{"id":1390,"date":"2011-09-24T12:02:10","date_gmt":"2011-09-24T10:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1390"},"modified":"2021-06-18T16:41:22","modified_gmt":"2021-06-18T14:41:22","slug":"wenn-christus-mich-will-dann-halt-er-mich-auch-dann-wird-er-immer-da-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1390","title":{"rendered":"Wenn Christus mich will, dann h\u00e4lt er mich auch, dann wird er immer da sein"},"content":{"rendered":"<h1>Predigt an Seminaristen von Papst Benedikt XVI. am 24. September 2011<\/h1>\n<figure id=\"attachment_6365\" aria-describedby=\"caption-attachment-6365\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?attachment_id=6365\" rel=\"attachment wp-att-6365\"><img data-opt-id=2035738346  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6365\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png\" alt=\"Bild: berlinertageszeitung.de\" width=\"278\" height=\"209\" srcset=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:715\/h:538\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png 715w, https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:300\/h:226\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Emer.-Papst-Benedikt-XVI.-auf-der-Stufe-Petri.png 300w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6365\" class=\"wp-caption-text\">Papst Benedikt XVI.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Liebe Seminaristen, liebe Schwestern und Br\u00fcder!<br \/>\nF\u00fcr mich ist es eine gro\u00dfe Freude, dass ich hier mit jungen Menschen zusammen kommen darf, die sich auf den Weg machen, um dem Herrn zu dienen, die auf seinen Ruf horchen und ihm folgen wollen. Besonders herzlich m\u00f6chte ich danken f\u00fcr den sch\u00f6nen Brief den der Herr Regenz und die Seminaristen mir geschrieben haben. Es hat mich wirklich ins Herz ber\u00fchrt, wie Sie meinen Brief bedacht und daraus Ihre Fragen und Ihre Antworten entwickelt haben, mit welchem Ernst Sie aufnehmen, was ich da vorzustellen versucht habe, und von daher Ihren eigenen Weg entwickeln.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1390-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3<\/a><\/audio>\n<p><!--more-->Das Sch\u00f6nste w\u00e4re nat\u00fcrlich, wenn wir ein Gespr\u00e4ch miteinander f\u00fchren k\u00f6nnten, aber der Reiseplan, unter dem ich stehe und dem ich gehorchen muss, l\u00e4sst leider solche Sachen nicht zu. So kann ich nur ein paar Gedanken versuchen, im Anschluss an dem, was ihr geschrieben habt und was ich geschrieben hatte, noch einmal herauszustellen.<br \/>\nBei der Frage: Wozu geh\u00f6rt das Seminar? Was bedeutet diese Zeit?, bewegt mich immer wieder am meisten, eigentlich, wie der heilige Markus im Kapitel 3 des Evangeliums das Werden der Apostelgemeinschaft beschreibt. Er sagt: \u201eDer Herr machte 12\u201c, er schafft etwas, er tut etwas, es ist ein sch\u00f6pferischer Akt. \u201eUnd er machte sie, damit sie mit ihm seien und damit er sie sende\u201c: Das ist ein doppelter Wille, der manchen in sich widerspr\u00fcchlich scheint. Damit sie mit ihm seien: sie sollen bei ihm sein um ihn kennenzulernen, um von ihm zu h\u00f6ren, von ihm sich formen zu lassen; mit ihm gehen, mit ihm auf den Weg, um ihn herum und hinter ihm. Aber gleichzeitig sollen sie Gesandte sein, die weggehen, die hinaustragen was sie gelernt haben, die es zu den anderen Menschen bringen die unterwegs sind, in die Peripherie, ins Weite hinein, auch in das was weit von ihm entfernt ist. Und doch geh\u00f6rt diese Paradoxie zusammen: Wenn sie wirklich mit ihm sind, dann sind sie immer auch unterwegs zu den anderen, dann sind sie auf der Suche nach dem verlorenen Schaf, dann gehen sie hin, dann m\u00fcssen sie weitergeben, was sie gefunden haben, dann m\u00fcssen sie ihn bekannt machen, Gesandte werden. Und umgekehrt, wenn sie rechte Gesandte sein wollen, dann m\u00fcssen sie immer bei ihm sein. Der heilige Bonaventura hat einmal gesagt: Die Engel, wo immer sie sich auch hinbewegen, wie weit auch, sie bewegen sich immer im Inneren Gottes. So ist es da auch: Als Priester m\u00fcssen wir hinausgehen in die vielf\u00e4ltigen Strassen, an denen Menschen stehen, die wir einladen sollen zu seinem Hochzeitsmahl. Aber wir k\u00f6nnen es nur tun, indem wir dabei immer bei ihm bleiben. Und dies zu lernen, dieses Miteinander von Hinausgehen, von Sendung und von mit-ihm-sein, von bleiben bei ihm ist \u2013 glaube ich \u2013 das, was wir gerade im Priesterseminar zu erlernen haben. Das rechte Bleiben mit ihm, das tiefe in ihm eingewurzelt werden, immer mehr mit ihm sein, immer mehr ihn kennen, immer mehr sich nicht von ihm trennen und zugleich immer mehr hinausgehen, Botschaft bringen, weitergeben, nicht f\u00fcr sich behalten sondern das Wort zu denen bringen die fern sind, und die doch alle als Gesch\u00f6pfe Gottes und als von Christus Geliebte die Sehnsucht nach ihm im Herzen tragen.<br \/>\nSeminar ist also eine Zeit der Ein\u00fcbung; nat\u00fcrlich auch des Unterscheidens, der Erlernens: Will er mich daf\u00fcr? Die Sendung muss gepr\u00fcft werden und dazu geh\u00f6rt dann das Miteinander und geh\u00f6rt nat\u00fcrlich das Gespr\u00e4ch mit den geistlichen F\u00fchrern, die Sie haben, um unterscheiden zu lernen, was sein Wille ist. Und dann das Vertrauen zu lernen, wenn er es wirklich will, dann darf ich mich ihm anvertrauen. In der heutigen Welt, die sich so unerh\u00f6rt \u00e4ndert und in der alles immer wieder anders wird, in der menschliche Bindungen zerfallen, weil neue Begegnungen auftreten, wird es immer schwerer zu glauben, ich werde ein Leben lang standhalten. Es war schon f\u00fcr uns in unserer Zeit nicht ganz leicht sich vorzustellen, wie viele Jahrzehnte vielleicht Gott mir zudenkt, wie anders die Welt werden wird; werde ich es durchhalten mit ihm, so wie ich es versprochen habe \u2026 Es ist eine Frage, die eben das Pr\u00fcfen der Sendung verlangt aber dann auch, je mehr ich erkenne: Er will mich, das Vertrauen: Wenn er mich will, dann h\u00e4lt er mich auch, dann wird er in der Stunde der Verf\u00fchrung, in der Stunde der Not da sein und wird mir Menschen geben, wird mir Wege geben, wird mich halten. Und Treue ist m\u00f6glich, weil er immer da ist und weil er gestern, heute und morgen ist, weil er nicht nur dieser Zeit zugeh\u00f6rt, sondern Zukunft ist und in jeder Stunde uns tragen kann.<br \/>\nEine Zeit der Unterscheidung, des Erlernens, der Berufung \u2026 Und dann, nat\u00fcrlich, als Zeit des Mit-ihm-seins, eine Zeit des Betens, des H\u00f6rens auf ihm. H\u00f6ren, wirklich ihn h\u00f6ren lernen, im Wort der Heiligen Schrift, im Glauben der Kirche, in der Liturgie der Kirche und das Heute in seinem Wort erlernen. In der Exegese lernen wir viel \u00fcber das Gestern: Was da alles war, welche Quellen das sind, welche Gemeinden waren, und so weiter. Ist auch wichtig. Aber noch wichtiger ist, dass wir in diesem Gestern das Heute erlernen, dass er jetzt mit diesen Worten spricht, und dass Sie alle Ihr Heute in sich tragen und dass Sie \u00fcber den historischen Anfang hinaus eine F\u00fclle in sich tragen, die zu allen Zeiten spricht. Und diese Gegenw\u00e4rtigkeit seines Redens erlernen, h\u00f6ren lernen, und damit den anderen Menschen sagen zu k\u00f6nnen ist wichtig. Nat\u00fcrlich, wenn man die Predigt f\u00fcr den Sonntag vorbereitet, ist es oft \u2026 mein Gott, es ist so weit weg! Aber wenn ich mit dem Wort lebe, dann sehe ich, es ist gar nicht weit weg, es ist h\u00f6chst aktuell, es ist jetzt da, es geht mich an und geht die anderen an. Und dann lerne ich auch, es auszulegen. Aber dazu ist ein best\u00e4ndiger innerer Weg mit dem Wort Gottes n\u00f6tig.<br \/>\nDas pers\u00f6nliche Sein mit Christus, mit dem lebendigen Gott ist das eine; das andere ist, dass wir immer nur im \u201eWir\u201c glauben k\u00f6nnen. Ich sage manchmal, der heilige Paulus hat geschrieben: \u201eGlaube kommt vom H\u00f6ren, nicht vom Lesen\u201c. Er braucht auch das Lesen, aber vom H\u00f6ren, das hei\u00dft vom lebendigen Wort, vom Zuspruch des Anderen, den ich h\u00f6ren kann, vom Zuspruch der Kirche durch alle Zeiten, von ihrem jetzigen, durch die Priester und Bisch\u00f6fe, durch die Mitmenschen, die mir das Wort geben \u2013 zum Glauben geh\u00f6rt das \u201eDu\u201c und zum Glauben geh\u00f6rt das \u201eWir\u201c. Und gerade das Sich-ertragen \u00fcben ist etwas ganz wichtiges; das lernen, den anderen anzunehmen als den andern in seiner Andersheit, und zu erlernen dass er mich ertragen muss in meiner Andersheit, und \u201eWir\u201c zu werden damit wir einmal auch in der Pfarrei Gemeinschaft bilden k\u00f6nnen, Menschen in die Gemeinsamkeit des Wortes hineinrufen k\u00f6nnen und miteinander auf dem Weg zum lebendigen Gott sind. Dazu geh\u00f6rt dieses ganz konkrete \u201eWir\u201c, wie es das Seminar ist, wie es dann die Pfarrei ist. Aber dann auch immer das Hinausschauen \u00fcber das konkrete, beschrankte \u201eWir\u201c ins gro\u00dfe \u201eWir\u201c der Kirche aller Orte und Zeiten hinein; dass wir uns nicht allein zu Ma\u00df nehmen. Wenn wir sagen: Wir sind Kirche, ja es ist wahr. Wir sind es, nicht irgendjemand. Aber das \u201ewir\u201c ist weiter als die Gruppe, die das gerade sagt. Das \u201eWir\u201c ist die ganze Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, heute und aller Orten und Zeiten. Und ich sag dann immer: In der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, ja, gibt es sozusagen den Spruch der g\u00fcltigen Mehrheit, aber es kann nie eine Mehrheit gegen die Apostel, gegen die Heiligen geben: Das ist dann eine falsche Mehrheit. Wir sind Kirche: Seien wir es, seien wir es gerade dadurch, dass wir uns \u00f6ffnen und hinausgehen \u00fcber uns selber und es mit den anderen sind.<br \/>\nJa, ich glaube von dem Plan her muss ich wahrscheinlich Schluss machen, jetzt. Ich m\u00f6chte Ihnen nur einen Punkt noch sagen. Zum Bereitwerden f\u00fcr das Priestertum, zum Weg dahin, geh\u00f6rt vor allem auch das Studieren. Das ist nicht eine akademische Zuf\u00e4lligkeit, die sich in der westlichen Kirche ausgebildet hat, sondern wesentlich. Wir alle wissen, dass der heilige Petrus gesagt hat: \u201eSeid jederzeit bereit, die Vernunft, den Logos eures Glaubens als Antwort denen zu geben, die danach fragen\u201c. Unsere Welt, heute, ist eine rationalistische und verwissenschaftlichte Welt, wenn oft auch sehr scheinwissenschaftlich. Aber der Geist der Wissenschaftlichkeit, des Verstehens, der Erkl\u00e4rens, des Wissenk\u00f6nnens, des Ablehnens des Nichtrationalen ist beherrschend in unserer Zeit. Das hat auch sein Grosses, wenn auch viel Anma\u00dfung und Verkehrtheit dahinter sich oft verbirgt. Und der Glaube ist nicht eine Gef\u00fchlsnebenwelt, die wir dann uns auch noch leisten, sondern er ist das, was das Ganze umgreift und ihm Sinn gibt und es deutet und ihm auch die innere ethische Weisung gibt, dass es auf Gott hin und von Gott her verstanden und gelebt sei. Deswegen ist es wichtig, Bescheid zu wissen, zu verstehen, die Vernunft ge\u00f6ffnet zu haben, zu lernen. Nat\u00fcrlich werden in 20 Jahren schon wieder ganz andere philosophische Theorien Mode sein als heute: Wenn ich denke, was bei uns h\u00f6chste, modernste philiosophische Mode war und wie vergessen das alles ist \u2026 Trotzdem ist es nicht umsonst, dies zu lernen, denn es sind auch best\u00e4ndige Erkenntnisse dabei. Und vor allem, lernen wird darin \u00fcberhaupt zu urteilen, mitzudenken \u2013 kritisch mitzudenken \u2013 und zu helfen, dass in dem Denken das Licht Gottes uns erleuchtet und nicht erlischt. Studieren ist wesentlich: Nur so k\u00f6nnen wir dieser Zeit standhalten und in ihr den Logos unseres Glaubens verk\u00fcnden. Auch kritisch studieren, eben in dem Wissen, morgen wird ein anderer anderes sagen; aber wach und offen und dem\u00fctig Lernende zu sein, um immer mit dem Herrn, vor dem Herrn und f\u00fcr ihn Lernende zu bleiben.<br \/>\nJa, ich konnte noch manches sagen, sollte ich vielleicht \u2026 Aber ich danke f\u00fcr das Zuh\u00f6ren, und im Gebet sind alle Seminaristen der Welt in meinem Herzen pr\u00e4sent. Nicht so sch\u00f6n einzelne Namen, wie ich sie jetzt hier empfangen habe, aber doch in dem inneren Hingehen zum Herrn, dass er alle segnet, allen Licht gibt und den rechten Weg zeigt, und dass er uns schenkt, viele gute Priester zu bekommen. Herzlichen Dank.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3) von Radio Vatikan: Papst in D 2011 &#8211; Seminaristen am 24.September2011:<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1390-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/2011-09-24-Papst-in-D-2011-Seminaristen.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext von Radio Vatikan, Artikel von 24\/09\/2011 20.20.37 (PDF)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/?attachment_id=37393\" rel=\"attachment wp-att-37393\">2011-09-24 Papst in D 2011 &#8211; Seminaristen<\/a><\/li>\n<li>\n<p id=\"firstHeading\" class=\"firstHeading\" lang=\"de\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Papstbesuch_in_Deutschland_2011\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papstbesuch in Deutschland 2011<\/a> (Wikipedia)<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt an Seminaristen von Papst Benedikt XVI. am 24. 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