{"id":1168,"date":"2013-01-07T21:51:21","date_gmt":"2013-01-07T20:51:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1168"},"modified":"2021-06-21T16:51:58","modified_gmt":"2021-06-21T14:51:58","slug":"gerechtigkeit-verwirklicht-sich-nur-wenn-es-gerechte-menschen-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1168","title":{"rendered":"Gerechtigkeit verwirklicht sich nur, wenn es gerechte Menschen gibt!"},"content":{"rendered":"<h1>Rede von Papst Benedikt XVI. an das Diplomatische Corps<\/h1>\n<p>Um den Frieden auf der Welt zu erreichen, muss an erster Stelle die W\u00fcrde des ganzen Menschen gewahrt werden. Das ist Kernbotschaft der Rede des Papstes an das Diplomatische Corps, die Benedikt XVI. am Montag, 7. Januar 2013\u00a0im Vatikan hielt. 179 Botschafter nahmen an dem Treffen teil. Dazu waren auch Vertreter der Europ\u00e4ischen Union, des Souver\u00e4nen Milit\u00e4rordens von Malta sowie der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde gekommen. In seiner Rede an das Diplomatische Corps ging der Papst auf die Herausforderungen in den einzelnen Kontinenten ein. <!--more-->Exzellenzen! Sehr geehrte Damen und Herren!<br \/>\nEs ist mir eine Freude, Sie, gesch\u00e4tzte Mitglieder des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps, wie zu Beginn eines jeden neuen Jahres zu empfangen und Ihnen meine pers\u00f6nlichen Gr\u00fc\u00dfe und W\u00fcnsche auszusprechen. Darin schlie\u00dfe ich gerne die Nationen ein, die Sie vertreten und die ich meines fortw\u00e4hrenden Gedenkens und meines Gebetes versichere. Ich danke besonders dem Doyen Botschafter Alejandro Valladares Lanza sowie dem Vize-Doyen Botschafter Jean-Claude Michel f\u00fcr die ehrerbietigen Worte, die sie in Ihrer aller Namen an mich gerichtet haben. Insbesondere m\u00f6chte ich dann diejenigen begr\u00fc\u00dfen, die zum ersten Mal an dieser Begegnung teilnehmen. Ihre Anwesenheit ist ein bedeutsames und gesch\u00e4tztes Zeichen f\u00fcr die fruchtbaren Beziehungen, welche die katholische Kirche auf der ganzen Welt mit den staatlichen Autorit\u00e4ten unterh\u00e4lt. Es handelt sich um einen Dialog, dem das ganzheitliche Wohl jedes Menschen \u2013 das geistige und das materielle \u2013 am Herzen liegt und der danach strebt, \u00fcberall seine transzendente W\u00fcrde zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<h1>Kirche umfasst das ganze Universum und mit ihm alle V\u00f6lker, Kulturen und Traditionen<\/h1>\n<p>Wie ich in meiner Ansprache anl\u00e4sslich des letzten \u00f6ffentlichen ordentlichen Konsistoriums zur Kreierung neuer Kardin\u00e4le gesagt habe, \u201eist die Kirche von Anfang an kat\u2019holon ausgerichtet, sie umfasst das ganze Universum\u201c und mit ihm alle V\u00f6lker, Kulturen und Traditionen. Diese \u201eAusrichtung\u201c stellt keine Einmischung in das Leben der verschiedenen Gesellschaften dar, sondern dient vielmehr dazu, das rechte Gewissen ihrer B\u00fcrger zu erleuchten und sie einzuladen, f\u00fcr das Wohl jedes Menschen und den Fortschrift der Menschheit zu arbeiten. In dieser Perspektive und um die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat im Dienst am Gemeinwohl zu f\u00f6rdern, wurden im vergangenen Jahr bilaterale Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Burundi wie auch mit \u00c4quatorialguinea unterzeichnet, und jenes mit Montenegro wurde ratifiziert. In demselben Geist beteiligt sich der Heilige Stuhl an den Arbeiten verschiedener internationaler Organisationen und Institutionen. Diesbez\u00fcglich freue ich mich, dass im vergangenen Dezember sein Antrag auf einen extraregionalen Beobachterstatus beim Zentralamerikanischen Integrationssystem angenommen wurde, auch aufgrund des Beitrags, den die katholische Kirche in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft in dieser Region leistet. Die Besuche einiger Staats- und Regierungschefs im Laufe des vergangenen Jahres wie auch die unvergesslichen Apostolischen Reisen nach Mexiko und Kuba sowie in den Libanon waren g\u00fcnstige Gelegenheiten, um das staatsb\u00fcrgerliche Engagement der Christen in diesen L\u00e4ndern zu st\u00e4rken wie auch die W\u00fcrde des Menschen und die Grundlagen des Friedens zu f\u00f6rdern.<br \/>\nAn dieser Stelle m\u00f6chte ich auch gerne die wertvolle Arbeit erw\u00e4hnen, die von den P\u00e4pstlichen Vertretern im st\u00e4ndigen Dialog mit Ihren Regierungen geleistet wird. Ich erinnere besonders an die Wertsch\u00e4tzung, der sich der Apostolische Nuntius in C\u00f4te d\u2019Ivoire Erzbischof Ambrose Madtha erfreute, der vor einem Monat zusammen mit seinem Chauffeur auf tragische Weise bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.<\/p>\n<h1>Die Wahrheit kennen, die Gerechtigkeit \u00fcben und in Frieden leben<\/h1>\n<p>Meine Damen und Herren Botschafter! Das Lukasevangelium berichtet, dass die Hirten in der Weihnachtsnacht die Engelsch\u00f6re geh\u00f6rt haben, die Gott lobten und den Frieden f\u00fcr die Menschheit verk\u00fcndeten. Der Evangelist hebt so die enge Beziehung zwischen Gott und dem sehnlichen Wunsch der Menschen aller Zeiten hervor, die Wahrheit zu kennen, die Gerechtigkeit zu \u00fcben und in Frieden zu leben (vgl. sel. Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris: AAS 55 [1963], 257). Heute ist man manchmal verleitet zu denken, dass Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden Utopien seien und sich gegenseitig ausschlie\u00dfen. Die Wahrheit zu kennen scheint unm\u00f6glich, und die Anstrengungen, sie zu bekr\u00e4ftigen, scheinen oft in Gewalt zu m\u00fcnden. Andererseits besteht nach einer inzwischen weitverbreiteten Auffassung das Engagement f\u00fcr den Frieden nur in der Suche nach Kompromissen, die das Zusammenleben zwischen den V\u00f6lkern oder unter den B\u00fcrgern innerhalb einer Nation gew\u00e4hrleisten. Aus christlicher Sicht hingegen gibt es eine enge Verbindung zwischen der Verherrlichung Gottes und dem Frieden der Menschen auf Erden, so dass der Friede nicht von einem blo\u00df menschlichen Bem\u00fchen kommt, sondern Teilnahme an der Liebe Gottes selbst ist. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Und es ist gerade die Gottvergessenheit und nicht seine Verherrlichung, die Gewalt erzeugt.<\/span><\/strong> Wenn man n\u00e4mlich aufh\u00f6rt, sich auf eine objektive und transzendente Wahrheit zu beziehen, wie ist es dann m\u00f6glich, einen echten Dialog zu f\u00fchren? Wie kann man in diesem Fall vermeiden, dass offene und versteckte Gewalt zur letzten Regel der menschlichen Beziehungen werden? Ohne eine Offenheit auf das Transzendente hin wird der Mensch tats\u00e4chlich leicht zur <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Beute des Relativismus<\/strong><\/span>, und dann f\u00e4llt es ihm schwer, gerecht zu handeln und sich f\u00fcr den Frieden einzusetzen.<br \/>\nZu den Ausdrucksformen der Gottvergessenheit kann man jene hinzuf\u00fcgen, die auf die Unkenntnis seines wahren Gesichts zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese ist die Ursache eines sch\u00e4dlichen Fanatismus religi\u00f6sen Ursprungs, der auch im Jahr 2012 in einigen hier vertretenen L\u00e4ndern Opfer gefordert hat. Wie ich schon einmal gesagt habe, handelt es sich um eine Verzerrung der Religion selbst, da diese doch im Gegenteil danach strebt, den Menschen mit Gott zu vers\u00f6hnen, die Gewissen zu erleuchten und zu reinigen und deutlich zu machen, dass jeder Mensch ein Abbild des Sch\u00f6pfers ist.<\/p>\n<h1>Verherrlichung Gottes und der Friede auf Erden sind eng miteinander verbunden<\/h1>\n<p>Wenn also die Verherrlichung Gottes und der Friede auf Erden eng miteinander verbunden sind, so scheint es offensichtlich, dass der Friede zugleich Gabe Gottes und Aufgabe des Menschen ist, weil dieser seine freie und bewusste Antwort erfordert. Aus diesem Grund habe ich die j\u00e4hrliche Botschaft zum Weltfriedenstag mit dem Titel \u201eSelig, die Frieden stiften\u201c \u00fcberschrieben. Vor allem auf den Vertretern des \u00f6ffentlichen und politischen Lebens liegt die gro\u00dfe Verantwortung, f\u00fcr den Frieden zu arbeiten. Sie sind als erste aufgerufen, die zahlreichen Konflikte zu l\u00f6sen, die fortw\u00e4hrend die Menschheit mit Blut \u00fcberziehen, angefangen bei der im Plan Gottes privilegierten Region des Nahen Ostens. Ich denke zun\u00e4chst an Syrien, das unabl\u00e4ssig von Massakern zerrissen wird und Schauplatz schrecklicher Leiden unter der Zivilbev\u00f6lkerung ist. Ich erneuere meinen Aufruf, die Waffen niederzulegen, damit so bald wie m\u00f6glich der konstruktive Dialog ma\u00dfgebend wird, um einen Konflikt zu beenden, in dem es keine Sieger, sondern nur Verlierer geben wird und der, wenn er andauert, nur ein Feld von Ruinen zur\u00fccklassen wird. Meine Damen und Herren Botschafter, ich bitte Sie, Ihre Regierungen weiter daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass dringend die unerl\u00e4sslichen Hilfen bereitgestellt werden, um der ernsten humanit\u00e4ren Lage entgegenzutreten. Sehr aufmerksam schaue ich sodann auf das Heilige Land. Im Anschluss an die Zuerkennung des Beobachterstatus als Nichtmitgliedsstaat der Vereinten Nationen an Pal\u00e4stina wiederhole ich den Wunsch, dass mit der Unterst\u00fctzung der internationalen Gemeinschaft Israelis und Pal\u00e4stinenser sich f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben im Rahmen zweier souver\u00e4ner Staaten einsetzen, wo die Einhaltung der Gerechtigkeit und die legitimen Bestrebungen beider V\u00f6lker gewahrt und garantiert werden.<\/p>\n<h1>Jerusalem bedeutet Stadt des Friedens!<\/h1>\n<p>Jerusalem, werde was dein Name bedeutet! Stadt des Friedens und nicht der Spaltung; Prophetie des Reiches Gottes und nicht Botschaft der Instabilit\u00e4t und des Gegeneinanders! Meine Gedanken gehen ferner zur gesch\u00e4tzten irakischen Bev\u00f6lkerung. Ich w\u00fcnsche, dass sie den Weg der Vers\u00f6hnung geht, um zur ersehnten Stabilit\u00e4t zu gelangen. Im Libanon, dessen verschiedene wesentliche Realit\u00e4ten ich im vergangenen September kennengelernt habe, m\u00f6ge die Vielfalt an religi\u00f6sen Traditionen von allen als ein wahrer Reichtum f\u00fcr das Land und die ganze Region gepflegt werden und m\u00f6gen die Christen ein wirksames Zeugnis geben f\u00fcr den Aufbau einer Zukunft in Frieden mit allen Menschen guten Willens. Auch in Nordafrika ist die Zusammenarbeit aller Teile der Gesellschaft vorrangig. Jedem von ihnen mu\u00df das volle B\u00fcrgerrecht garantiert werden, die Freiheit, \u00f6ffentlich seine Religion zu bekennen, und die M\u00f6glichkeit, zum Gemeinwohl beizutragen. Ich versichere allen \u00c4gyptern meine N\u00e4he und mein Gebet in dieser Zeit, da neue Institutionen eingesetzt werden. Mit Blick auf das subsaharische Afrika ermutige ich die Bem\u00fchungen, den Frieden aufzubauen, besonders dort, wo die Wunden der Kriege noch offen sind und wo die Last der humanit\u00e4ren Folgen gro\u00df ist. Ich denke besonders an die Region am Horn von Afrika wie auch an den Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo die Gewalt von neuem aufgeflammt ist und viele Menschen gezwungen hat, ihre H\u00e4user, ihre Familien und Lebensbereiche zu verlassen. Gleichzeitig kann ich andere Bedrohungen nicht unerw\u00e4hnt lassen, die sich am Horizont abzeichnen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ist Nigeria Schauplatz terroristischer Attentate, die Opfer fordern \u2013 vor allem unter Christen, die zum Gebet versammelt sind, so als wolle der Hass die St\u00e4tten des Gebets und des Friedens in ebenso viele Orte der Angst und der Spaltung verwandeln. Mit gro\u00dfer Trauer habe ich vernommen, dass selbst in den Tagen, an denen wir Weihnachten feiern, Christen auf barbarische Weise umgebracht wurden. Auch Mali wird von Gewalt zerr\u00fcttet und von einer tiefen institutionellen und gesellschaftlichen Krise heimgesucht, die eine effiziente Wachsamkeit seitens der internationalen Gemeinschaft ausl\u00f6sen mu\u00df. Ich hoffe, dass in der Republik Zentralafrika die f\u00fcr die kommenden Tage angek\u00fcndigten Verhandlungen die Stabilit\u00e4t wiederherstellen und der Bev\u00f6lkerung ersparen, die Furcht des B\u00fcrgerkrieges wieder zu erleben.<\/p>\n<h1>Aufbau des Friedens: Schutz des Menschen und seiner Grundrechte<\/h1>\n<p>Der Aufbau des Friedens geht immer wieder neu \u00fcber den Schutz des Menschen und seiner Grundrechte. Dieses Ziel, auch wenn es auf verschiedene Weise und unterschiedlich intensiv verfolgt wird, fordert alle L\u00e4nder heraus und mu\u00df unentwegt von der transzendenten W\u00fcrde des Menschen und von den seiner Natur eingeschriebenen Prinzipien inspiriert werden. Unter diesen steht an erster Stelle die Achtung des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen. In dieser Hinsicht habe ich mich gefreut, dass eine Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Januar letzten Jahres das Verbot der Euthanasie gefordert hat im Sinne vors\u00e4tzlicher T\u00f6tung eines abh\u00e4ngigen Menschen durch eine Tat oder Unterlassung. Zugleich mu\u00df ich mit Trauer feststellen, dass verschiedene L\u00e4nder, auch solche christlicher Tradition, daran gearbeitet haben, eine Gesetzgebung einzuf\u00fchren oder auszuweiten, welche die Abtreibung straffrei stellt. Die direkte, d. h. als Ziel oder Mittel gewollte Abtreibung steht schwer im Gegensatz zum Sittengesetz. Wenn die Kirche dies feststellt, fehlt es ihr nicht an Verst\u00e4ndnis und Wohlwollen gegen\u00fcber der Mutter. Es geht vielmehr darum, dar\u00fcber zu wachen, dass das Gesetz nicht dahin gelangt, das Gleichgewicht zwischen dem Recht auf Leben der Mutter und dem Recht des Kindes geboren zu werden, die beide von gleicher Art sind, ungerecht zu ver\u00e4ndern. In dieser Frage bereitet ebenso Sorge die j\u00fcngste Entscheidung des interamerikanischen Gerichtshofes f\u00fcr Menschenrechte hinsichtlich der In-vitro-Fertilisation, die den Augenblick der Empf\u00e4ngnis willk\u00fcrlich bestimmt und die Verteidigung des werdenden Lebens schw\u00e4cht.<br \/>\nLeider gibt es vor allem in der westlichen Welt viele Missverst\u00e4ndnisse \u00fcber die Bedeutung der Menschenrechte und der damit verbundenen Pflichten. Die Rechte werden oft mit \u00fcbertriebenen Ausdrucksformen der Autonomie des Menschen verwechselt, die selbstbezogen wird, nicht mehr offen ist f\u00fcr die Begegnung mit Gott und mit den anderen und die sich verschlie\u00dft in der Suche, allein die eigenen Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Im Gegenteil, die Verteidigung der Rechte mu\u00df den Menschen in seiner Ganzheit als Person und Gemeinschaftswesen betrachten \u2013 dann ist sie authentisch.<\/p>\n<h1>Sinn der Arbeit und ein ihr angemessener Profit wiederfinden<\/h1>\n<p>Wenn wir nun unsere \u00dcberlegungen fortf\u00fchren, lohnt es sich zu unterstreichen, dass die Bildung ein weiterer bevorzugter Weg f\u00fcr den Aufbau des Friedens ist. Dies lehrt uns unter anderem die gegenw\u00e4rtige Wirtschafts- und Finanzkrise. Diese ist entstanden, weil der Profit zu oft auf Kosten der Arbeit verabsolutiert wurde und weil man sich ungez\u00fcgelt eher auf die Wege der Finanzwirtschaft eingelassen hat, als auf die Wege der realen Wirtschaft zu setzen. Es ist daher notwendig, den Sinn der Arbeit und eines ihr angemessenen Profits wiederzufinden. Hierf\u00fcr ist es n\u00fctzlich, dahin zu erziehen, den Versuchungen von kurzfristigen Sonderinteressen zu widerstehen, um sich vielmehr am Gemeinwohl zu orientieren. Andererseits ist es dringlich, die Leader heranzubilden, die in der Zukunft die nationalen und internationalen Institutionen leiten werden (vgl. Botschaft zum 46. Weltfriedenstag 2013, 8. Dezember 2012, Nr. 6). Auch die Europ\u00e4ische Union braucht weitsichtige und qualifizierte Vertreter, um die schwierigen Entscheidungen zu treffen, die notwendig sind, um ihre Wirtschaft zu sanieren und solide Grundlagen f\u00fcr ihre Entwicklung zu schaffen. Allein m\u00f6gen vielleicht einige L\u00e4nder schneller vorw\u00e4rtskommen, aber gemeinsam kommen alle gewiss noch weiter! Wenn der Differentialindex zwischen den Finanzsteuern Anlass zur Sorge gibt, m\u00fcssten die zunehmenden Unterschiede zwischen wenigen, die immer reicher werden, und vielen, die hoffnungslos \u00e4rmer werden, Best\u00fcrzung erwecken. Mit einem Wort, es geht darum, sich nicht mit dem \u201eSpread des sozialen Wohlstands\u201c abzufinden, w\u00e4hrend der Finanzspread bek\u00e4mpft wird.<br \/>\nIn die Bildung in den Entwicklungsl\u00e4ndern in Afrika, Asien und Lateinamerika zu investieren bedeutet, ihnen zu helfen, die Armut und die Krankheiten zu besiegen wie auch gerechte Rechtssysteme zu schaffen, die die Menschenw\u00fcrde achten. Es ist unstreitig, dass gute Wirtschaftsmodelle nicht ausreichen, um Gerechtigkeit in die Tat umzusetzen, so sehr sie auch notwendig sind. <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Gerechtigkeit verwirklicht sich nur, wenn es gerechte Menschen gibt!<\/strong><\/span> Den Frieden aufbauen hei\u00dft daher, die Menschen zu erziehen, Korruption, Kriminalit\u00e4t, Drogenproduktion und -handel zu bek\u00e4mpfen. Es bedeutet ebenso, Spaltungen und Spannungen zu vermeiden, welche die Gesellschaft aufzureiben drohen, weil sie ihre Entwicklung und das friedliche Zusammenleben behindern.<\/p>\n<h1>Verst\u00f6\u00dfe gegen die Religionsfreiheit gef\u00e4hrdet gesellschaftlichen Frieden<\/h1>\n<p>Unseren heutigen Ausf\u00fchrungen m\u00f6chte ich weiter anf\u00fcgen, dass der gesellschaftliche Friede auch durch gewisse Verst\u00f6\u00dfe gegen die Religionsfreiheit gef\u00e4hrdet wird: Manchmal handelt es sich um die Marginalisierung der Religion im gesellschaftlichen Leben; in anderen F\u00e4llen um Intoleranz oder sogar Gewalt gegen Personen, Identit\u00e4tssymbole und religi\u00f6se Institutionen. Es kommt auch vor, dass Gl\u00e4ubige \u2013 besonders Christen \u2013 daran gehindert werden, durch ihre Bildungs- und F\u00fcrsorgeeinrichtungen zum Gemeinwohl beizutragen. Um die Aus\u00fcbung der Religionsfreiheit wirksam zu sch\u00fctzen, ist dann notwendig, das Recht auf Einwand aus Gewissengr\u00fcnden zu respektieren. Diese \u201eGrenze\u201c der Freiheit ber\u00fchrt Prinzipien von gro\u00dfer Bedeutung und von ethischem und religi\u00f6sem Charakter, die in der W\u00fcrde des Menschen selbst verwurzelt sind. Sie sind wie die \u201eTragmauern\u201c einer jeden Gesellschaft, die wirklich frei und demokratisch sein will. Den Einwand aus Gewissensgr\u00fcnden des einzelnen oder von Institutionen im Namen der Freiheit und des Pluralismus zu verbieten, w\u00fcrde folglich bedeuten, doch paradoxerweise der Intoleranz und der erzwungenen Gleichmachung die T\u00fcren zu \u00f6ffnen.<br \/>\nIn einer Welt mit immer offeneren Grenzen den Frieden durch den Dialog aufzubauen, ist im \u00fcbrigen nicht eine M\u00f6glichkeit, zu der man sich entscheiden kann, sondern eine Notwendigkeit! Aus dieser Sicht ist die gemeinsame Erkl\u00e4rung des Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz und des Patriarchen von Moskau, die im vergangenen August unterzeichnet wurde, ein bedeutungsvolles Zeichen, das den Gl\u00e4ubigen gegeben wurde, um die Beziehungen zwischen dem russischen und dem polnischen Volk zu f\u00f6rdern. Ebenso m\u00f6chte ich das j\u00fcngste Friedensabkommen auf den Philippinen erw\u00e4hnen und die Rolle des Dialogs zwischen den Religionen f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben in der Region Mindanao hervorheben.<\/p>\n<h1>N\u00e4chstenliebe erf\u00fcllt und vervollst\u00e4ndigt den Frieden<\/h1>\n<p>Exzellenzen! Meine Damen und Herren!Am Ende der Enzyklika Pacem in terris, deren f\u00fcnfzigster Jahrestag in diesem Jahr gefeiert wird, hat mein Vorg\u00e4nger, der selige Johannes XXIII., daran erinnert, dass der Friede nur \u201eein leeres Wort\u201c bleibt, wenn er nicht von der N\u00e4chstenliebe erf\u00fcllt und vervollst\u00e4ndigt wird (vgl. AAS 55 [1963], 303). Diese steht auch im Mittelpunkt des diplomatischen Wirkens des Heiligen Stuhls und vor allem der Sorge des Nachfolgers Petri und der ganzen katholischen Kirche. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">N\u00e4chstenliebe ersetzt nicht verneinte Gerechtigkeit, aber andererseits erg\u00e4nzt Gerechtigkeit auch nicht verweigerte N\u00e4chstenliebe.<\/span><\/strong> Die Kirche \u00fcbt t\u00e4glich die N\u00e4chstenliebe in ihren F\u00fcrsorgewerken wie Spit\u00e4lern und Krankenstationen, in ihren Bildungseinrichtungen wie Waisenh\u00e4usern, Schulen, Kollegien und Universit\u00e4ten sowie durch die Betreuung der Bev\u00f6lkerungen in Not, besonders w\u00e4hrend und nach Konflikten. Im Namen der N\u00e4chstenliebe m\u00f6chte die Kirche auch all jenen nahe sein, die infolge von Naturkatastrophen leiden. Ich denke an die Opfer der \u00dcberschwemmungen in S\u00fcdostasien und des Hurrikans, der die Ostk\u00fcste der Vereinigten Staaten von Amerika getroffen hat. Ich denke auch an jene, die unter dem starken Erdbeben gelitten haben, das einige Regionen Norditaliens zerst\u00f6rt hat. Wie Sie wissen, habe ich mich pers\u00f6nlich an diese Orte begeben und dort den sehnlichen Wunsch sehen k\u00f6nnen, wieder aufzubauen, was zerst\u00f6rt wurde. In diesem Moment der Geschichte Italiens w\u00fcnsche ich, dass dieser Geist des Durchhalteverm\u00f6gens und des gemeinsamen Engagements die ganze gesch\u00e4tzte Nation belebe.<\/p>\n<h1>Es ist Gott, von dem die Ordnung und der Friede auf Erden kommt<\/h1>\n<p>Am Schluss dieser Begegnung m\u00f6chte ich daran erinnern, dass der Diener Gottes Papst Paul VI. am Ende des II. Vatikanischen Konzils \u2013 seine Er\u00f6ffnung war vor f\u00fcnfzig Jahren \u2013 einige Botschaften erlassen hat, die immer noch aktuell sind. Eine davon war an alle Regierenden gerichtet, die er mit diesen Worten aufgerufen hat: \u201eIhnen kommt es zu, auf Erden Ordnung und Frieden unter den Menschen zu f\u00f6rdern. Aber vergessen Sie nicht: Es ist Gott, [\u2026] von dem die Ordnung und der Friede auf Erden kommt\u201c (Botschaft an die Regierenden, 8. Dezember 1965, Nr. 3). Diese \u00dcberlegungen mache ich heute mir zu eigen und entbiete Ihnen, meine Damen und Herren Botschafter und gesch\u00e4tzte Mitglieder des Diplomatischen Korps, Ihren Familien und Ihren Mitarbeitern meine besten W\u00fcnsche zum Neuen Jahr. Vielen Dank!<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3): Rede von Papst Benedikt XVI. an das Diplomatische Corps vom 7. Januar 2013<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1168-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/2013-01-07-Rede-von-Papst-Benedikt-XVI.-an-das-Diplomatische-Corps.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/2013-01-07-Rede-von-Papst-Benedikt-XVI.-an-das-Diplomatische-Corps.mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/2013-01-07-Rede-von-Papst-Benedikt-XVI.-an-das-Diplomatische-Corps.mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Kurzfassung (Link vergriffen): Stefan v. Kempis, Mario Galgano, Radio Vatikan, Artikel 653490<\/li>\n<li>Radio Vatikan Archiv: <a href=\"https:\/\/www.archivioradiovaticana.va\/storico\/2013\/01\/07\/rede_an_das_diplomatische_corps_%E2%80%9Egerechtigkeit_verwirklicht_sich_nur,\/ted-653490\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rede an das Diplomatische Corps: \u201eGerechtigkeit verwirklicht sich nur, wenn es gerechte Menschen gibt!\u201c<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von Papst Benedikt XVI. an das Diplomatische Corps Um den Frieden auf der Welt zu erreichen, muss an erster Stelle die W\u00fcrde des ganzen Menschen gewahrt werden. Das ist Kernbotschaft der Rede des Papstes an das Diplomatische Corps, die Benedikt XVI. am Montag, 7. 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