{"id":1523,"date":"2013-02-14T15:45:47","date_gmt":"2013-02-14T14:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1523"},"modified":"2023-02-19T16:08:44","modified_gmt":"2023-02-19T15:08:44","slug":"ich-werde-fur-die-welt-verborgen-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1523","title":{"rendered":"Ich werde immer bei euch sein, auch wenn ich im Gebet zur\u00fcckgezogen sein werde. Der Herr siegt!"},"content":{"rendered":"<h1>Papst Benedikt XVI. begegnet Priestern und Seminaristen des Bistums Rom<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 255px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"255\" height=\"396\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eHerr, erbarme dich\u201c: Mit der Allerheiligenlitanei auf dem Petersplatz bereiten sich die Priester und Seminaristen des Bistums Rom auf die Begegnung mit ihrem scheidenden Bischof vor. \u201eHerr, erbarme dich\u201c &#8211; man k\u00f6nnte es f\u00fcr einen Hilferuf halten in einem Moment, in dem angesichts von Benedikts R\u00fcckzug viel Betroffenheit und Verwirrung herrschen. Als der Papst in der Audienzhalle erscheint, brandet Beifall auf, und das \u201eTu es Petrus\u201c wird gesungen, \u201eDu bist Petrus\u201c \u2013 vielleicht zum letzten Mal f\u00fcr diesen Papst. \u201eDanke f\u00fcr eure Zuneigung, f\u00fcr eure Liebe zur Kirche und zum Papst\u201c, sagt Benedikt, als \u201eViva il Papa\u201c gerufen wird. \u201eUnsere Begegnung heute hat eine ganz besondere Bedeutung\u201c, sagt der Generalvikar des Bistums Rom, Kardinal Vallini, in einem Gru\u00dfwort an Benedikt XVI. (MP3-Audio von Radio Vatikan, Stefan von Kempis: Papst Benedikt XVI. begegnet am 14. Februar 2013 Priestern und Seminaristen des Bistums Rom)<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1523-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3<\/a><\/audio>\n<p><!--more-->\u201eWir f\u00fchlen uns heute so \u00e4hnlich wie die Gemeinde von Ephesus, die Paulus vor seinem Aufbruch als Gefangener nach Rom noch ein letztes Mal zu sich ruft. \u201eAlle brachen in Tr\u00e4nen aus\u201c, berichtet die Apostelgeschichte, \u201efielen dem Apostel um den Hals und k\u00fcssten ihn.\u201c Wir erleben derzeit ein Wechselbad der Gef\u00fchle, heiliger Vater, Trauer und Respekt, Bewunderung und Bedauern, Zuneigung und Stolz.\u201c Vielleicht auch Bitterkeit, aber davon spricht der Kardinal nicht. Er w\u00fcrdigt das \u201esanfte und starke Lebensbeispiel\u201c, das der Papst gebe. \u201eSie haben uns in den letzten Jahren immer um unseren Beistand im Gebet gebeten, und in diesen schwierigen Tagen \u2013 wie Sie formuliert haben \u2013 ist ihre Bitte noch dringender. Ich versichere Ihnen im Namen aller r\u00f6mischen Priester, dass wir Sie wirklich lieben und noch st\u00e4rker f\u00fcr Sie beten werden!\u201c<\/p>\n<h1>\u201eIch sp\u00fcre euer Gebet fast physisch\u201c<\/h1>\n<p>Dann spricht Benedikt: Es sei f\u00fcr ihn ein \u201eGeschenk der Vorsehung\u201c, vor seiner Aufgabe des Petrusdienstes noch einmal seinem Klerus zu begegnen. \u201eEs ist immer eine Freude, zu sehen, wie die Kirche lebt und wie lebendig sie in Rom ist! \u2026 Ihr habt heute Morgen vor dem Grab des heiligen Petrus das Glaubensbekenntnis gesprochen; das scheint mir eine sehr passende Geste. So w\u00e4chst die Kirche: Gemeinsam mit Petrus Christus bekennen und ihm nachfolgen!\u201c<br \/>\nEr sei den r\u00f6mischen Priestern \u201esehr dankbar f\u00fcr euer Gebet, das er fast physisch sp\u00fcre\u201c. \u201eAuch wenn ich mich jetzt zur\u00fcckziehe, bin ich doch im Gebet euch allen immer nahe, und ich bin mir sicher, dass auch ihr mir nahe sein werdet, auch wenn ich f\u00fcr die Welt verborgen bleiben werde. F\u00fcr heute konnte ich angesichts meiner Umst\u00e4nde, meines Alters, keine gro\u00dfe Rede vorbereiten, wie man sich das vielleicht h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen. Stattdessen denke ich eher an ein kleines Gespr\u00e4ch \u00fcber das Zweite Vatikanische Konzil, und wie ich es erlebt habe.\u201c<br \/>\nDer scheidende Papst war w\u00e4hrend des Konzils vor genau f\u00fcnfzig Jahren theologischer Berater des damaligen K\u00f6lner Kardinals Joseph Frings; er ist also einer der letzten gro\u00dfen Zeitzeugen des Konzils in der Kirche. Seinen Konzilsbericht, um den ihn die Priester des Bistums Rom f\u00fcr die diesj\u00e4hrige Audienz gebeten hatten, begann Benedikt mit einer Anekdote: \u201e1959 hat man mich zum Professor an der Uni Bonn ernannt, wo die Priesteramtskandidaten aus dem Erzbistum K\u00f6ln und anderen umliegenden Bist\u00fcmern studieren. So bin ich in Kontakt gekommen mit Kardinal Frings, und als dieser von Kardinal Siri von Genua 1961 gebeten wurde, einen Vortrag \u00fcber das Konzil und die moderne Welt zu halten, hat Kardinal Frings mich, den j\u00fcngsten unter den Professoren, gebeten, ihm dazu einen Entwurf zu schreiben. Der hat ihm gefallen, und so hat er ihn in Genua genauso vorgetragen.\u201c Kurz darauf habe Johannes XXIII. Frings zu einer Audienz in den Vatikan bestellt. \u201eUnd er war voller Angst, ob er vielleicht etwas Unkorrektes oder Falsches gesagt haben k\u00f6nnte. Er f\u00fcrchtete, dass man ihm jetzt Vorw\u00fcrfe machen oder ihm sogar den Kardinalspurpur wieder entziehen k\u00f6nnte.\u201c (Lachen bei den Zuh\u00f6rern) \u201eJa! Als sein Sekret\u00e4r ihn f\u00fcr die Audienz angekleidet hat, sagte er ihm: Vielleicht tragen Sie das Zeug ja zum letzten Mal.\u201c (Lachen bei den Zuh\u00f6rern) \u201eDann geht er hinein, und Papst Johannes geht ihm entgegen, umarmt ihn und sagt: \u201eDanke, Eminenz, Sie haben genau das gesagt, was ich sagen wollte, aber ich habe nicht die Worte daf\u00fcr gefunden!\u201c (Lachen, Beifall)<\/p>\n<h1>\u201eEs gab unglaubliche Erwartungen an das Konzil\u201c<\/h1>\n<p>Daraufhin habe Frings ihn, Ratzinger, dazu eingeladen, ihn nach Rom auf das Konzil zu begleiten. Seit Ende 1962 sei er sogar offizieller Peritus, also Berater, des Konzils gewesen, so Benedikt XVI. \u201eWir sind\u201c, so der Papst, \u201edamals mit Enthusiasmus zum Konzil gegangen.\u201c<br \/>\n\u201eEs gab eine unglaubliche Erwartung \u2013 wir hofften darauf, dass alles sich erneuern w\u00fcrde, dass ein neues Pfingsten heraufziehen w\u00fcrde, eine neue \u00c4ra der Kirche. Die Kirche war damals noch ziemlich robust, der sonnt\u00e4gliche Messbesuch war noch gut, auch die Priester- und Ordensberufungen gingen zwar schon ein bisschen zur\u00fcck, waren aber noch ausreichend. Trotzdem sp\u00fcrte man: Die Kirche geht im Moment nicht vorw\u00e4rts, sondern schrumpft ein, sie scheint eher eine Realit\u00e4t der Vergangenheit und nicht die Tr\u00e4gerin der Zukunft.\u201c<br \/>\nDie Beziehung der Kirche zur modernen Welt sei damals \u201ekonfliktreich\u201c gewesen, sagte Benedikt, \u201eangefangen mit dem Irrtum der Kirche im Fall Galilei\u201c; man habe gehofft, das Konzil werde die Kirche zur \u201eKraft des Morgen\u201c machen und den \u201ewahren Fortschritt\u201c einleiten. Als \u201eNegativbeispiel\u201c habe damals die Synode des Bistums Rom gegolten, auf der angeblich \u201enur vorbereitete Texte abgelesen und dann per Akklamation beschlossen wurden\u201c. \u201eDie Bisch\u00f6fe haben gesagt: Nein, so werden wir das nicht machen! Wir sind Bisch\u00f6fe, wir sind die Handelnden, wir wollen nicht nur das Vorbereitete beschlie\u00dfen, sondern selbst die Tr\u00e4ger des Konzils sein! Auch Kardinal Frings, der f\u00fcr seine absolute Treue zum Heiligen Vater bekannt war, hat dennoch gesagt: Der Papst hat uns als Konzilsv\u00e4ter, als Handelnde zusammengerufen, um die Kirche zu erneuern, und so wollen wir unseren Teil dazu leisten.\u201c<br \/>\nDiese \u201eHaltung\u201c habe sich \u201eschon am ersten Tag bei der Wahl der Kommissionen gezeigt\u201c, erinnerte sich der Papst. \u201eDie Konzilsv\u00e4ter haben sofort gesagt, wir wollen nicht nur einfach \u00fcber vorbereitete Namenslisten abstimmen\u201c, und darum seien schon die ersten Abstimmungen verschoben worden. \u201eDas war kein revolution\u00e4rer Akt, aber ein Akt des Bewusstseins der Verantwortung von Seiten der Konzilsv\u00e4ter.\u201c Er habe damals im Priesterkolleg von Santa Maria dell`Anima gewohnt und viele Kardin\u00e4le, Kirchenleute, Theologen kennengelernt: Das Konzil sei aus \u201evielen kleinen Begegnungen gemacht\u201c gewesen \u2013 f\u00fcr ihn \u201eeine Erfahrung der Universalit\u00e4t der Kirche\u201c.<\/p>\n<h1>Vor dem Konzil \u201efast zwei parallele Liturgien\u201c<\/h1>\n<p>Die am besten auf das Konzil vorbereiteten Bisch\u00f6fe seien aus Frankreich, Deutschland, Belgien und Holland gekommen, \u201edie so genannte rheinische Allianz\u201c. Sie h\u00e4tten den ersten Teil des Konzils gepr\u00e4gt. Die Debatte \u00fcber eine Liturgiereform sei ausgegangen von der liturgischen Bewegung in Westeuropa nach dem Ersten Weltkrieg. \u201eDas war eine Wiederentdeckung des Reichtums und der Tiefe der Liturgie, die bislang sozusagen im R\u00f6mischen Missale des Priesters eingeschlossen war, w\u00e4hrend die Leute mit eigenen Gebetb\u00fcchern beteten. Diese waren ein Versuch, die hohen Worte der klassischen Liturgie in die emotionaleren Worte der Menschen zu \u00fcbersetzen, dem Herzen des Volkes n\u00e4her. Aber es waren fast zwei parallele Liturgien! Der Priester mit den Messdienern, der nach dem Missale zelebrierte, und die Laien, die gleichzeitig nach ihren eigenen Gebetb\u00fcchern beteten.\u201c Die liturgische Bewegung habe wieder dazu gef\u00fchrt, \u201edass es wirklich einen Dialog zwischen Priester und Volk gibt, dass die Liturgie wirklich eine einzige wurde \u2013 eine aktive Teilhabe, damit die Reicht\u00fcmer zum Volk gelangen und so die Liturgie wiederentdeckt, erneuert werde\u201c.<br \/>\n\u201eIch finde jetzt im R\u00fcckblick, dass es sehr gut war, mit der Liturgie anzufangen: So wird der Primat Gottes sichtbar, der Vorrang der Anbetung. Opere Dei nihil praeponatur \u2013 dem Gottesdienst nichts vorziehen, dieses Wort aus der Regel des heiligen Benedikt erscheint so als die oberste Regel des Konzils. Einige haben kritisiert, das Konzil habe \u00fcber allerlei Dinge gesprochen, aber nicht \u00fcber Gott. Doch, es hat \u00fcber Gott gesprochen! Und das war der erste, substantielle [wesentliche] Akt des Konzils, das ganze heilige Volk f\u00fcr die Anbetung Gottes zu \u00f6ffnen, in der gemeinsamen liturgischen Feier von Leib und Blut Christi.\u201c<br \/>\n\u201ePrinzipien\u201c der Liturgie-Konstitution des Konzils seien \u201edie Verst\u00e4ndlichkeit und auch die aktive Teilhabe\u201c gewesen. \u201eLeider wurden diese Prinzipien auch missverstanden. Verst\u00e4ndlichkeit bedeutet nicht Banalit\u00e4t, denn die gro\u00dfen Texte der Liturgie \u2013 auch wenn er Gott sei Dank in der Muttersprache proklamiert werden \u2013 sind nicht einfach zu verstehen. Sie brauchen eine st\u00e4ndige Bildung des Christen, damit er immer mehr in die Tiefe des Geheimnisses eindringt und versteht\u2026 Wer w\u00fcrde denn behaupten, dass er die biblischen Texte sofort versteht, nur weil sie in der eigenen Sprache sind? Nur eine st\u00e4ndige Bildung des Herzens und des Geistes kann wirklich Verst\u00e4ndlichkeit schaffen und eine Teilnahme, die nicht nur \u00e4u\u00dferlich ist, die wirklich ein Eintreten der Person in die Gemeinschaft der Kirche und so in die Gemeinschaft mit Christus bedeutet.\u201c<\/p>\n<h1>Kirche: Nicht (nur) Organisation, sondern Organismus<\/h1>\n<p>Zweites gro\u00dfes Thema des Konzils sei die Kirche gewesen \u2013 laut Benedikt ein Desiderat, seit das Erste Vatikanische Konzil abgebrochen worden war. \u201eGott sei Dank\u201c h\u00e4tten die V\u00e4ter des Ersten Vatikanums noch Zeit gefunden, die Lehre zum p\u00e4pstlichen Primat zu definieren: \u201eDas war sehr notwendig f\u00fcr die darauf folgende Zeit. Aber es war nur ein Element einer gr\u00f6\u00dferen Lehre von der Kirche, die schon vorbereitet worden war, von der jetzt allerdings nur ein Fragment blieb. Man konnte sagen: Wenn das Fragment so bleibt, wie es ist, tendieren wir zum Unilateralen\u2026 Darum ging es beim Zweiten Vatikanischen Konzil darum, eine komplette Ekklesiologie zu entwerfen.\u201c Die Voraussetzungen daf\u00fcr seien g\u00fcnstig gewesen, Guardini habe davon gesprochen, dass \u201edie Kirche in den Seelen erwacht\u201c; es ging darum, erl\u00e4uterte der scheidende Papst, die Kirche \u201enicht als Organisation oder etwas Strukturelles, Juridisches\u201c zu zeichnen, sondern \u201eals Organismus, etwas Lebendiges\u201c. Schon damals h\u00e4tten viele proklamiert \u201eWir sind Kirche\u201c, und das stimme nat\u00fcrlich auch, wenn man die Formel erweitere: \u201eWir Gl\u00e4ubige zusammen mit Christus sind Kirche\u201c.<br \/>\n\u201eNicht eine Gruppe, die sich zur Kirche erkl\u00e4rt \u2013 nein, \u201eWir sind Kirche\u201c erfordert mein Eingef\u00fcgt-Sein ins gro\u00dfe Wir der Glaubenden aller Zeiten und Orte!\u201c Die Diskussionen \u00fcber den Begriff \u201eKollegialit\u00e4t\u201c erscheinen Papst Benedikt im R\u00fcckblick \u201eetwas \u00fcbertrieben\u201c: \u201eVielen schien das ein Machtkampf zu sein, und vielleicht haben einige das wirklich auf dem Konzil so gesehen. Aber im wesentlichen ging es nicht um Macht, sondern um Komplementarit\u00e4t und Vollst\u00e4ndigkeit des Leibes der Kirche mit den Bisch\u00f6fen, als Nachfolger der Apostel tragende Elemente\u2026 Einige kritisierten den Begriff der Kirche als \u201emystischer Leib\u201c Christi, weil er ihnen zu exklusiv erschien; das Konzil hat mit Recht den Begriff von der Kirche als \u201eVolk Gottes\u201c akzeptiert, der bei den Kirchenv\u00e4tern als Ausdruck f\u00fcr die Kontinuit\u00e4t zwischen Altem und Neuem Testament erscheint und im Neuen Testament bis auf wenige Ausnahmen das j\u00fcdische Volk meint. Wir Heiden sind nicht automatisch Volk Gottes \u2013 wir werden S\u00f6hne Abrahams, wenn wir in Gemeinschaft mit Christus treten\u2026\u201c<br \/>\nDer Begriff \u201eVolk Gottes\u201c impliziere \u201eKontinuit\u00e4t der Testamente\u201c, habe aber auch ein \u201echristologisches Element\u201c: \u201eNur durch Christologie werden wir Volk Gottes, und so gehen die beiden Vorstellungen zusammen.\u201c Nach dem Konzil habe sich allm\u00e4hlich herausgestellt, dass \u201eCommunio\u201c, Gemeinschaft, das eigentliche Wesen der Kirche sei.<\/p>\n<h1>\u201eOhne die Kirche ist die Schrift nur ein Buch\u201c<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-zu-Weihnachten.png\"><img data-opt-id=1576313066  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6369\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-zu-Weihnachten.png\" alt=\"Bild: Vatikan\" width=\"668\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:668\/h:491\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-zu-Weihnachten.png 668w, https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:300\/h:221\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-zu-Weihnachten.png 300w\" sizes=\"(max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a>Papst Benedikt sprach auch von der Arbeit (\u201eeinem schwierigen Kampf\u201c) an der Offenbarungslehre des Zweiten Vatikanums: W\u00e4hrend die Protestanten \u201edie gro\u00dfen exegetischen Entdeckungen machten\u201c, h\u00e4tten sich katholische Exegeten \u201eein bisschen in Schwierigkeiten befunden, behindert durch die Notwendigkeit, sich dem Lehramt zu unterwerfen\u201c. Das Konzil habe \u2013 vor allem auf Initiative von Papst Paul VI. \u2013 deutlich gemacht, dass \u201edie Kirche unter der Schrift steht, dass die Schrift aber ohne die Kirche nur ein Buch ist, das sich so oder so interpretieren l\u00e4sst, aber keine letzte Klarheit gibt\u201c. \u201eEs ist ein Offenbarungsdokument geschaffen worden, das eines der sch\u00f6nsten und innovativsten des ganzen Konzils ist. Es sollte noch intensiver studiert werden, denn auch heute tendiert die Exegese dazu, die Schrift au\u00dferhalb der Kirche und au\u00dferhalb des Glaubens zu lesen, nur im Geist der so genannten historisch-kritischen Methode. Diese Methode ist wichtig, aber nie ausreichend, um letzte Gewissheit zu geben. Nur wenn wir sehen, dass das im letzten nicht menschliche, sondern Gottesworte sind, \u2026 k\u00f6nnen wir die Heilige Schrift gut interpretieren.\u201c Da sei, wie er ja auch in der Einleitung zu seinem ersten Jesusbuch geschrieben habe, \u201enoch viel zu tun, um zu einer Lekt\u00fcre im Geist des Konzils zu kommen.\u201c<\/p>\n<h1>Bekenntnis zu \u00d6kumene und interreligi\u00f6sem Dialog<\/h1>\n<p>Der Papst w\u00fcrdigte ausdr\u00fccklich das \u00d6kumenismus-Dekret des Konzils, sein Bekenntnis zur Religionsfreiheit sowie \u201eGaudium et Spes\u201c, das \u201edie Fundamente der christlichen Ethik erneuert\u201c habe. Als noch \u201ekonkreter\u201c habe sich allerdings \u201eNostra Aetate\u201c erwiesen: \u201eVon Anfang an waren unsere j\u00fcdischen Freunde als Beobachter anwesend, die unter anderem uns Deutschen sagten: Nach den traurigen Ereignissen dieses Nazi-Jahrzehnts muss die katholische Kirche ein Wort \u00fcber das Alte Testament und das j\u00fcdische Volk sagen. Sie sagten: Auch wenn die Kirche nicht f\u00fcr die Shoah verantwortlich war, so waren es doch zu einem gro\u00dfen Teil Christen, die diese Verbrechen begangen haben. Es galt also, das christliche Gewissen zu erneuern, auch wenn wir wussten, dass die wahren Gl\u00e4ubigen immer widerstanden hatten.\u201c<br \/>\nBisch\u00f6fe aus dem arabischen Raum seien \u201enicht sehr gl\u00fccklich\u201c \u00fcber das Vorhaben gewesen, sondern h\u00e4tten \u201egewisserma\u00dfen eine Glorifizierung des Staates Israel bef\u00fcrchtet\u201c, so der Papst w\u00f6rtlich.\u00a0\u201eDas wollten sie nat\u00fcrlich nicht, aber ein wirklich theologisches Wort \u00fcber das j\u00fcdische Volk sahen auch sie als gut und notwendig an. Sie w\u00fcnschten sich dann allerdings dann auch ein Wort \u00fcber den Islam \u2013 nur so w\u00fcrde es ein Gleichgewicht geben. Wir haben das damals noch nicht ganz verstanden; heute wissen wir, wie notwendig das war.\u201c Der Konzilstext \u00fcber den interreligi\u00f6sen Dialog habe schlie\u00dflich \u201evorausgenommen, was sich erst etwa drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter in seiner ganzen Intensit\u00e4t und Wichtigkeit gezeigt hat\u201c.<br \/>\nEine gro\u00dfe Stegreif-Rede von Papst Benedikt, beinahe zu seinem Abschied vom Amt. Wohl auch mit Blick auf die Piusbr\u00fcder bekr\u00e4ftigt er: \u201eDie zwei Dokumente \u00fcber Religionsfreiheit und Nostra Aetate, zusammen mit Gaudium et Spes, sind eine wichtige Trilogie, deren Bedeutung sich erst im Lauf der Jahrzehnte herausgestellt hat, und wir arbeiten noch jetzt daran, diese Verbindung zwischen der Einzigkeit der Offenbarung Gottes, der Einzigkeit des einen, in Christus fleischgewordenen Gottes und der Vielfalt der Religonen besser zu verstehen.\u201c<\/p>\n<h1>\u201eEs gab auch ein Konzil der Medien\u201c<\/h1>\n<p>Neben dem Konzil der V\u00e4ter habe es auch ein \u201eKonzil der Medien\u201c gegeben, so der Papst abschlie\u00dfend: \u201eUnd das war fast ein Konzil f\u00fcr sich selbst. Die Welt hat das Konzil \u00fcber die Medien wahrgenommen. Das unmittelbar auf die Menschen wirkende Konzil war das der Medien, nicht das der V\u00e4ter.\u201c Dieses Medien-Konzil sei, anders als das wirkliche, keine Glaubensveranstaltung gewesen, sondern habe \u201eden Kategorien der Medien von heute gehorcht, au\u00dferhalb des Glaubens, mit einem anderen Verstehensschl\u00fcssel\u201c. \u201eDas war ein politischer Schl\u00fcssel: F\u00fcr die Medien war das Konzil ein Machtkampf zwischen verschiedenen kirchlichen Fl\u00fcgeln.\u201c Ergebnis seien \u201eBanalisierungen der Idee des Konzils\u201c mit Auswirkungen auf die liturgische Praxis und auf die Schriftauslegung. Die dominierende Konzilsdeutung habe \u201eviele Schwierigkeiten und Probleme geschaffen\u201c: \u201eSchlie\u00dfende Seminare, schlie\u00dfende Kl\u00f6ster, eine banalisierte Liturgie\u201c.<br \/>\n\u201eUnd das wahre Konzil hatte Schwierigkeiten, sich zu verwirklichen \u2013 das virtuelle Konzil war st\u00e4rker als das wirkliche. Aber die wahre Kraft des Konzils war doch da, und allm\u00e4hlich wird sie immer mehr Wirklichkeit und wird zur wahren Kraft, die dann auch wahre Reform ist, wahre Erneuerung der Kirche. Mir scheint, wir sehen f\u00fcnfzig Jahre nach dem Konzil, wie dieses virtuelle Konzil zerbricht und sich verliert, und das wahre Konzil taucht auf mit seiner ganzen spirituellen Kraft. Das ist unsere Aufgabe: daf\u00fcr zu arbeiten, dass das wahre Konzil Wirklichkeit wird und die Kirche wirkliche Erneuerung erf\u00e4hrt.\u201c<br \/>\nIm letzten Satz noch mal ein Hinweis Benedikts XVI. auf seinen bevorstehenden Abschied: \u201e<span style=\"background-color: #ffffff; color: #ff0000;\"><strong>Ich werde immer bei euch sein, auch wenn ich im Gebet zur\u00fcckgezogen sein werde. Der Herr siegt.<\/strong><\/span>\u201c<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>MP3-Audio von Radio Vatikan, Stefan von Kempis: Papst Benedikt XVI. begegnet am 14. Februar 2013 Priestern und Seminaristen des Bistums Rom<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1523-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/2013-02-14-Papst-Benedikt-XVI.-begegnet-Priestern-und-Seminaristen-des-Bistums-Rom.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext (Link vergriffen): Radio Vatikan, Artikel 664857, Stefan v. Kempis<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.kirchenzeitung.ch\/article\/erinnerungen-an-karl-rahner-1904-1984-7725\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erinnerungen an Karl Rahner (1904 \u2013 1984)<\/a>: Ein unver\u00f6ffentlichter Vortrag von Franz Kardinal K\u00f6nig von 1994<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.materialserver.filmwerk.de\/arbeitshilfen\/AH_schleifung_A4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schleifung der Bastionen<\/a>: Das Zweite Vatikanische Konzil<br \/>\n(Arbeitshilfe)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Benedikt XVI. begegnet Priestern und Seminaristen des Bistums Rom \u201eHerr, erbarme dich\u201c: Mit der Allerheiligenlitanei auf dem Petersplatz bereiten sich die Priester und Seminaristen des Bistums Rom auf die Begegnung mit ihrem scheidenden Bischof vor. \u201eHerr, erbarme dich\u201c &#8211; man k\u00f6nnte es f\u00fcr einen Hilferuf halten in einem Moment, in dem angesichts von Benedikts &hellip; <a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1523\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ich werde immer bei euch sein, auch wenn ich im Gebet zur\u00fcckgezogen sein werde. Der Herr siegt!<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":37723,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[450,285,452,287],"tags":[384,367,283,377,88,185,363],"class_list":["post-1523","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-katholische-kirche","category-lehramt","category-papst","category-theologie","tag-amtsverzicht-des-papstes","tag-credo","tag-kirche","tag-oekumenische-bewegung","tag-papst-benedikt-xvi","tag-priestertum","tag-zweites-vatikanisches-konzil"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1523"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37739,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1523\/revisions\/37739"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/37723"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/website.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}