{"id":2918,"date":"2013-07-07T18:56:24","date_gmt":"2013-07-07T17:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=2918"},"modified":"2021-10-18T16:47:54","modified_gmt":"2021-10-18T14:47:54","slug":"die-freude-des-trostes-das-kreuz-und-das-gebet-sind-drei-bezugspunkte-einer-christlichen-sendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=2918","title":{"rendered":"Die Freude des Trostes, das Kreuz und das Gebet sind drei Bezugspunkte einer christlichen Sendung"},"content":{"rendered":"<h1>Papstpredigt\u00a0in der hl. Messe mit Seminaristen und Ordensleuten im Petersdom<\/h1>\n<p>Der Dienst katholischer Priester und Ordensleute darf nach den Worten von Papst Franziskus niemals zur Routine werden. Die Kirche sei nicht Eigentum der Menschen, sondern sie geh\u00f6re Gott, zitierte Franziskus seinen Vorg\u00e4nger Benedikt XVI. bei der hl. Messe mit rund 6.000 Seminaristen, Novizinnen und Novizen am Sonntag im Petersdom. Pater Max Cappabianca von Radio Vatikan dokumentiert hier die Predigt, die Papst Franziskus am Sonntag, 7. Juli im Petersdom gehalten hat, aus Anlass der hl. Eucharistie zum Abschluss eines viert\u00e4gigen Treffens von 6.000 Seminaristen, Novizinnen und Novizen aus mehr als 60 L\u00e4ndern in Rom zum \u201eJahres des Glaubens\u201c. Liebe Br\u00fcder und Schwestern, schon gestern hatte ich die Freude, euch zu begegnen, und heute ist unser Fest noch gr\u00f6\u00dfer, denn wir treffen uns am Tag des Herrn zur Eucharistiefeier wieder. Ihr seid Seminaristen, Novizen und Novizinnen, junge Menschen auf dem Berufungsweg aus allen Teilen der Erde: <!--more-->Ihr steht f\u00fcr die Jugend der Kirche! Wenn die Kirche die Braut Christi ist, dann stellt ihr in gewissem Sinn die Phase der Verlobung dar, den Fr\u00fchling der Berufung, die Zeit der Entdeckung, der \u00dcberpr\u00fcfung, der Formung. Und es ist eine sehr sch\u00f6ne Zeit, in der die Fundamente f\u00fcr die Zukunft gelegt werden. Danke, dass ihr gekommen seid!\u00a0Heute spricht uns das Wort Gottes von der Sendung. Woher kommt die Sendung? Die Antwort ist einfach: Sie geht aus einer Berufung hervor, aus dem Ruf des Herrn, und wen er ruft, den ruft er, um ihn auszusenden. Wie muss aber der Stil des Gesendeten sein? Welche sind die Bezugspunkte der christlichen Sendung? Die Lesungen, die wir geh\u00f6rt haben, stellen uns drei davon vor: die Freude des Trostes, das Kreuz und das Gebet.<\/p>\n<h2>1. Das erste Element: die Freude des Trostes.<\/h2>\n<p>Der Prophet Jesaja wendet sich an ein Volk, das die dunkle Zeit des Exils durchgemacht und eine sehr harte Pr\u00fcfung durchlitten hat. Jetzt aber ist f\u00fcr Jerusalem die Zeit des Trostes gekommen; Traurigkeit und Angst m\u00fcssen der Freude weichen: \u201eFreut euch \u2026 jubelt \u2026 seid fr\u00f6hlich\u201c, sagt der Prophet (<a title=\"Jesaja 66,10\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Jesaja66.10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jesaja 66,10<\/a>). Es ist eine gro\u00dfe Einladung zur Freude. Warum? Was ist der Grund? Der Herr wird \u00fcber die Heilige Stadt und ihre Bewohner einen \u201eStrom\u201c des Trostes ausgie\u00dfen, einen Strom des Trostes, so voller Trost, ein Strom m\u00fctterlich-z\u00e4rtlicher Liebe: \u201eIhre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln.\u201c Wie wenn eine Mutter ihr Kind auf den Scho\u00df nimmt und streichelt, so wird es der Herr an uns tun und so tut er es. Das ist der Strom der Z\u00e4rtlichkeit, der so viel Trost schenkt. \u201eWie eine Mutter ihren Sohn tr\u00f6stet, so tr\u00f6ste ich euch\u201c (<a title=\"Jesaja 66,12-13\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Jesaja66.12-13\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jesaja 66,12-13<\/a>). Jeder Christ und vor allem wir sind gerufen, diese Botschaft der Hoffnung zu bringen, die Unbeschwertheit und Freude schenkt: den Trost Gottes, seine z\u00e4rtliche Liebe zu allen. Diese Botschaft aber k\u00f6nnen wir vermitteln, wenn zuerst wir selbst die Erfahrung machen, von ihm getr\u00f6stet, von ihm geliebt zu sein. Das ist wichtig, damit unsere Sendung fruchtbar ist: den Trost Gottes sp\u00fcren und weitergeben! Ich habe manchmal Ordensleute vorgefunden, die Angst hatten vor der Tr\u00f6stung Gottes, und diese armen Menschen qu\u00e4len sich, weil sie Angst haben vor seiner Z\u00e4rtlichkeit. Habt doch keine Angst! Habt keine Angst, denn der Herr ist der Herr des Trostes, der Herr der Z\u00e4rtlichkeit. Der Herr ist Vater und Er sagt, dass er mit uns wie eine Mutter mit ihrem Kind umgehen wird, mit seiner Z\u00e4rtlichkeit! Habt keine Angst vor dem Trost des Herrn! Die Aufforderung Jesajas \u201eTr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk\u201c (<a title=\"Jesaja 40,1\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Jesaja40.1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jesaja 40,1<\/a>) muss in unserem Herzen widerhallen und zur Sendung werden. Den Herrn finden, der uns tr\u00f6stet und das Volk Gottes zu tr\u00f6sten. Das ist unsere Sendung. Gewiss brauchen die Menschen heute Worte, vor allem aber brauchen sie unser Zeugnis der Barmherzigkeit, der z\u00e4rtlichen Liebe des Herrn, die das Herz erw\u00e4rmt, Hoffnung weckt und zum Guten hinzieht. Die Freude, den Trost Gottes zu bringen!<\/p>\n<h2>2. Der zweite Bezugspunkt der Sendung ist das Kreuz Christi.<\/h2>\n<p>Der heilige Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: \u201eIch aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, r\u00fchmen\u201c (<a title=\"Galater 6,14\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Galater6.14\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Galater 6,14<\/a>). Er spricht von \u201eZeichen Jesu\u201c, das hei\u00dft von den Wundmalen des gekreuzigten Jesus als Kennzeichen, als Unterscheidungsmerkmal f\u00fcr sein Leben als Apostel des Evangeliums. In seinem Dienst hat Paulus Leiden, Schwachheit und Niederlage erfahren, aber auch Freude und Trost. Das ist das Pascha-Mysterium Jesu: Geheimnis des Todes und der Auferstehung. Und gerade dadurch, dass er den Tod Jesu in sich Gestalt annehmen lie\u00df, konnte der heilige Paulus an Jesu Auferstehung, an seinem Sieg teilhaben. In der Stunde des Dunkels und der Pr\u00fcfung ist das erste Aufleuchten des Lichtes und des Heiles schon da und bereits am Werk. Das Pascha-Mysterium ist das lebendige Herz der Sendung der Kirche! Und wenn wir in diesem Mysterium bleiben, sind wir sowohl vor einer weltlichen, triumphalistischen Sicht der Sendung, als auch vor der Entmutigung gesch\u00fctzt, die angesichts der Pr\u00fcfungen und der Misserfolge aufkommen kann. Die pastorale Fruchtbarkeit, die Fruchtbarkeit der Verk\u00fcndigung des Evangeliums h\u00e4ngt weder vom Erfolg noch vom Misserfolg nach den Kriterien menschlichen Ermessens ab, sondern von einer inneren Ausrichtung nach der Logik des Kreuzes Jesu, welche die Logik des Aus-sich-Herausgehens und des Sich-Schenkens ist, die Logik der Liebe. Das Kreuz ist es \u2013 immer das Kreuz mit Christus \u2013, das die Fruchtbarkeit unserer Sendung garantiert. Und aus dem Kreuz, dem h\u00f6chsten Akt der Barmherzigkeit und Liebe, geht man als \u201eneue Sch\u00f6pfung\u201c hervor (<a title=\"Galater 6,15\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Galater6.15\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Galater 6,15<\/a>).<\/p>\n<h2>3. Schlie\u00dflich das dritte Element: das Gebet.<\/h2>\n<p>Im Evangelium haben wir geh\u00f6rt: \u201eBittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter f\u00fcr seine Ernte auszusenden\u201c (Lk 10,2). Die Arbeiter f\u00fcr die Ernte werden nicht durch Werbekampagnen oder durch Aufrufe zum Dienst und zur Gro\u00dfherzigkeit ausgew\u00e4hlt, sondern sie sind von Gott \u201eerw\u00e4hlt\u201c und \u201egesendet\u201c. Er w\u00e4hlt aus, er sendet, er sendet, er schenkt die Sendung. Darum ist das Gebet wichtig. Wie Benedikt XVI. uns wiederholt gesagt hat, geh\u00f6rt die Kirche nicht uns, sondern Gott; und wie oft denken wir Ordensleute, dass sie uns geh\u00f6rt! Sie geh\u00f6rt nicht uns, sondern Gott! Das zu bebauende Feld ist sein. So ist die Sendung vor allem Gnade. Die Sendung ist Gnade. Und wenn der Apostel Frucht des Gebets ist, wird er im Gebet das Licht und die Kraft f\u00fcr sein Handeln finden. Unsere Sendung ist n\u00e4mlich unfruchtbar, ja sie erlischt im selben Moment, in dem die Verbindung zur Quelle, zum Herrn unterbrochen wird.<\/p>\n<h2>Die Evangelisierung wird kniend getan!<\/h2>\n<p>Liebe Seminaristen, liebe Novizinnen und liebe Novizen, liebe junge Freunde auf dem Berufungsweg. Einer von euch sagte mir vor ein paar Tagen, \u201edie Evangelisierung wird kniend getan\u201c. H\u00f6rt gut zu: \u201edie Evangelisierung wird kniend getan!\u201c Ohne die st\u00e4ndige Beziehung zu Gott wird die Sendung zum Gesch\u00e4ft. Was hast Du f\u00fcr einen Beruf? Schneider, K\u00f6chin, Priester? Du arbeitest als Priester, als Schwester\u2026? Nein! <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Das ist kein Beruf, es ist etwas anders.<\/strong><\/span> Die Gefahr des Aktivismus, des zu gro\u00dfen Vertrauens auf die Strukturen, lauert uns immer auf. Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir, dass er sich am Vorabend jeder wichtigen Entscheidung oder jedes wichtigen Geschehens in intensivem, langem Gebet sammelte. Pflegen wir die kontemplative Dimension, auch im Strudel der eiligsten und dringendsten Verpflichtungen. Und je mehr die Sendung euch ruft, bis an die existentiellen Grenzen zu gehen, umso mehr sei euer Herz mit dem Herzen Christi vereint, das voll Barmherzigkeit und Liebe ist. Hier liegt das Geheimnis der Fruchtbarkeit eines J\u00fcngers des Herrn!<br \/>\nJesus sendet die Seinen ohne \u201eGeldbeutel, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe\u201c aus (vgl. <a title=\"Lukas 10,4\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Lukas10.4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lukas 10,4<\/a>). Die Verbreitung des Evangeliums ist weder durch die Anzahl der Menschen, noch durch das Ansehen der Institution, noch durch die Menge der verf\u00fcgbaren Mittel gew\u00e4hrleistet. Das ist es, worauf es ankommt: von der Liebe Christi durchdrungen zu sein, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen und sein Leben in den Baum des Lebens, das Kreuz des Herrn, einzupfropfen.<br \/>\nLiebe junge Freunde, mit gro\u00dfer Zuversicht vertraue ich euch der F\u00fcrsprache Marias an. Sie ist die Mutter, die uns hilft, die endg\u00fcltigen Entscheidungen in Freiheit und ohne Furcht zu treffen. M\u00f6ge sie euch helfen, die Freude des Trostes Gottes zu bezeugen, ohne Angst vor der Freude zu haben. Sie helfe euch, euch nach der Logik der Liebe des Kreuzes auszurichten und in eine immer tiefere Einheit mit dem Herrn im Gebet hineinzuwachsen. So wird euer Leben reich und fruchtbar sein!<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3): Papstpredigt in hl. Messe mit Seminaristen und Ordensleuten im Petersdom<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-2918-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-07-Papstpredigt-in-hl.-Messe-mit-Seminaristen-und-Ordensleuten-im-Petersdom.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-07-Papstpredigt-in-hl.-Messe-mit-Seminaristen-und-Ordensleuten-im-Petersdom.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2013-07-07-Papstpredigt-in-hl.-Messe-mit-Seminaristen-und-Ordensleuten-im-Petersdom.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext: <a title=\"P. Max Cappabianca, Radio Vatikan, Artikel 708308\" href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2013\/07\/07\/papstmesse:_wenn_unsere_sendung_zum_gesch\u00e4ft_verkommt\/ted-708308\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">P. Max Cappabianca, Radio Vatikan, Artikel\u00a0708308<\/a><\/li>\n<li>Volltext der Originalpredigt: <a title=\"Papst Franziskus, Radio Vatikan, Artikel 708323\" href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2013\/07\/07\/papstpredigt_vom_7._juli_2013_messe_mit_seminaristen_und_ordensleuten_\/ted-708323\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Papst Franziskus, Radio Vatikan, Artikel\u00a0708323<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papstpredigt\u00a0in der hl. Messe mit Seminaristen und Ordensleuten im Petersdom Der Dienst katholischer Priester und Ordensleute darf nach den Worten von Papst Franziskus niemals zur Routine werden. Die Kirche sei nicht Eigentum der Menschen, sondern sie geh\u00f6re Gott, zitierte Franziskus seinen Vorg\u00e4nger Benedikt XVI. bei der hl. 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