{"id":2928,"date":"2013-07-08T22:01:09","date_gmt":"2013-07-08T21:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=2928"},"modified":"2021-10-18T16:51:23","modified_gmt":"2021-10-18T14:51:23","slug":"wer-hat-uber-das-alles-uber-dinge-wie-in-lampedusa-geweint-uber-den-tod-von-unseren-brudern-und-schwestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=2928","title":{"rendered":"Wer hat \u00fcber das alles, \u00fcber Dinge wie in Lampedusa geweint, \u00fcber den Tod von unseren Br\u00fcdern und Schwestern?"},"content":{"rendered":"<h1>Papst Franziskus trauert in Lampedusa wegen der globalisierten Gleichg\u00fcltigkeit<\/h1>\n<p>Die S\u00fcndengeschichte der Menschheit von Adam und Kain angefangen zieht sich bis heute, die anklagende Frage \u201eWo ist dein Bruder?\u201c Gottes an Kain ist angesichts des Leidens der Fl\u00fcchtlinge auch an uns gestellt. Dieser Gedanke zog sich durch die Predigt Papst Franziskus\u2019 am Montag, 8. Juli\u00a0in Lampedusa; ein Bericht von Pater Bernd Hagenkord.\u00a0Um Vergebung zu bitten war Papst Franziskus auf die Insel gekommen und um zu trauern. Ein Bu\u00dfgottesdienst sollte es sein, den er mit den Menschen der Insel gemeinsam feiern wollte, und genau so hat der Papst ihn auch gestaltet. \u201cAdam, wo bist du?\u201c: Das ist die erste Frage, die Gott an den Menschen nach dem S\u00fcndenfall richtet. \u201eWo bist du?\u201c Es ist ein orientierungsloser Mensch, der seinen Platz in der Sch\u00f6pfung verloren hat weil er glaubte, m\u00e4chtig werden zu k\u00f6nnen, alles bestimmen zu k\u00f6nnen, Gott werden zu k\u00f6nnen. <!--more-->Die Harmonie war zerrissen, der Mensch hat geirrt und das hat sich dann auch in den Beziehungen zum N\u00e4chsten wiederholt, der nicht mehr der geliebte Bruder ist, sondern jemand der mein Leben st\u00f6rt, mein Wohlergehen. Und Gott stellt die zweite Frage: \u201eKain, wo ist dein Bruder?\u201c Der Traum vom M\u00e4chtig-Sein, vom Gro\u00df-Sein wie Gott, sogar wie Gott selbst zu sein, beginnt eine Kette von Fehlern, die eine Kette des Todes ist, sie f\u00fchrt dazu, dass das Blut des Bruders vergossen wird!<br \/>\nDiese zwei Fragen Gottes klingen auch heute nach, mit ihrer ganzen Kraft! Viele von uns, und ich schlie\u00dfe mich selbst da ein, sind desorientiert, wir sind nicht aufmerksam der Welt gegen\u00fcber, in der wir leben, wir sorgen uns nicht, wir k\u00fcmmern uns nicht um das, was Gott f\u00fcr alle geschaffen hat und sind nicht mehr f\u00e4hig, auf den Anderen Acht zu geben. Und wenn diese Desorientierung globale Dimensionen annimmt, dann kommt es zu solchen Trag\u00f6dien, wie der, derer wir heute Zeuge sind.\u201c Als er die Nachrichten von den Toten auf dem Meer geh\u00f6rt habe, sei in ihm der Wunsch entstanden, nach Lampedusa zu kommen, so der Papst. Er wolle ein Zeichen setzen aber auch die Gewissen aufr\u00fctteln.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u201cWo ist dein Bruder?\u201c, die Stimme des vergossenen Blutes schreit auf zu mir, sagt Gott. Das ist keine Frage, die sich an andere stellt, das ist eine Frage, die an mich gerichtet ist, an dich, an jeden von uns. Diese unsere Br\u00fcder und Schwestern wollten aus schwierigen Situationen heraus und ein wenig Ruhe und Frieden finden; sie haben einen besseren Ort f\u00fcr sich und ihre Familien gesucht, aber sie haben den Tod gefunden. Und wie h\u00e4ufig finden sie kein Verst\u00e4ndnis, keine Aufnahme, keine Solidarit\u00e4t! Und auch ihre Stimmen steigen zu Gott auf!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Zuerst wollte Papst Franziskus aber den Bewohnern der Inseln vor Italien auch ein Wort echter Dankbarkeit und der Ermutigung aussprechen. Er nannte die Vereine, die Freiwillige und die Sicherheitskr\u00e4fte, die den Menschen auf ihrer Suche nach einer besseren Welt beist\u00fcnden.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd nochmals zu euch, liebe Einwohner von Lampedusa, danke f\u00fcr die Solidarit\u00e4t! Ich habe vor Kurzem einen dieser Br\u00fcder geh\u00f6rt. Bevor sie hierher kamen, waren sie in den H\u00e4nden von Schleppern, jene die die Armut anderer ausn\u00fctzen; es sind Personen, die die Armut anderer zu ihren Gunsten ausn\u00fctzen. Wie stark hatten sie gelitten! Einige von ihnen hatten es nicht geschafft, hierher zu kommen!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber dann ging die Predigt in eine Mahnung \u00fcber, die Verantwortung f\u00fcr so viele Tote w\u00fcrde verschleiert, niemand bekenne sich dazu, wir alle \u2013 die reichen Staaten und Menschen \u2013 seien zu sehr auf den Schutz des Wohles bedacht, so der Papst.<br \/>\n\u201eWo ist das Blut des Bruders, das bis zu mir schreit?\u201c Heute f\u00fchlt sich auf der Welt keiner verantwortlich daf\u00fcr; wir haben den Sinn f\u00fcr die geschwisterliche Verantwortung verloren; wir sind in das heuchlerische Verhalten des Priesters und Altardieners verfallen, von denen Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter spricht: Wir sehen den halbtoten Bruder am Stra\u00dfenrand und denken vielleicht \u201eder Arme!\u201c, und gehen weiter unseres Weges, weil es nicht unsere Aufgabe ist; und wir glauben, dass alles in Ordnung sei. Wir f\u00fchlen uns zufrieden, als ob alles in Ordnung sei!<br \/>\nDie Kultur des Wohlergehens, die uns an uns selber denken l\u00e4sst, macht uns unsensibel f\u00fcr die Schreie der anderen, sie l\u00e4sst uns in Seifenblasen leben die zwar sch\u00f6n sind, aber nichtig, die eine Illusion des Unbedeutenden sind, des Provisorischen, die zur Gleichg\u00fcltigkeit dem N\u00e4chsten gegen\u00fcber f\u00fchrt und dar\u00fcber hinaus zur einer weltweiten Gleichg\u00fcltigkeit! Von dieser globalisierten Welt sind wir in die globalisierte Gleichg\u00fcltigkeit gefallen! Wir haben uns an das Leiden des N\u00e4chsten gew\u00f6hnt, es geht uns nichts an, es interessiert uns nicht, es ist nicht unsere Angelegenheit!\u201c<br \/>\nDer Papst blieb aber nicht bei seiner Mahnung; anschlie\u00dfend an das Werfen des Trauerkranzes ins Meer brachte er noch eine weitere Dimension ins Bewusstsein, die \u00fcber die beiden Fragen Gottes an Adam und an Kain hinaus geht.<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte, dass eine dritte Frage gestellt wird: \u201eWer hat \u00fcber das alles und \u00fcber Dinge wie diese geweint?\u201c, \u00fcber den Tod von unseren Br\u00fcdern und Schwestern? Wer hat \u00fcber die Menschen geweint, die in den Booten waren? \u00dcber die jungen M\u00fctter, die ihre Kinder trugen? \u00dcber die M\u00e4nner, die etwas zum Unterhalt ihrer Familien suchten? Wir leben in einer Gesellschaft, die die Erfahrung des Weinens vergessen hat, des \u201eMit-Leidens\u201c: Die Globalisierung der Gleichg\u00fcltigkeit hat uns die F\u00e4higkeit zum Weinen genommen!\u201c<br \/>\nMahnung und Trauer, das solle uns Menschen ver\u00e4ndern. Die Mahnungen gingen an die Verantwortlichen und an die, die ihre Verantwortung nicht sehen wollen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eHerr, in diesem Gottesdienst, der ein Bu\u00dfgottesdienst ist, bitten wir um Verzeihung f\u00fcr die Gleichg\u00fcltigkeit so vielen Br\u00fcdern und Schwestern gegen\u00fcber, wir bitten um Verzeihung f\u00fcr die, die es sich bequem gemacht haben, die sich im eigenen Wohl eingeschlossen haben und das Herz bet\u00e4ubt haben, wir bitten dich um Verzeihung f\u00fcr diejenigen, die mit ihren Entscheidungen auf h\u00f6chster Ebene Situationen wie dieses Drama hier geschaffen haben. Herr, verzeihe uns! Herr, auch heute noch h\u00f6ren wir deine Frage: \u201eAdam, wo bist du?\u201c, \u201eWo ist dein Bruder?\u201c Amen.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (M3): Papst Franziskus trauert und mahnt in Lampedusa wegen der globalisierten Gleichg\u00fcltigkeit<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-2928-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-08-Papst-Franziskus-trauert-und-mahnt-in-Lampedusa-wegen-der-globalisierten-Gleichgueltigkeit.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-08-Papst-Franziskus-trauert-und-mahnt-in-Lampedusa-wegen-der-globalisierten-Gleichgueltigkeit.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-08-Papst-Franziskus-trauert-und-mahnt-in-Lampedusa-wegen-der-globalisierten-Gleichgueltigkeit.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext: <a title=\"P. Bernd Hagenkord, Radio Vatikan, Artikel 708599\" href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2013\/07\/08\/trauer_und_mahnung_auf_lampedusa:_\u201esie_suchten_ein_besseres_leben_und\/ted-708599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">P. Bernd Hagenkord, Radio Vatikan, Artikel 708599<\/a><\/li>\n<li>Volltext: <a title=\"Papstpredigt auf Lampedusa: \u201eWo ist dein Bruder?\u201c, Artikel 708497\" href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2013\/07\/08\/papstpredigt_auf_lampedusa:_\u201ewo_ist_dein_bruder\u201c\/ted-708497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Papstpredigt auf Lampedusa: \u201eWo ist dein Bruder?\u201c, Artikel 708497<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Franziskus trauert in Lampedusa wegen der globalisierten Gleichg\u00fcltigkeit Die S\u00fcndengeschichte der Menschheit von Adam und Kain angefangen zieht sich bis heute, die anklagende Frage \u201eWo ist dein Bruder?\u201c Gottes an Kain ist angesichts des Leidens der Fl\u00fcchtlinge auch an uns gestellt. Dieser Gedanke zog sich durch die Predigt Papst Franziskus\u2019 am Montag, 8. 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