{"id":2078,"date":"2013-03-29T20:53:51","date_gmt":"2013-03-29T19:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=2078"},"modified":"2021-06-18T16:16:51","modified_gmt":"2021-06-18T14:16:51","slug":"in-christus-der-stirbt-und-wieder-aufersteht-hat-die-welt-ihr-letztes-ziel-erreicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=2078","title":{"rendered":"In Christus, der stirbt und wieder aufersteht, hat die Welt ihr letztes, die Menschheit ihr h\u00f6chstes Ziel erreicht"},"content":{"rendered":"<h1>Karfreitagsliturgie mit Predigt von P. Cantalamessa im Petersdom<\/h1>\n<p>Wir dokumentieren Die folgende Predigt wurde von Radio Vatikan dokumentiert. Sie wurde vom <a title=\"P\u00e4pstlichen Hausprediger, Pater Raniero Cantalamessa OFMCap\" href=\"http:\/\/www.cantalamessa.org\/?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">P\u00e4pstlichen Hausprediger, Pater Raniero Cantalamessa OFMCap<\/a>, bei der Feier der Passion mit Papst Franziskus am Karfreitag, 29. M\u00e4rz\u00a0im Petersdom gehalten, die er mit folgendem Zitat aus dem R\u00f6merbrief begann:\u00a0\u201eAlle haben ges\u00fcndigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erl\u00f6sung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, S\u00fchne zu leisten mit seinem Blut, S\u00fchne, wirksam durch Glauben [\u2026], um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt\u201c (<a title=\"R\u00f6mer 3, 23-26\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/R\u00f6mer3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">R\u00f6mer 3, 23-26<\/a>).\u00a0Wir haben den Gipfel und den entscheidenden Moment dieses Jahres des Glaubens erreicht. Hier erkennt man den Glauben, der rettet; den Glauben, \u201eder die Welt besiegt\u201c (vgl. <a title=\"1 Johannes 5,5\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/1.Johannes5.5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">1 Johannes 5,5<\/a>)!\u00a0Der Glaube ist eine Aneignung, durch die wir die von Christus erwirkte Erl\u00f6sung zu unserer machen, uns in den Mantel seiner Gerechtigkeit kleiden. <!--more-->Auf der einen Seite die Hand, die Gott uns reicht, um dem Menschen seine Gnade zuteilwerden zu lassen; auf der anderen Seite die Hand des Menschen, der sich mittels des Glaubens ausstreckt, um dieses Angebot Gottes zu ergreifen. Der \u201eneue und ewige Bund\u201c wird von einem H\u00e4ndedruck zwischen Gott und den Menschen besiegelt.<br \/>\nAn diesem Tag haben wir die M\u00f6glichkeit, den wichtigsten Entschluss unseres Lebens zu treffen, die Wahl, die uns die Pforten der Ewigkeit erschlie\u00dft: Den Entschluss, zu glauben! Zu glauben, dass Christus \u201eWegen unserer Verfehlungen hingegeben\u201c und \u201ewegen unserer Gerechtmachung auferweckt\u201c wurde (vgl. <a title=\"R\u00f6mer 4,25\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/R\u00f6mer4.25\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">R\u00f6mer 4,25<\/a>). In einer Osterpredigt des 4. Jahrhunderts gebrauchte ein Bischof Worte, die au\u00dferordentlich modern und, man k\u00f6nnte sagen, existenziell klingen: \u201eF\u00fcr jeden Menschen beginnt das Leben ab dem Augenblick, wenn Christus f\u00fcr ihn geopfert wird. Aber das Opfer Christi gilt f\u00fcr ihn ab dem Moment, wenn er die Gnade erkennt und sich des Lebens bewusst wird, das ihm durch jenes Opfer beschert wird\u201c (Osterpredigt des Jahres 387: SCh 36, S. 59 ff.).<br \/>\nWelch au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00dfe Sache! Dieser Karfreitag, den wir im Jahr des Glaubens und mit dem neuen Nachfolger Petri feiern, kann, wenn wir es wollen, zum Anfang eines neuen Lebens werden. Der Bischof Hilarius von Poitiers, der erst im Erwachsenenalter zum Christentum konvertierte, schrieb \u00fcber sein fr\u00fcheres Leben: \u201e<strong>Bevor ich dich kennenlernte, existierte ich nicht<\/strong>\u201c.\u00a0Was von uns verlangt wird, ist nur, dass wir uns auf die Seite der Wahrheit stellen und eingestehen, dass wir gerechtfertigt werden m\u00fcssen, und nicht versuchen, uns selbst zu rechtfertigen. Der Z\u00f6llner, der zum Tempel hinaufging und das kurze Gebet sprach: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig\u201c, ging \u201eals Gerechter\u201c nach Hause zur\u00fcck, sagt Jesus (vgl. <a title=\"Lukas 18,9-14\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Lukas18.9-14\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lukas 18,9-14<\/a>). \u201eAls Gerechter\u201c bedeutet, dass ihm vergeben wurde, dass er ein neuer Mensch geworden war, und ich glaube, er ging mit fr\u00f6hlichem Herzen nach Hause. Was hatte er so au\u00dferordentlich Gro\u00dfes getan? Nichts, er hatte sich lediglich vor Gott auf die Seite der Wahrheit gestellt, und mehr braucht Gott nicht, um handeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWie ein Bergsteiger, der gerade eine schwierige Passage hinter sich gebracht hat, kurz inneh\u00e4lt, um sich zu erholen und das neue Panorama zu genie\u00dfen, dass sich vor ihm auftut, so schreibt Paulus zu Beginn des 5. Kapitels des R\u00f6merbriefs, nachdem er den schwierigen Begriff der Gerechtmachung durch den Glauben erl\u00e4utert hat: \u201eGerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und r\u00fchmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Mehr noch, wir r\u00fchmen uns ebenso unserer Bedr\u00e4ngnis; denn wir wissen: Bedr\u00e4ngnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung Hoffnung. Die Hoffnung aber l\u00e4sst nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist\u201c (<a title=\"R\u00f6mer 5,1-5\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/R\u00f6mer5.1-5\">R\u00f6mer 5,1-5<\/a>).<br \/>\nHeute werden von Satelliten aus Infrarotfotos von gro\u00dfen Fl\u00e4chen der Erde und sogar des ganzen Planeten durchgef\u00fchrt. Wie anders wirkt das Panorama von dort oben und im Licht dieser Strahlen, welch ein Unterschied zu dem, was wir vom Boden aus und mit nat\u00fcrlicher Beleuchtung wahrnehmen! Ich erinnere mich an eines der ersten Satellitenbilder, die der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wurden; es zeigte die Sinaihalbinsel. Ganz anders waren die Farben, viel deutlicher die Berge und T\u00e4ler. Es ist ein Gleichnis. Auch das menschliche Leben erscheint im Schein des infraroten Lichts des Glaubens und von der H\u00f6he des Kalvarienbergs aus betrachtet anders als das, was man \u201emit dem blo\u00dfen Auge\u201c sieht.<br \/>\n\u201eEin und dasselbe Geschick\u201c, sagt der Weise des Alten Testaments, \u201etrifft den Gesetzestreuen und den Gesetzesbrecher\u2026 Noch etwas habe ich beobachtet unter der Sonne: An der St\u00e4tte, wo man Urteil spricht, geschieht Unrecht; an der St\u00e4tte, wo man gerechtes Urteil sprechen sollte, geschieht Unrecht\u201c (<a title=\"Kohelet 3,16\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Prediger3.16\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kohelet 3,16<\/a>; <a title=\"Kohelet 9,2\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Prediger9.2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kohelet 9,2<\/a>).<br \/>\nTats\u00e4chlich hat man zu allen Zeiten das Unrecht siegen und die Unschuldigen gedem\u00fctigt gesehen. Nur damit man nicht glaube, dass es auf der Welt etwas Sicheres und Unab\u00e4nderliches gebe, schreibt Bossuet, geschieht manchmal auch das Gegenteil, und man sieht einen Unschuldigen auf dem Thron und das Unrecht seiner gerechten Strafe zugef\u00fchrt. Doch welchen Schluss zieht der Kohelet aus alledem? \u201eDa dachte ich mir: Gott ist es, der den Unschuldigen wie den Schuldigen verurteilt\u201c (<a title=\"Kohelet 3,17\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Prediger3.17\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kohelet 3,17<\/a>). Damit hat er den Gesichtspunkt gefunden, der der Seele ihren Frieden zur\u00fcckgibt. Was Kohelet im Unterschied zu uns nicht wissen konnte ist, dass dieses Urteil bereits gef\u00e4llt ist: \u201eJetzt\u201c, sagt Jesus, als seine Passion n\u00e4her r\u00fcckt, \u201ewird Gericht gehalten \u00fcber diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich \u00fcber die Erde erh\u00f6ht bin, werde alle zu mir ziehen\u201c (<a title=\"Johannes 12, 31-32\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes12.31-32\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johannes 12, 31-32<\/a>).<br \/>\n<strong>In Christus, der stirbt und wieder aufersteht, hat die Welt ihr letztes Ziel erreicht.<\/strong> Der Fortschritt der Technik galoppiert heute mit atemberaubender Geschwindigkeit, und die Menschheit sieht sich neuen und vor kurzem noch unvorstellbaren Zukunftsszenarien gegen\u00fcber, die den Errungenschaften der Wissenschaft zu verdanken sind. Und dennoch kann man sagen, dass das Ende der Zeit bereits eingetreten ist, denn in Christus, der zur Rechten des Vaters aufgefahren ist, hat die Menschheit ihr h\u00f6chstes Ziel erreicht. Der neue Himmel und die neue Erde haben bereits begonnen. Trotz aller Ungerechtigkeit, Armut und Gewalt dieser Welt, hat in ihm die endg\u00fcltige Weltordnung bereits Fu\u00df gefasst. <strong>Was unsere Augen sehen k\u00f6nnten, uns dazu verleiten, das Gegenteil zu glauben, aber in Wirklichkeit sind der Tod und das B\u00f6se schon f\u00fcr immer besiegt.<\/strong> Ihre Quellen sind versiegt; Jesus ist der Herr der Welt. Das B\u00f6se ist an der Wurzel besiegt worden durch die Erl\u00f6sung, die er gewirkt hat. Die neue Welt hat schon begonnen.<br \/>\nVor allem eines sieht ganz anders aus, wenn man es mit den Augen des Glaubens betrachtet: der Tod! Christus ist in den Tod eingedrungen wie in ein finsteres Gef\u00e4ngnis, aber er ist auf der anderen Seite wieder hinausgekommen. Er ist nicht dorthin zur\u00fcckgekehrt, wo er vorher war, wie etwa Lazarus, der zum Leben zur\u00fcckkehrte, um dann erneut zu sterben. Er hat eine neue T\u00fcr zum Leben ge\u00f6ffnet; eine T\u00fcr, die niemand jemals wieder schlie\u00dfen kann, und durch die wir alle ihm folgen k\u00f6nnen. Der Tod ist keine Wand mehr, an der alle menschlichen Hoffnungen zerschellen; er ist zur Br\u00fccke geworden, die uns mit der Ewigkeit verbindet. Eine \u201eSeufzerbr\u00fccke\u201c vielleicht, denn niemand stirbt gerne; aber er ist und bleibt eine Br\u00fccke, kein Abgrund mehr, der alles verschlingt. \u201eStark wie der Tod ist die Liebe\u201c, hei\u00dft es im Hohelied (<a title=\"Hoheslied 8,6\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Hoheslied8.6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hoheslied 8,6<\/a>). In Christus ist sie sogar noch st\u00e4rker als der Tod gewesen!<br \/>\nIn seiner \u201eKirchengeschichte des englischen Volkes\u201c erz\u00e4hlt Beda Venerabilis, wie der christliche Glaube den Norden Englands erreichte. Als die r\u00f6mischen Missionare nach Northumberland kamen, berief der lokale K\u00f6nig einen Rat all seiner W\u00fcrdentr\u00e4ger ein, um festzulegen, ob man ihnen gestatten sollte, die neue Botschaft zu verbreiten. Einige der Anwesenden waren daf\u00fcr, andere dagegen. Es war Winter und drau\u00dfen tobte ein Schneesturm, der Saal jedoch war warm und gut beleuchtet. Pl\u00f6tzlich kam durch ein Loch in der Wand ein Vogel herein, flatterte \u00e4ngstlich durch den Saal und verschwand wieder durch ein anderes Loch an der gegen\u00fcberliegenden Wand. Da stand einer der Anwesenden auf und sagte zum K\u00f6nig: \u201eMajest\u00e4t, unser Leben in dieser Welt gleicht diesem Vogel. Wir kommen irgendwoher, genie\u00dfen f\u00fcr kurze Zeit die Licht und die W\u00e4rme der Welt, und verschwinden dann wieder in der Finsternis, ohne zu wissen, wohin wir gehen. Wenn diese M\u00e4nner in der Lage sind, uns etwas \u00fcber das Geheimnis unseres Lebens zu sagen, m\u00fcssen wir sie anh\u00f6ren\u201c. Der christliche Glaube k\u00f6nnte in unseren Kontinent und in unsere s\u00e4kularisierte Welt aus demselben Grund zur\u00fcckkehren, der seinen ersten Erfolg ausmachte: Weil er der einzige ist, der eine sichere Antwort auf die gro\u00dfen Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Todes geben kann.<br \/>\nDas Kreuz trennt die Gl\u00e4ubigen von den Ungl\u00e4ubigen, denn f\u00fcr die einen ist es \u00c4rgernis und Torheit, f\u00fcr die anderen Kraft Gottes und Weisheit Gottes (vgl. <a title=\"1 Korinther 1, 23-24\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/1.Korinther1.23-24\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">1 Korinther 1, 23-24<\/a>); in einem tieferen Sinn jedoch vereint es alle Menschen, Gl\u00e4ubige wie Ungl\u00e4ubige. \u201eJesus musste f\u00fcr das Volk sterben [\u2026], aber er sollte nicht nur f\u00fcr das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln\u201c (vgl. <a title=\"Johannes 11,51\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes11.51\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johannes 11,51<\/a> ff.). Der neue Himmel und die neue Erde sind f\u00fcr alle, denn Christus ist f\u00fcr alle gestorben.<br \/>\nDie Aufgabe, die f\u00fcr uns daraus folgt, ist es, zu evangelisieren: \u201eDie Liebe Christi dr\u00e4ngt uns, da wir erkannt haben: Einer ist f\u00fcr alle gestorben\u201c (<a title=\"2 Korinther 5,14\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/2.Korinther5.14\">2 Korinther 5,14<\/a>). Sie dr\u00e4ngt uns dazu, seine frohe Botschaft zu verk\u00fcnden! Wir wollen der Welt verk\u00fcnden: \u201e<strong>Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr f\u00fcr die, welche in Christus Jesus sind, denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der S\u00fcnde und des Todes<\/strong>\u201c (<a title=\"R\u00f6mer 8,1-2\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/R\u00f6mer8.1-2\">R\u00f6mer 8,1-2<\/a>).<br \/>\nEs gibt eine Erz\u00e4hlung von Franz Kafka, die einer starken religi\u00f6sen Parabel gleichkommt und fast prophetisch klingt, wenn man sie am Karfreitag h\u00f6rt. Diese Erz\u00e4hlung hei\u00dft: \u201eEine kaiserliche Botschaft\u201c. Sie berichtet von einem Kaiser, der vom Sterbebett aus eine Botschaft an einen seiner Untertanen schicken l\u00e4sst. Diese Botschaft ist so wichtig, dass der Kaiser sie sich vom Boten wiederholen l\u00e4sst, um sicher zu sein, dass er sie auch richtig wiedergeben wird. Dann verabschiedet er den Boten, der sich auf den Weg macht. Aber lasst uns den Fortgang der Erz\u00e4hlung vom Autor selbst h\u00f6ren, in jenem so traumhaften, fast albtraumhaften Ton, der f\u00fcr diesen Schriftsteller typisch ist: \u201eDer Bote hat sich gleich auf den Weg gemacht; ein kr\u00e4ftiger, ein unerm\u00fcdlicher Mann; einmal diesen, einmal den andern Arm vorstreckend schafft er sich Bahn durch die Menge; findet er Widerstand, zeigt er auf die Brust, wo das Zeichen der Sonne ist; er kommt auch leicht vorw\u00e4rts, wie kein anderer. Aber die Menge ist so gro\u00df; ihre Wohnst\u00e4tten nehmen kein Ende. \u00d6ffnete sich freies Feld, wie w\u00fcrde er fliegen und bald wohl h\u00f6rtest Du das herrliche Schlagen seiner F\u00e4uste an Deiner T\u00fcr. Aber statt dessen, wie nutzlos m\u00fcht er sich ab; immer noch zw\u00e4ngt er sich durch die Gem\u00e4cher des innersten Palastes; niemals wird er sie \u00fcberwinden; und gel\u00e4nge ihm dies, nichts w\u00e4re gewonnen; die Treppen hinab m\u00fcsste er sich k\u00e4mpfen; und gel\u00e4nge ihm dies, nichts w\u00e4re gewonnen; die H\u00f6fe w\u00e4ren zu durchmessen; und nach den H\u00f6fen der zweite umschlie\u00dfende Palast; und wieder Treppen und H\u00f6fe; und wieder ein Palast; und so weiter durch Jahrtausende; und st\u00fcrzte er endlich aus dem \u00e4u\u00dfersten Tor &#8211; aber niemals, niemals kann es geschehen &#8211; liegt erst die Residenzstadt vor ihm, die Mitte der Welt, hochgesch\u00fcttet voll ihres Bodensatzes. Niemand dringt hier durch und gar mit der Botschaft eines Toten. &#8211; Du aber sitzt an Deinem Fenster und ertr\u00e4umst sie Dir, wenn der Abend kommt\u201c.<br \/>\nVon seinem Sterbebett aus hat auch Christus seiner Kirche eine Botschaft anvertraut: \u201eGeht hinaus in die ganze Welt, und verk\u00fcndet das Evangelium allen Gesch\u00f6pfen!\u201c (<a title=\"Markus 16,15\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Markus16.15\">Markus 16,15<\/a>). Es gibt auch heute noch so viele Menschen, die am Fenster sitzen und, ohne es zu wissen, von dieser Botschaft tr\u00e4umen. Johannes sagt, wir haben es eben erst geh\u00f6rt, dass der Soldat, der mit der Lanze in die Seite Jesu stie\u00df, es tat, damit sich das Schriftwort erf\u00fclle: \u201eSie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben\u201c (vgl. <a title=\"Johannes 19,37\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes19.37\">Johannes 19,37<\/a>). In seiner Offenbarung f\u00fcgt Johannes noch hinzu: \u201eSiehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle V\u00f6lker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen\u201c (<a title=\"Offenbarung 1,7\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Offenbarung1.7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Offenbarung 1,7<\/a>).<br \/>\nDiese prophetische Aussage k\u00fcndet nicht das letzte Kommen Jesu an, wenn die Frist zur Bekehrung abgelaufen sein und die Zeit des Gerichts kommen wird. Sie beschreibt vielmehr die Evangelisierung der V\u00f6lker. In ihr verwirklicht sich ein geheimnisvolles, aber reales Kommen des Herrn, der die Rettung bringt. Das Jammern und Klagen der V\u00f6lker kommt nicht aus Verzweiflung, sondern aus Bu\u00dfe und Reue, denen der Trost folgt. Das ist der Sinn der prophetischen Schriftstelle, die Johannes mit der Durchbohrung der Seite Christi erf\u00fcllt sieht. Es handelt sich um <a title=\"Sacharja 12,10\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Sacharja12.10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sacharja 12,10<\/a>: \u201eDoch \u00fcber das Haus David und \u00fcber die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgie\u00dfen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.\u201c<br \/>\n<strong>Die Evangelisierung hat einen mystischen Ursprung; sie ist ein Geschenk, das vom Kreuz Christi kommt, von jener Seitenwunde, aus der Blut und Wasser flossen.<\/strong> Die Liebe Christi, genau wie die dreifaltige Liebe, deren geschichtliche Konkretisierung Christus ist, neigt dazu, sich auszubreiten und alle Gesch\u00f6pfe zu erreichen, ganz besonders die, die seiner Barmherzigkeit am meisten bed\u00fcrfen. <strong>Die christliche Evangelisierung ist keine Eroberung, keine Propaganda; sie ist das Geschenk Gottes an die Menschen in der Gestalt seines Sohnes Jesus Christus.<\/strong> Sie ist die Freude, die der Kopf empfindet, wenn er sp\u00fcrt, dass das Leben vom Herzen in alle Glieder flie\u00dft, bis auch die entferntesten Teile seines Leibes davon belebt werden.<br \/>\nWir m\u00fcssen unser M\u00f6glichstes tun, damit die Kirche niemals jenem komplizierten Palast \u00e4hnele, den Kafka beschreibt, und ihre Botschaft frei und freudig aus ihr hinaus kommen kann, genau wie in ihrer Fr\u00fchzeit. Wir kennen die Hindernisse, die den Boten aufhalten k\u00f6nnen: Die Trennw\u00e4nde, angefangen bei denen, die die verschiedenen christlichen Kirchen voneinander trennen; dann ein \u00dcberma\u00df an B\u00fcrokratie, die \u00dcberbleibsel der Rituale, Gesetze und Streitigkeiten der Vergangenheit, die heute \u00fcberholt sind.<br \/>\nIn der Offenbarung sagt Jesus, dass er vor der T\u00fcr steht und anklopft (<a title=\"Offenbarung 3,20\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Offenbarung3.20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Offenbarung 3,20<\/a>). Manchmal, wie unser Papst Franziskus bemerkt, klopft er nicht um hineinzutreten, sondern um rauszugehen, zu den \u201eexistenziellen Vororten der S\u00fcnde, des Leidens, der Ungerechtigkeit, der religi\u00f6sen Unwissenheit und Gleichg\u00fcltigkeit, und aller Formen des Elends.&#187; Es ist wie mit manchen historischen Geb\u00e4uden. Im Laufe der Jahrhunderte hat man sie den Bed\u00fcrfnissen des jeweiligen Augenblicks angepasst und mit Trennw\u00e4nden, Treppen, Zimmern und Zimmerchen angef\u00fcllt. Es kommt der Augenblick, da man merkt, dass all diese Anpassungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen, im Gegenteil sogar ein Hindernis darstellen, und dann muss man den Mut besitzen, sie alle abzurei\u00dfen und das Geb\u00e4ude wieder in den einfachen und klaren Zustand zur\u00fcckzuf\u00fchren, den es gleich nach seiner Erbauung besa\u00df. Das ist der Auftrag, den einst ein Mann erhielt, der vor dem Kreuz in San Damiano betete: \u201eFranziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her\u201c.<br \/>\n\u201eWer aber ist dazu f\u00e4hig?\u201c, fragte sich der Apostel angesichts der \u00fcbermenschlichen Aufgabe, der \u201eWohlgeruch Christi\u201c zu sein; und seine Antwort ist bis heute g\u00fcltig: \u201eWir sind dazu nicht von uns aus f\u00e4hig, als ob wir uns selbst etwas zuschreiben k\u00f6nnten; unsere Bef\u00e4higung stammt vielmehr von Gott. <strong>Er hat uns f\u00e4hig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe t\u00f6tet, der Geist aber macht lebendig<\/strong>\u201c (<a title=\"2 Korinther 2,16\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/2.Korinther2.16\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">2 Korinther 2,16<\/a>; <a title=\"2 Korinther 3,5-6\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/2.Korinther3.5-6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">2 Korinther 3,5-6<\/a>).<br \/>\nM\u00f6ge der <strong>Heilige Geist<\/strong> in diesem Augenblick, da f\u00fcr die Kirche eine neue Zeit anbricht, voller Hoffnungen und Versprechen, in den Menschen, die an ihren Fenstern sitzen, die Erwartung der Botschaft wieder wecken, und in den Botschaftern den Willen, sie ihnen selbst unter Lebensgefahr zu bringen.<br \/>\nQuelle: <a title=\"Radio Vatikan, Artikel 677895\" href=\"http:\/\/de.radiovaticana.va\/news\/2013\/03\/30\/predigt_am_karfreitag:_%E2%80%9Eder_h%C3%A4ndedruck_zwischen_gott_und_den_menschen\/ted-677895\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Radio Vatikan, Artikel 677895<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karfreitagsliturgie mit Predigt von P. Cantalamessa im Petersdom Wir dokumentieren Die folgende Predigt wurde von Radio Vatikan dokumentiert. Sie wurde vom P\u00e4pstlichen Hausprediger, Pater Raniero Cantalamessa OFMCap, bei der Feier der Passion mit Papst Franziskus am Karfreitag, 29. M\u00e4rz\u00a0im Petersdom gehalten, die er mit folgendem Zitat aus dem R\u00f6merbrief begann:\u00a0\u201eAlle haben ges\u00fcndigt und die Herrlichkeit &hellip; <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?p=2078\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">In Christus, der stirbt und wieder aufersteht, hat die Welt ihr letztes, die Menschheit ihr h\u00f6chstes Ziel erreicht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[450,451,452],"tags":[246,215,212,187,229,280,281,279,201,103,487,488,31,388,58,286,189,186],"class_list":["post-2078","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-katholische-kirche","category-liturgie","category-papst","tag-auferstehung-jesu","tag-friede","tag-gerechtigkeit-gottes","tag-glauben","tag-gnade","tag-gott-sohn-jesus-christus","tag-gott-vater","tag-gott-heiliger-geist","tag-hoffnung","tag-jahr-des-glaubens","tag-karfreitag","tag-karwoche","tag-liebe","tag-mut","tag-papst-franziskus","tag-predigt","tag-tod","tag-wahrheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2078","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2078"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37912,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2078\/revisions\/37912"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}