{"id":1089,"date":"2013-01-06T17:37:16","date_gmt":"2013-01-06T16:37:16","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1089"},"modified":"2021-06-21T16:35:33","modified_gmt":"2021-06-21T14:35:33","slug":"suche-nach-wahrheit-war-den-hl-drei-konigen-wichtiger-als-spott-der-scheinbar-gescheiten-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1089","title":{"rendered":"Suche nach Wahrheit war den hl. Drei K\u00f6nigen wichtiger als Spott der scheinbar gescheiten Welt"},"content":{"rendered":"<h1>Bischofsweihen von Papst Benedikt XVI. zum Fest Erscheinung des G\u00f6ttlichen<\/h1>\n<p>Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag, 6. Januar 2013\u00a0mehreren Priestern, darunter seinem Privatsekret\u00e4r Georg G\u00e4nswein, im Petersdom die Bischofsweihe erteilt. In Anwesenheit des italienischen Ministerpr\u00e4sidenten Mario Monti und mehrerer tausend Gl\u00e4ubiger feierte der Papst eine feierliche Messe zum Fest der Erscheinung des Herrn. Im folgenden kann man die Predigt des Papstes im offiziellen deutschen Wortlaut nachlesen. <!--more-->Liebe Br\u00fcder und Schwestern! F\u00fcr die glaubende und betende Kirche sind die Weisen aus dem Morgenland, die unter der F\u00fchrung des Sterns zur Krippe von Bethlehem gefunden haben, nur der Anfang einer gro\u00dfen Prozession, die sich durch die Geschichte hindurchzieht. Darum liest die Liturgie das Evangelium, das vom Weg der Weisen erz\u00e4hlt, zusammen mit den glanzvollen prophetischen Visionen von Jesaja 60 und Psalm 72, die in k\u00fchnen Bildern die Wallfahrt der V\u00f6lker nach Jerusalem schildern. Wie die Hirten, die als erste G\u00e4ste beim neugeborenen Kind in der Krippe die Armen Israels verk\u00f6rpern und \u00fcberhaupt die dem\u00fctigen Seelen, die von innen her ganz nah bei Jesus leben, so verk\u00f6rpern die M\u00e4nner aus dem Morgenland die Welt der V\u00f6lker, die Kirche aus den Heiden \u2013 die Menschen, die sich alle Jahrhunderte hindurch auf den Weg zum Kind von Bethlehem machen, in ihm den Sohn Gottes verehren und sich vor ihm beugen. Die Kirche nennt dieses Fest Epiphanie \u2013 Erscheinen des G\u00f6ttlichen. Wenn wir darauf hinschauen, wie seit jenem Beginn Menschen aller Herk\u00fcnfte, aller Erdteile, all der verschiedenen Kulturen und Weisen des Denkens und Lebens auf dem Weg zu Christus waren und sind, dann d\u00fcrfen wir wirklich sagen, da\u00df diese Pilgerschaft und die Begegnung mit Gott als Kind eine Epiphanie der G\u00fcte und der Menschenfreundlichkeit Gottes ist (Tit 3, 4).<br \/>\nEiner vom seligen Papst Johannes Paul II. begr\u00fcndeten Tradition folgend, begehen wir das Fest der Epiphanie des Herrn zugleich als Tag der Bischofsweihe f\u00fcr vier Priester, die nun in verschiedenen Funktionen am Dienst des Papstes f\u00fcr die Einheit der einen Kirche Jesu Christi in der Vielheit der Teilkirchen mitwirken werden. Der Zusammenhang dieser Bischofsweihe mit dem Thema der Wallfahrt der V\u00f6lker zu Jesus Christus ist offenkundig. Dem Bischof ist es aufgetragen, in dieser Wallfahrt nicht nur mitzugehen, sondern voranzugehen und den Weg zu zeigen. Ich m\u00f6chte aber noch eine konkretere Frage in diesem Gottesdienst zusammen mit Ihnen betrachten. Anhand der von Matth\u00e4us erz\u00e4hlten Geschichte k\u00f6nnen wir uns durchaus ein gewisses Bild davon machen, was f\u00fcr Menschen dies gewesen sein m\u00fcssen, die da auf das Zeichen des Sterns hin aufgebrochen sind, um den K\u00f6nig zu finden, der nicht nur f\u00fcr Israel, sondern f\u00fcr die Menschheit eine neue Art von K\u00f6nigtum begr\u00fcnden sollte. Was also waren das f\u00fcr Menschen? Und fragen wir auch, ob trotz des Unterschieds der Zeiten und der Auftr\u00e4ge von ihnen her etwas dar\u00fcber sichtbar werden kann, was ein Bischof ist und wie er seinen Auftrag erf\u00fcllen soll.<\/p>\n<h1>Hl. Drei K\u00f6nige waren Gottsucher, Sucher nach der Wahrheit, d.h. nach Christus<\/h1>\n<p>Die M\u00e4nner, die da ins Unbekannte ausgezogen sind, waren auf jeden Fall Menschen des unruhigen Herzens. Menschen, die die Unruhe nach Gott und nach dem Heil der Welt umtrieb. Wartende Menschen, die sich nicht begn\u00fcgten mit ihrem gesicherten Einkommen und ihrer wohl ansehnlichen sozialen Stellung. Sie hielten Ausschau nach dem Gr\u00f6\u00dferen. Es waren wohl gelehrte M\u00e4nner, die vieles von den Gestirnen wu\u00dften und wohl auch \u00fcber philosophische Bildung verf\u00fcgten. Aber sie wollten nicht einfach nur vieles wissen. Sie wollten vor allem das Wesentliche wissen. Sie wollten wissen, wie man es macht, ein Mensch zu sein. Und deshalb wollten sie wissen, ob es Gott gibt, wo und wie er ist. Ob er sich um uns k\u00fcmmert und wie wir ihm begegnen k\u00f6nnen. Sie wollten nicht nur wissen. Sie wollten die Wahrheit \u00fcber uns und \u00fcber Gott und die Welt erkennen. Ihre \u00e4u\u00dfere Pilgerschaft ist Ausdruck ihres inneren Unterwegsseins, der inneren Pilgerschaft ihres Herzens. Es waren Menschen, die Gott suchten und letztlich auf dem Weg zu ihm hin waren. Es waren Gottsucher.<br \/>\nDamit sind wir aber nun bei der Frage: Wie mu\u00df ein Mensch sein, dem die H\u00e4nde zur Bischofsweihe in der Kirche Jesu Christi aufgelegt werden? Wir k\u00f6nnen sagen: Er mu\u00df vor allem ein Mensch sein, dem es um Gott geht, denn nur dann geht es ihm auch wirklich um die Menschen. Wir k\u00f6nnten auch umgekehrt sagen: Ein Bischof mu\u00df ein Mensch sein, dem die Menschen am Herzen liegen, den das Geschick der Menschen bewegt. Er mu\u00df ein Mensch f\u00fcr die anderen sein. Aber das kann er nur dann wirklich, wenn er ein von Gott ergriffener Mensch ist. Wenn ihm die Unruhe zu Gott zur Unruhe f\u00fcr sein Gesch\u00f6pf Mensch geworden ist. Wie die Weisen aus dem Morgenland, so darf auch ein Bischof nicht jemand sein, der blo\u00df seinen Job aus\u00fcbt und es dabei bewenden l\u00e4\u00dft. Nein, er mu\u00df von der Unruhe Gottes f\u00fcr die Menschen ergriffen sein. Er mu\u00df gleichsam mit Gott mitdenken und mitf\u00fchlen. Nicht nur dem Menschen ist die Unruhe f\u00fcr Gott eingeschaffen, sondern diese Unruhe ist Mitbeteiligung an der Unruhe Gottes f\u00fcr uns. Weil Gott nach uns unruhig ist, darum geht er uns nach bis in die Krippe, bis an das Kreuz. \u201eVon der Suche nach mir bist du m\u00fcde am Brunnen gesessen, hast zu meiner Erl\u00f6sung das Kreuz erlitten. La\u00df diese M\u00fchsal nicht umsonst gewesen sein\u201c, betet die Kirche im Dies Irae. Die Unruhe des Menschen nach Gott und von ihr her die Unruhe Gottes nach dem Menschen mu\u00df den Bischof umtreiben. Das ist gemeint, wenn wir sagen, da\u00df der Bischof vor allem ein Mensch des Glaubens sein mu\u00df. Denn Glaube ist nichts anderes als das innere Ber\u00fchrtsein von Gott, das uns auf den Weg des Lebens f\u00fchrt. Glaube zieht uns in das Ergriffensein von Gottes Unruhe hinein und macht uns zu Pilgern, die innerlich unterwegs sind zum wahren K\u00f6nig der Welt und zu seiner Verhei\u00dfung der Gerechtigkeit, der Wahrheit, der Liebe. Der Bischof mu\u00df in dieser Pilgerschaft vorausgehen, den Menschen Wegweiser zu Glaube, Hoffnung und Liebe hin sein.<br \/>\nDie innere Pilgerschaft des Glaubens zu Gott hin vollzieht sich vor allem im Gebet. Der heilige Augustinus hat einmal gesagt, das Gebet sei letztlich nichts anderes als Aktualisierung und Radikalisierung unserer Sehnsucht nach Gott. Wir k\u00f6nnten statt des Wortes \u201eSehnsucht\u201c auch das Wort \u201eUnruhe\u201c einsetzen und sagen, da\u00df das Gebet uns aus unseren falschen Bequemlichkeit, aus unserer Verschlossenheit ins Materielle und Sichtbare herausrei\u00dfen und uns die Unruhe zu Gott hin vermitteln will; uns so gerade auch offen und unruhig f\u00fcreinander macht. Der Bischof mu\u00df als Pilger Gottes vor allem ein betender Mensch sein. Er mu\u00df im steten inneren Kontakt mit Gott leben, seine Seele mu\u00df weit auf Gott hin offenstehen. Er mu\u00df seine N\u00f6te und die der anderen, auch seine Freuden und die der anderen, zu Gott hintragen und so auf seine Weise den Kontakt zwischen Gott und der Welt in der Gemeinschaft mit Christus herstellen, damit sein Licht in die Welt hereinleuchtet.<br \/>\nKehren wir zur\u00fcck zu den Weisen aus dem Morgenland. Dies waren vor allem auch Menschen, die Mut hatten, den Mut und die Demut des Glaubens. Es brauchte Mut, um das Zeichen des Sterns als Auftrag zum Aufbruch anzunehmen, hinauszuziehen \u2013 ins Unbekannte, Ungewisse, auf Wegen, auf denen vielerlei Gefahren lauerten. Wir k\u00f6nnen uns vorstellen, da\u00df der Entscheid dieser M\u00e4nner Spott hervorrief: den Spott der Realisten, die die Tr\u00e4umerei dieser Menschen nur belachen konnten. Wer auf so ungewisse Verhei\u00dfungen hin aufbrach und alles riskierte, der konnte nur l\u00e4cherlich erscheinen. Aber f\u00fcr diese von Gott innerlich anger\u00fchrten Menschen war der Weg nach seiner Weisung wichtiger als die Meinung der Menschen. Die Suche nach der Wahrheit war ihnen wichtiger als der Spott der scheinbar gescheiten Welt.<\/p>\n<h1>Aufgaben eines Bischofs in der heutigen Zeit<\/h1>\n<p>Wie sollten wir bei einer solchen Situation nicht an die Aufgabe eines Bischofs in unserer Zeit denken? Die Demut des Glaubens, des Mitglaubens mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten wird immer wieder in Konflikt geraten mit der herrschenden Klugheit derer, die sich ans scheinbar Sichere halten. Wer den Glauben der Kirche lebt und verk\u00fcndet, steht in vielen Punkten quer zu den herrschenden Meinungen gerade auch in unserer Zeit. Der heute weithin bestimmende Agnostizismus hat seine Dogmen und ist h\u00f6chst intolerant gegen\u00fcber all dem, was ihn und seine Ma\u00dfst\u00e4be in Frage stellt. Deshalb ist der Mut zum Widerspruch gegen die herrschenden Orientierungen f\u00fcr einen Bischof heute besonders vordringlich. Er mu\u00df tapfer sein. Und Tapferkeit besteht nicht im Dreinschlagen, in der Aggressivit\u00e4t, sondern im Sich-schlagen-Lassen und im Standhalten gegen\u00fcber den Ma\u00dfst\u00e4ben der herrschenden Meinungen. Der Mut des Stehenbleibens bei der Wahrheit ist unausweichlich von denen gefordert, die der Herr wie Schafe unter die W\u00f6lfe schickt. \u201eWer Gott f\u00fcrchtet, zittert nicht\u201c, sagt das Buch Jesus Sirach (34, 16). Gottesfurcht befreit von der Menschenfurcht. Sie macht frei.<br \/>\nMir kommt da eine Begebenheit aus den Anf\u00e4ngen des Christentums in den Sinn, die der heilige Lukas in der Apostelgeschichte erz\u00e4hlt. Nach der Rede des Gamali\u00ebl, der von der Gewalt gegen\u00fcber der werdenden Gemeinschaft der Jesus-Glaubenden abriet, rief der Hohe Rat die Apostel herbei und lie\u00df sie auspeitschen. Dann verbot er ihnen, im Namen Jesu zu predigen und lie\u00df sie frei. Lukas f\u00e4hrt dann fort: \u201eSie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, da\u00df sie gew\u00fcrdigt worden waren, f\u00fcr seinen Namen Schmach zu erleiden. Und Tag f\u00fcr Tag lehrten sie unerm\u00fcdlich\u2026 und verk\u00fcndeten das Evangelium von Jesus, dem Christus\u201c (Apg 5, 40 ff). Auch die Nachfolger der Apostel m\u00fcssen damit rechnen, da\u00df sie immer wieder auf moderne Weise verpr\u00fcgelt werden, wenn sie nicht aufh\u00f6ren, das Evangelium Jesu Christi h\u00f6rbar und verst\u00e4ndlich zu verk\u00fcndigen. Und dann d\u00fcrfen sie sich freuen, da\u00df sie gew\u00fcrdigt wurden, f\u00fcr ihn Schmach zu erleiden. Nat\u00fcrlich wollen wir wie die Apostel die Menschen \u00fcberzeugen und in diesem Sinn Zustimmung gewinnen. Nat\u00fcrlich provozieren wir nicht, sondern ganz im Gegenteil laden wir alle ein in die Freude der Wahrheit, die den Weg zeigt. Aber die Zustimmung der herrschenden Meinungen ist nicht der Ma\u00dfstab, dem wir uns unterwerfen. Der Ma\u00dfstab ist ER selbst: der Herr. Wenn wir f\u00fcr ihn eintreten, werden wir gottlob immer wieder Menschen f\u00fcr den Weg des Evangeliums gewinnen. Aber unweigerlich werden wir auch von denen, die mit ihrem Leben dem Evangelium entgegenstehen, verpr\u00fcgelt, und dann d\u00fcrfen wir dankbar sein, da\u00df wir gew\u00fcrdigt werden, am Leiden Christi teilzuhaben.<br \/>\nDie Weisen sind dem Stern gefolgt, und so sind sie zu Jesus gekommen, zu dem gro\u00dfen Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt (vgl. Joh 1, 9). Als Pilger des Glaubens sind die Weisen selbst zu Sternen geworden, die vom Himmel der Geschichte leuchten und uns den Weg zeigen. Die Heiligen sind die wahren Sternbilder Gottes, die die N\u00e4chte dieser Welt erleuchten und uns f\u00fchren. Der heilige Paulus hat im Philipper-Brief seinen Gl\u00e4ubigen gesagt, da\u00df sie wie Lichter in der Welt leuchten sollen (Phil 2, 15).<br \/>\nLiebe Freunde, dies geht auch uns an. Dies geht besonders Euch an, die Ihr in dieser Stunde zu Bisch\u00f6fen der Kirche Jesu Christi geweiht werdet. Wenn Ihr mit Christus lebt, im Sakrament neu ihm verbunden, dann werdet auch Ihr weise. Dann werdet Ihr Lichter, die den Menschen vorangehen und ihnen den rechten Weg des Lebens zeigen. In dieser Stunde beten wir alle hier f\u00fcr Euch, da\u00df der Herr Euch mit dem Licht des Glaubens und der Liebe erf\u00fcllt. Da\u00df Euch diese Unruhe Gottes um den Menschen ber\u00fchrt, damit alle seine N\u00e4he erfahren und von seiner Freude beschenkt werden. Wir bitten f\u00fcr Euch, da\u00df der Herr Euch immer den Mut und die Demut des Glaubens schenke. Wir bitten Maria, die den Weisen den neuen K\u00f6nig der Welt gezeigt hat (Mt 2, 11), da\u00df sie als liebevolle Mutter auch Euch Jesus Christus zeige und Euch helfe, Wegweiser zu ihm zu sein. Amen.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Originaltext (Link vergriffen): Stefan von Kempis, Radio Vatikan, Artikel 653322<\/li>\n<li>Radio Vatikan Archiv:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.archivioradiovaticana.va\/storico\/2013\/01\/06\/die_papstpredigt_von_diesem_sonntag_auf_deutsch\/ted-653322\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span id=\"content\">Die Papstpredigt von diesem Sonntag auf deutsch<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bischofsweihen von Papst Benedikt XVI. zum Fest Erscheinung des G\u00f6ttlichen Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag, 6. 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