{"id":1446,"date":"2011-09-23T10:10:15","date_gmt":"2011-09-23T08:10:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1446"},"modified":"2021-06-18T16:41:22","modified_gmt":"2021-06-18T14:41:22","slug":"nur-wer-gott-kennt-kennt-den-menschen-ohne-erkenntnis-gottes-wird-der-mensch-manipulierbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1446","title":{"rendered":"Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen; ohne Erkenntnis Gottes wird der Mensch manipulierbar"},"content":{"rendered":"<h1>Erfurter Rede von Papst Benedikt XVI. in Deutschland am 23. September 2011<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?attachment_id=4737\" rel=\"attachment wp-att-4737\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"150\" height=\"232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern! \u201eNicht nur f\u00fcr diese hier bitte ich, sondern auch f\u00fcr alle, die durch ihr Wort an mich glauben\u201c (Joh 17,20) \u2013 so hat Jesus nach dem Johannes-Evangelium im Abendmahlssaal zum Vater gesagt. Er bittet f\u00fcr die k\u00fcnftigen Generationen von Glaubenden. Er blickt \u00fcber den Abendmahlssaal hinaus in die Zukunft hinein. Er hat gebetet auch f\u00fcr uns. Und er bittet um unsere Einheit. Dieses Gebet Jesu ist nicht einfach Vergangenheit. Immer steht er f\u00fcrbittend f\u00fcr uns vor dem Vater, und so steht er in dieser Stunde mitten unter uns und will uns in sein Gebet hineinziehen. Im Gebet Jesu ist der innere Ort unserer Einheit. Wir werden dann eins sein, wenn wir uns in dieses Gebet hineinziehen lassen. Sooft wir uns als Christen im Gebet zusammenfinden, sollte uns dieses Ringen Jesu um uns und mit dem Vater f\u00fcr uns ins Herz treffen. Je mehr wir uns in dieses Geschehen hineinziehen lassen, desto mehr verwirklicht sich Einheit.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1446-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-Deutschland-Bundestag-Papst-Benedikt-XVI..mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-Deutschland-Bundestag-Papst-Benedikt-XVI..mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-22-Papst-in-Deutschland-Bundestag-Papst-Benedikt-XVI..mp3<\/a><\/audio>\n<p><!--more-->Ist das Gebet Jesu unerh\u00f6rt geblieben? Die Geschichte der Christenheit ist sozusagen die sichtbare Seite dieses Dramas, in dem Christus mit uns Menschen ringt und leidet. Immer wieder mu\u00df er den Widerspruch zur Einheit erdulden, und doch auch immer wieder vollzieht sich Einheit mit ihm und so mit dem dreieinigen Gott. Wir m\u00fcssen beides sehen: Die S\u00fcnde des Menschen, der sich Gott versagt und sich in sein Eigenes zur\u00fcckzieht und trennt, aber auch die Siege Gottes, der die Kirche erh\u00e4lt durch ihre Schwachheit hindurch und immer neu Menschen in sich hineinzieht und so zueinander f\u00fchrt. Deshalb sollten wir bei einer \u00f6kumenischen Begegnung nicht nur die Trennungen und Spaltungen beklagen, sondern Gott f\u00fcr alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt. Und diese Dankbarkeit mu\u00df zugleich Bereitschaft sein, die so geschenkte Einheit nicht zu verlieren mitten in einer Zeit der Anfechtung und der Gefahren.<br \/>\nDie grundlegende Einheit besteht darin, da\u00df wir an Gott, den Allm\u00e4chtigen, den Vater, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde glauben. Da\u00df wir ihn als den Dreifaltigen bekennen \u2013 Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die h\u00f6chste Einheit ist nicht monadische Einsamkeit, sondern Einheit durch Liebe. Wir glauben an Gott \u2013 den konkreten Gott. Wir glauben daran, da\u00df Gott zu uns gesprochen hat und einer von uns geworden ist. Diesen lebendigen Gott zu bezeugen ist unsere gemeinsame Aufgabe in der gegenw\u00e4rtigen Stunde.<br \/>\nBraucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenh\u00e4lt, so scheint es, da\u00df es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, da\u00df der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erf\u00fcllung und Gl\u00fcck immer mehr das Leben verliert. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da.<\/span><span style=\"color: #ff0000;\"> Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn.<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">Unser erster \u00f6kumenischer Dienst in dieser Zeit mu\u00df es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.<\/span><\/strong> Zu diesem Grundzeugnis f\u00fcr Gott geh\u00f6rt dann nat\u00fcrlich ganz zentral das Zeugnis f\u00fcr Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, der mit uns gelebt hat, f\u00fcr uns gelitten hat und f\u00fcr uns gestorben ist und in der Auferstehung die T\u00fcr des Todes aufgerissen hat. Liebe Freunde, st\u00e4rken wir uns in diesem Glauben! Helfen wir uns, ihn zu leben. Dies ist eine gro\u00dfe \u00f6kumenische Aufgabe, die uns mitten ins Gebet Jesu hineinf\u00fchrt.<br \/>\nDie Ernsthaftigkeit des Glaubens an Gott zeigt sich im Leben seines Wortes. Sie zeigt sich in unserer Zeit ganz praktisch im Eintreten f\u00fcr das Gesch\u00f6pf, das er als sein Ebenbild wollte \u2013 f\u00fcr den Menschen. Wir leben in einer Zeit, in der die Ma\u00dfst\u00e4be des Menschseins fraglich geworden sind. Ethik wird durch das Kalk\u00fcl der Folgen ersetzt. Demgegen\u00fcber m\u00fcssen wir als Christen die unantastbare W\u00fcrde des Menschen verteidigen, von der Empf\u00e4ngnis bis zum Tod \u2013 in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe. \u201eNur wer Gott kennt, kennt den Menschen\u201c, hat Romano Guardini einmal gesagt. Ohne Erkenntnis Gottes wird der Mensch manipulierbar. Der Glaube an Gott mu\u00df sich in unserem gemeinsamen Eintreten f\u00fcr den Menschen konkretisieren. Zum Eintreten f\u00fcr den Menschen geh\u00f6ren nicht nur diese grundlegenden Ma\u00dfst\u00e4be der Menschlichkeit, sondern vor allem und ganz praktisch die Liebe, wie sie uns Jesus im Gleichnis vom Weltgericht lehrt (Mt 25): Der richtende Gott wird uns danach beurteilen, wie wir den N\u00e4chsten, wie wir den Geringsten seiner Br\u00fcder begegnet sind. Die Bereitschaft, in den N\u00f6ten dieser Zeit \u00fcber den eigenen Lebensrahmen hinaus zu helfen, ist eine wesentliche Aufgabe des Christen.<br \/>\nDies gilt zun\u00e4chst im pers\u00f6nlichen Lebensbereich jedes einzelnen. Es gilt dann in der Gemeinschaft eines Volkes und Staates, in der alle f\u00fcreinander einstehen m\u00fcssen. Es gilt f\u00fcr unseren Kontinent, in dem wir zur europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4t gerufen sind. Und es gilt endlich \u00fcber alle Grenzen hinweg: Die christliche N\u00e4chstenliebe verlangt heute auch unseren Einsatz f\u00fcr die Gerechtigkeit in der weiten Welt. Ich wei\u00df, da\u00df von den Deutschen und von Deutschland viel getan wird, damit allen Menschen ein menschenw\u00fcrdiges Dasein erm\u00f6glicht wird, und m\u00f6chte daf\u00fcr ein Wort herzlichen Dankes sagen.<\/p>\n<h1>Die Dimension unserer Verpflichtung zur Liebe geht noch tiefer<\/h1>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich noch eine tiefere Dimension unserer Verpflichtung zur Liebe ansprechen. Die Ernsthaftigkeit des Glaubens zeigt sich vor allem auch dadurch, da\u00df er Menschen inspiriert, sich ganz f\u00fcr Gott und von Gott her f\u00fcr die anderen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die gro\u00dfen Hilfen werden nur konkret, wenn es vor Ort diejenigen gibt, die ganz f\u00fcr den anderen da sind und damit die Liebe Gottes glaubhaft werden lassen. Solche Menschen sind ein wichtiges Zeichen f\u00fcr die Wahrheit unseres Glaubens.<\/p>\n<h1>Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abw\u00e4gung unserer Vor- und Nachteile<\/h1>\n<p>Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem \u00f6kumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Die Gaben, die dabei genannt wurden, brauche ich nicht einzeln anzuf\u00fchren. Dazu m\u00f6chte ich sagen, da\u00df dies <strong><span style=\"color: #ff0000;\">ein politisches Mi\u00dfverst\u00e4ndnis des Glaubens und der \u00d6kumene<\/span> <\/strong>darstellt. Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im allgemeinen Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschlu\u00df eines oder auch mehrerer Vertr\u00e4ge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abw\u00e4gung von Vor- und Nachteilen entsteht der Kompromi\u00df, der schlie\u00dflich f\u00fcr beide Seiten vorteilhaft erscheint, so da\u00df dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann. Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abw\u00e4gung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben. Nicht durch Abw\u00e4gung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben w\u00e4chst Einheit. Auf solche Weise ist in den letzten 50 Jahren, besonders auch seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 30 Jahren viel Gemeinsamkeit gewachsen, f\u00fcr die wir nur dankbar sein k\u00f6nnen. Ich denke gern an die Begegnung mit der von Bischof Lohse gef\u00fchrten Kommission zur\u00fcck, in der solches gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben ge\u00fcbt wurde. Allen, die daran mitgewirkt haben, besonders von katholischer Seite, besonders\u00a0Kardinal Lehmann, m\u00f6chte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich versage mir, weitere Namen zu nennen \u2013 der Herr kennt sie alle. Miteinander k\u00f6nnen wir alle nur dem Herrn danken f\u00fcr die Wege der Einheit, die er uns gef\u00fchrt hat, und in dem\u00fctigem Vertrauen einstimmen in sein Gebet: La\u00df uns eins werden, wie du mit dem Vater eins bist, damit die Welt glaube, da\u00df er dich gesandt hat (vgl. Joh 17,21).<br \/>\nQuellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Audio (MP3) von Radio Vatikan:<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1446-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-23-Papst-in-D-2011-Erfurt-Oekumene.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-23-Papst-in-D-2011-Erfurt-Oekumene.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-23-Papst-in-D-2011-Erfurt-Oekumene.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Papst in Deutschland &#8211; Erfurt \u00d6kumene<\/li>\n<li>Originaltext von Radio Vatikan: Artikel von 23\/09\/2011 13.16.12 (PDF):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?attachment_id=37352\" rel=\"attachment wp-att-37352\">2011-09-23 Papst in D 2011 &#8211; Erfurt \u00d6kumene<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfurter Rede von Papst Benedikt XVI. in Deutschland am 23. 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