopf. Der Priester war als Aushilfspfarrer nach Guaratingueta gekommen und predigte die N\u00e4chstenliebe von der Kanzel herunter. Nelson beschloss, den Drogenabh\u00e4ngigen in seiner Nachbarschaft zu helfen. Aus dem ersten Kontakt entstand bald eine feste Gruppe von Leuten, die von ihrer Drogensucht befreit werden wollten. Sie trafen sich w\u00f6chentlich und baten um eine Bleibe, die sie von ihrer gewohnten Umgebung isolierte: die erste Fazenda war geboren. Immer mehr Leute baten um Aufnahme und Nelsons Cousine gr\u00fcndete die erste Fazenda f\u00fcr Frauen. Seitdem haben sich die Fazendas rasant verbreitet. Mehr als 15.000 Menschen sind bereits auf den Farmen der Hoffnung geheilt worden. 95 Fazendas gibt es weltweit, 30 weitere stehen kurz vor der Gr\u00fcndung. Je nach Kultur und Land wird die Art der Therapie angepasst, die Grundstrukturen sind \u00fcberall gleich: Arbeit, Gemeinschaft und Gebet. Man muss nicht katholisch sein, um auf der Fazenda leben zu k\u00f6nnen, aber jeder Rekuperant soll um der Gemeinschaft willen an den Gebetszeiten teilnehmen. \u201eEs war auch schon ein Moslem da, der hier mehr als zuvor in seinem Koran gelesen hat\u201c, erz\u00e4hlt Christine Magg.<\/p>\n<p>Dem 16j\u00e4hrigen Arthur hilft das Gebet sehr, von der Sucht loszukommen. Mit 13 Jahren hatte er zum ersten Mal Drogen ausprobiert \u2013 aus Neugierde und Langeweile. Er wuchs in einem gutb\u00fcrgerlichen Elternhaus auf, das ihm nichts verwehrte. \u201eIch begann, Drogen zu verkaufen und zu stehlen. Meine Mutter sch\u00e4mte sich, meine Nachbarn mochten mich nicht. Ich nahm Kokain und beging Raub\u00fcberf\u00e4lle, dann wurde ich festgenommen. Als ich freikam, nahm ich meinen alten Lebensstil wieder auf\u201c, erz\u00e4hlt er. Doch er merkte, dass ihn dieser Lebensstil weder zufriedenstellte noch Frieden in seine Familie brachte. \u00dcber seine Schwester, eine Freiwillige auf der Fazenda, kam er nach Guaratingueta. \u201eIch m\u00f6chte mein Leben \u00e4ndern und meine Schule beenden\u201c, sagt er.<\/p>\n<h2>Eine Erfolgsgeschichte: 30 Jahre Fazenda in Guaratingueta<\/h2>\n<p>In diesem Jahr begeht die Fazenda in Guaratingueta ihr 30j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Zu den Feierlichkeiten werden 6.000 Besucher erwartet. Es werden viele ehemalige Rekuperanten kommen. Wer k\u00f6nnte besser verstehen, was die Rekuperanten durchmachen? Eine ganze Reihe Ehemaliger und weitere zahlreiche Laien, Priester und Ordensleute haben sich zu einer seit 2010 p\u00e4pstlich anerkannten Gemeinschaft zusammengeschlossen, die sich \u201eFam\u00edlia da Esperan\u00e7a\u201c (Familie der Hoffnung) nennt und mit Gebet und Tatkraft zum \u201eErfolg\u201c der Fazendas beitr\u00e4gt. Allein 40 katholische Gemeinschaften helfen den Fazendas geistlich und aktiv.<\/p>\n<p>\u201eWenn du hier helfen willst, musst du einfach nur den Willen haben, zu lieben\u201c, sagt Christine Magg. Was so einfach klingt, ist eine t\u00e4gliche Herausforderung \u2013 f\u00fcr die Rekuperanten und die Freiwilligen. Und doch gelingt es immer wieder.<br \/>\n<a title=\"Kirche in Not\" href=\"http:\/\/www.kirche-in-not.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kirche in Not<\/a>\u00a0unterst\u00fctzt j\u00e4hrlich Projekte der Fazendas weltweit mit rund 1 Million CHF.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine christliche Farm der Hoffnung f\u00fcr die Reintegration von Menschen Der Missbrauch von Drogen, Alkohol und Zigaretten forderte seinen Tribut. \u201eIch hatte Albtr\u00e4ume und alle m\u00f6glichen Schmerzen. Die ersten Wochen waren sehr schlimm\u201c, erz\u00e4hlt der 24-j\u00e4hrige Leandro, der auf der Fazenda da Esperan\u00e7a (Farm der Hoffnung) in Guaratingueta bei Sao Paulo lebt. 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