{"id":1492,"date":"2013-02-13T20:14:18","date_gmt":"2013-02-13T19:14:18","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1492"},"modified":"2021-06-22T16:47:59","modified_gmt":"2021-06-22T14:47:59","slug":"der-wahre-junger-christi-dient-nicht-sich-selber-oder-dem-publikum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1492","title":{"rendered":"Der wahre J\u00fcnger Christi dient nicht sich selber oder dem \u201ePublikum\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Predigt von Papst Benedikt XVI.\u00a0beim Aschermittwochsgottesdienst in Rom<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"150\" height=\"232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verehrte Br\u00fcder, liebe Br\u00fcder und Schwestern, heute, am Aschermittwoch, beginnen wir einen neuen Weg der \u00f6sterlichen Bu\u00dfzeit: ein Weg, der vierzig Tage w\u00e4hrt und uns zur Freude des Pascha des Herrn f\u00fchrt, zum Sieg des Lebens \u00fcber den Tod. Nach der uralten r\u00f6mischen Tradition der \u201eStationes\u201c in der Fastenzeit, haben wir uns zur Feier der Eucharistie versammelt. Diese Tradition sieht vor, dass die erste \u201eStatio\u201c in der Basilika Santa Sabina auf dem Aventin stattfindet. Die Umst\u00e4nde haben es nahe gelegt, uns in der vatikanischen Basilika zu versammeln. Heute Abend sind wir zahlreich versammelt um das Grab des Apostels Petrus, auch um seine F\u00fcrsprache zu erbitten f\u00fcr den Weg der Kirche in diesem besonderen Augenblick und um unsern Glauben an den h\u00f6chsten Hirten zu erneuern: an Christus, den Herrn. Da ich nun bald das Petrusamt niederlege, ist dies f\u00fcr mich eine gute Gelegenheit allen zu danken, besonders den Gl\u00e4ubigen des Bistums Rom und um ein besonderes Gedenken im Gebet zu bitten. <!--more-->Die Lesungen, die heute vorgetragen worden sind, bieten uns Hinweise, die in dieser Fastenzeit in Haltungen und konkreten Handlungen zu verwirklichen wir mit der Gnade Gottes berufen sind. Die Kirche ruft, zuallererst, jene starke Mahnung des Propheten Joel in Erinnerung: \u201eSo spricht der Herr: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. (2,12) Der Ausdruck \u201evon ganzem Herzen\u201c muss unterstrichen werden, denn er bedeutet aus der Mitte unserer Gedanken und Gef\u00fchle, aus dem Wurzelgrund unserer Entscheidungen, Beschl\u00fcsse und Handlungen, mit einer Geste totaler und radikaler Freiheit. Aber ist diese R\u00fcckkehr zu Gott m\u00f6glich? Ja, denn es gibt eine Kraft, die nicht in unserem Herzen wohnt, sondern dem Herzen Gottes selber entstr\u00f6mt. Es ist die Kraft seiner Barmherzigkeit. Der Prophet spricht au\u00dferdem: \u201eKehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gn\u00e4dig und barmherzig, langm\u00fctig und reich an G\u00fcte, und es reut ihn, dass er das Unheil verh\u00e4ngt hat.\u201c (v.13) Die R\u00fcckkehr zum Herrn ist m\u00f6glich als \u201eGnade\u201c, weil sie ein Werk Gottes ist und Frucht unseres Glaubens an seine Barmherzigkeit. Aber diese R\u00fcckkehr zu Gott wird nur dann zu einer konkreten Wirklichkeit in unserem Leben, wenn die Gnade Gottes in unser Innerstes eindringt, es ersch\u00fcttert und uns die Kraft gibt die \u201eHerzen zu zerrei\u00dfen\u201c. Es ist noch einmal der Prophet, der von Gott her diese Worte erklingen l\u00e4sst: \u201eZerrei\u00dft eure Herzen, nicht eure Kleider\u201c (v.13) In der Tat sind auch heute viele bereit, sich die \u201eKleider zu zerrei\u00dfen\u201c angesichts von Skandalen und Ungerechtigkeiten \u2013 die nat\u00fcrlich von anderen begangen worden sind \u2013 , aber wenige nur scheinen bereit, am eigenen \u201eHerzen\u201c zu arbeiten, am eigenen Gewissen und an den eigenen Intentionen, und dabei dem Herrn die Wandlung, Erneuerung und Bekehrung zu \u00fcberlassen.<br \/>\nJenes \u201eKehr um zu mir mit ganzem Herzen\u201c, schlie\u00dflich ist eine Mahnung, die nicht nur den Einzelnen angeht, sondern die Gemeinschaft. Wir haben in der ersten Lesung geh\u00f6rt: \u201eAuf dem Zion sto\u00dft in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die S\u00e4uglinge! Der Br\u00e4utigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. (vv. 15-16) Die gemeinschaftliche Dimension ist ein wesentliches Element des Glaubens und des christlichen Lebens. Christus ist gekommen, \u201eum die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln.\u201c (vgl. 11,52) Das \u201eWir\u201c der Kirche ist die Gemeinschaft, zu der uns Jesus versammelt (vgl. Joh 12,32): Der Glaube ist notwendig kirchlich. Es ist wichtig, sich dessen zu besinnen und es in dieser Fastenzeit zu leben: Jeder muss sich bewusst sein, dass der Weg der Bu\u00dfe nicht alleine bew\u00e4ltigt werden kann, sondern gemeinsam mit vielen Br\u00fcdern und Schwestern in der Kirche.<br \/>\nDer Prophet spricht schlie\u00dflich \u00fcber das Gebet der Priester, die mit Tr\u00e4nen in den Augen sich an Gott wenden und sprechen: \u201e\u00dcberlass dein Erbe nicht der Schande, damit die V\u00f6lker nicht \u00fcber uns spotten. Warum soll man bei den V\u00f6lkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?\u201c (v.17) Dieses Gebet l\u00e4sst uns \u00fcber die Bedeutung des Glaubenszeugnis und des christlichen Lebenswandels eines jeden von uns und unserer Gemeinden nachdenken, damit das Angesicht der Kirche sichtbar wird und wie dieses Angesicht zuweilen verunstaltet wird. Ich denke besonders an die S\u00fcnden gegen die Einheit der Kirche, an die Spaltungen im Leib der Kirche. Die Fastenzeit in einer intensiveren und sichtbareren kirchlichen Gemeinschaft zu leben, und die Individualismen und Rivalit\u00e4ten zu \u00fcberwinden, ist ein dem\u00fctiges und kostbares Zeugnis f\u00fcr jene, die dem Glauben fern stehen oder gleichg\u00fcltig sind.<br \/>\n\u201eJetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.\u201c (2 Kor 6,2) Die Worte des Apostels Paulus an die Christen in Korinth hallen auch in uns wider mit einer Dringlichkeit, die ein Wegbleiben oder Unt\u00e4tigkeit nicht zul\u00e4sst. Der mehrfach wiederholte Begriff \u201ejetzt\u201c besagt, dass man sich diesen Augenblick nicht entgehen lassen darf; er wird uns als einzigartige und unwiederholbare Gelegenheit angeboten. Und der Blick des Apostels richtet sich auf das Miteinanderteilen, einer Haltung, die nach dem Willen Christi seine ganze Existenz gepr\u00e4gt hat durch die Annahme alles Menschlichen, sogar bis hin zur Annahme der S\u00fcnden der Menschen. Der Satz des Heiligen Paulus ist sehr stark: Gott hat ihn \u201ef\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht\u201c. Jesus, der Unschuldige, der Heilige, der, \u201eder keine S\u00fcnde kannte\u201c (2 Kor 5,21), nimmt auf sich das Gewicht der S\u00fcnde, indem er mit der Menschheit deren Folgen teilte: den Tod, den Tod am Kreuz. Die Vers\u00f6hnung, die uns angeboten wird, hat einen sehr hohen Preis gehabt, den des auf Golgota erh\u00f6hten Kreuzes, an den der Mensch gewordene Sohn Gottes geh\u00e4ngt worden ist. In dieses Eintauchen Gottes in das menschliche Leid und in den Abgrund des B\u00f6sen liegt die Wurzel unserer Rechtfertigung. Das \u201eZur\u00fcckkehren zu Gott mit ganzem Herzen\u201c auf unserem Weg der Fastenzeit geht durch das Kreuz, durch das Nachfolgen Christi auf dem Weg zum Kalvarienberg, durch die Ganzhingabe seiner selbst. Es ist ein Weg, auf dem man jeden Tag lernt, immer mehr aus unseren Egoismus und unserem Verschlossensein herauszutreten, um Gott Platz zu machen, der unser Herz \u00f6ffnet und wandelt. Und der Heilige Paulus erinnert daran, wie die Verk\u00fcndigung des Kreuzes in uns wider klingt dank der Predigt des Wortes Gottes, f\u00fcr das der Apostel selbst ein Gesandter ist; eine Mahnung an uns, auf dass dieser Weg der Fastenzeit gekennzeichnet sein m\u00f6ge von einem aufmerksameren und eifrigeren H\u00f6ren auf das Wort Gottes, dem Licht, das unsere Schritte erleuchtet.<br \/>\nIn dem Abschnitt aus dem Evangelium des Matth\u00e4us, der zur sogenannten Bergpredigt geh\u00f6rt, bezieht sich Jesus auf drei grundlegenden Praktiken, die das mosaische Gesetz vorsieht: Das Almosengeben, das Gebet und das Fasten; sie sind auch traditionelle Hinweise f\u00fcr unseren Weg in der Fastenzeit, um der Einladung zu folgen \u201emit ganzem Herzen zu Gott zur\u00fcckzukehren\u201c. Aber Jesus unterstreicht die Bedeutung der Qualit\u00e4t und der Wahrhaftigkeit der Beziehung zu Gott, die die Authentizit\u00e4t aller religi\u00f6sen Handlungen bestimmt. Deswegen prangert er die religi\u00f6se Verlogenheit an, ein nur \u00e4u\u00dferliches Verhalten, Handlungsweisen, die Zustimmung und Applaus erheischen. Der wahre J\u00fcnger dient nicht sich selber oder dem \u201ePublikum\u201c, sondern seinem Herrn, in der Einfachheit des Gro\u00dfmuts: \u201eUnd dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.\u201c (Mt 6,4.6.18). Unser Zeugnis wird umso wirksamer sein, je weniger wir unsern Ruhm suchen und wir uns bewusst werden, dass der Lohn des Gerechten Gott selber ist, am Ende des Lebens, im Frieden und Licht der Begegnung mit ihm selbst, von Angesicht zu Angesicht und f\u00fcr immer (vgl. 1 Kor 13.12).<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, beginnen wir voll Vertrauen und Freude den Weg der Fastenzeit. M\u00f6ge die Einladung zur Bekehrung und zur \u201eUmkehr zum lebendigen Gott mit ganzem Herzen\u201c laut in uns widerhallen, indem wir seine Gnade annehmen, die uns zu neuen Menschen macht, mit jener \u00fcberraschenden Neuheit, die jene Teilhabe am Leben Jesu selber ist. M\u00f6ge also niemand von uns diesem Appell gegen\u00fcber taub bleiben, dem wir in diesem schlichten Ritus begegnen, der Bezeichnung mit Asche, einer Geste, die wir bald vollziehen werden und die so einfach und zugleich beeindruckend ist. M\u00f6ge uns in dieser Zeit die Jungfrau Maria begleiten, die Mutter der Kirche und Vorbild eines jeden wahren J\u00fcngers des Herrn. Amen.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Arbeits\u00fcbersetzung: P. Max Cappabianca, Radio Vatikan, Artikel 664699<\/li>\n<li>Radio Vatikan Archiv: <a href=\"https:\/\/www.archivioradiovaticana.va\/storico\/2013\/02\/13\/papstpredigt_der_wahre_j%C3%BCnger_dient_nicht_sich_selber_oder_dem\/ted-664699\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papstpredigt: Der wahre J\u00fcnger dient nicht sich selber oder dem \u201ePublikum\u201c<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Papst Benedikt XVI.\u00a0beim Aschermittwochsgottesdienst in Rom Verehrte Br\u00fcder, liebe Br\u00fcder und Schwestern, heute, am Aschermittwoch, beginnen wir einen neuen Weg der \u00f6sterlichen Bu\u00dfzeit: ein Weg, der vierzig Tage w\u00e4hrt und uns zur Freude des Pascha des Herrn f\u00fchrt, zum Sieg des Lebens \u00fcber den Tod. 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