{"id":1029,"date":"2012-12-25T17:09:09","date_gmt":"2012-12-25T16:09:09","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1029"},"modified":"2021-06-21T12:06:10","modified_gmt":"2021-06-21T10:06:10","slug":"wo-gott-geleugnet-wird-da-gibt-es-keinen-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1029","title":{"rendered":"Wo Gott geleugnet wird, da gibt es keinen Frieden"},"content":{"rendered":"<h1>Predigt am Weihnachtstag von Papst Benedikt XVI.<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"150\" height=\"232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eBeten wir in dieser Stunde f\u00fcr die Menschen, die heute (in Bethlehem) leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Pal\u00e4stinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten k\u00f6nnen. Beten wir auch f\u00fcr die umliegenden L\u00e4nder, f\u00fcr den Libanon, f\u00fcr Syrien, den Irak und so fort: dass dort Friede werde.\u201c <!--more-->Bethlehem war das Zentrum der Christmette, die Papst Benedikt XVI. an diesem Montag im Petersdom feierte, und zwar das biblische wie das reale. Bereits am Nachmittag hatte der Papst sein Friedenslicht am Licht von Bethlehem angez\u00fcndet, seitdem brennt es im Fenster seines Arbeitszimmers. In seiner Predigt nahm der Papst immer wieder Bezug auf den Ort der Menschwerdung, und das auch metaphorisch: Wir sollten aus einem selbstbezogenen Denken hinaus und hin\u00fcbergehen nach Bethlehem zum menschgewordenen Gott. Angesichts der \u00fcberf\u00fcllten Herberge, die Josef und Maria auf ihrem Weg nach Bethlehem nicht aufnehmen konnten, m\u00fcssten wir uns auch selber fragen, ob wir denn f\u00fcr Gott bereit w\u00e4ren.<\/p>\n<h1>Warnung vor einer Welt, die Gott vergessen hat<\/h1>\n<p>\u201eDas beginnt damit, dass wir keine Zeit f\u00fcr ihn haben. Je schneller wir uns bewegen k\u00f6nnen, je zeitsparender unsere Ger\u00e4te werden, desto weniger Zeit haben wir. Und Gott? Die Frage nach ihm erscheint nie dringend. Unsere Zeit ist schon angef\u00fcllt. Aber die Dinge gehen noch tiefer. Hat Gott eigentlich Platz in unserem Denken? Die Methoden unseres Denkens sind so angelegt, dass es ihn eigentlich nicht geben darf. Auch wenn er anzuklopfen scheint an die T\u00fcr unseres Denkens, muss er weg-erkl\u00e4rt werden. Das Denken muss, um als ernstlich zu gelten, so angelegt werden, dass die \u201eHypothese Gott\u201c \u00fcberfl\u00fcssig wird. Es gibt keinen Platz f\u00fcr ihn. Auch in unserem F\u00fchlen und Wollen ist kein Raum f\u00fcr ihn da. Wir wollen uns selbst. Wir wollen das Handgreifliche, das fassbare Gl\u00fcck, den Erfolg unserer eigenen Pl\u00e4ne und Absichten. Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum f\u00fcr Gott bleibt.\u201c<br \/>\nDas habe weitreichende Folgen: Kein Platz f\u00fcr Gott bedeute immer auch kein Platz f\u00fcr die Kinder, die Armen, die Kranken, so der Papst. Paulus spreche deswegen von der \u201eErneuerung des Denkens\u201c, dem \u201eAufbrechen unseres Verstandes\u201c. Das bedeute ein wach werden f\u00fcr seine Gegenwart und ein Gott erkennen, in den Leidenden und Verlassenen, den Ausgesto\u00dfenen und den Armen. Dieser Gott sei es, der von den Engeln gelobt w\u00fcrde.<\/p>\n<h1>Warnung vor dem Missbrauch von Religion<\/h1>\n<p>Mit der Herrlichkeit in der H\u00f6he, die die Engel in Bethlehem verk\u00fcndeten, h\u00e4nge der Friede auf Erden unter den Menschen zusammen, so der Papst. Wo Gott nicht in Ehren stehe und vergessen oder gar geleugnet werde, da gebe es auch keinen Frieden. Hier erf\u00fchren das Christentum und alle monotheistischen Religionen Widerstand, sie w\u00fcrden vielfach f\u00fcr Gewalt und Krieg verantwortlich gemacht. Um Frieden zu schaffen \u2013 so diese Denkstr\u00f6mungen \u2013 m\u00fcsse die Welt von Religion befreit werden.<br \/>\n\u201eNun ist wahr, dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand f\u00fcr Intoleranz und Gewalt gedient hat. Wahr ist, dass Religion erkranken und so sich ihrem tieferen Wesen entgegenstellen kann, wenn der Mensch meint, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu m\u00fcssen und so Gott zu seinem Privateigentum macht. Gegen diese Verzerrungen des Heiligen m\u00fcssen wir wachsam sein.\u201c<br \/>\nDaraus folge aber nicht, dass ein Nein zu Gott automatisch Frieden bringen w\u00fcrde, so der Papst.<br \/>\n\u201eWenn das Licht Gottes erlischt, erlischt auch die g\u00f6ttliche W\u00fcrde des Menschen. Dann ist er nicht mehr Gottes Ebenbild, das wir in jedem, im Schwachen, im Fremden, im Armen in Ehren halten m\u00fcssen. Dann sind wir nicht mehr alle Br\u00fcder und Schwestern, Kinder des einen Vaters, die vom Vater her einander zugeh\u00f6ren. Welche Arten von anma\u00dfender Gewalt dann erscheinen, wie dann der Mensch den Menschen missachtet und zertritt, das haben wir in seiner ganzen Grausamkeit im vergangenen Jahrhundert gesehen. Nur wenn das Licht Gottes \u00fcber den Menschen und in ihm leuchtet, nur wenn jeder einzelne Mensch von Gott gewollt, gekannt und geliebt ist, nur dann ist seine W\u00fcrde unantastbar, wie armselig seine Situation auch immer sein mag.\u201c<\/p>\n<h1>Gebet f\u00fcr den Nahen Osten<\/h1>\n<p>So habe es durch die Geschichte hindurch immer wieder sichtbaren Glauben an Gott gegeben, von dem Vers\u00f6hnung, G\u00fcte und Frieden ausgegangen sei. Hier sei die Botschaft des Friedensbringers Christus erfahrbar. Und dieser Friede sei nicht abstrakt, der Wunsch nach Frieden sei sehr konkret, so der Papst:<br \/>\n\u201eWie sollten wir nicht in dieser Stunde zu ihm beten: Ja, Herr, k\u00fcnde uns auch heute Frieden, den Fernen und den Nahen. Gib, dass auch heute Schwerter in Pflugscharen umgewandelt werden (Jes 2, 4), dass anstelle von Kriegsr\u00fcstung Hilfe f\u00fcr die Leidenden trete.\u201c<br \/>\nF\u00fcr die Verwirklichung all dessen \u2013 des Friedens wie auch der Umformung des Denkens \u2013 m\u00fcsse man es den Hirten gleichmachen: Man m\u00fcsse aufbrechen und hin\u00fcbergehen nach Bethlehem, zu Christus.<br \/>\n\u201eEine heilige Neugier trieb sie, dieses Kind in einer Futterkrippe zu sehen, \u00fcber das doch der Engel gesagt hatte, dass es der Retter, der Gesalbte, der Herr sei.<br \/>\nLasst uns hin\u00fcbergehen nach Bethlehem, so sagt die Liturgie der Kirche heute zu uns. Trans-eamus hei\u00dft es in der lateinischen Bibel: hin\u00fcber-gehen, den \u00dcberschritt, das \u201eTrans\u201c wagen, mit dem wir aus unseren Denk- und Lebensgewohnheiten herausgehen und die blo\u00df materielle Welt \u00fcberschreiten auf das Eigentliche hin, hin\u00fcber zu dem Gott, der seinerseits zu uns her\u00fcbergekommen ist.\u201c<\/p>\n<h1>\u201eEilbed\u00fcrftige Wichtigkeiten\u201c<\/h1>\n<p>Dazu m\u00fcssten wir es aber auch den Hirten gleichtun, was die Priorit\u00e4ten in unserem Handeln betreffe, so der Papst.<br \/>\n\u201eDie Hirten eilten. Heilige Neugier und heilige Freude trieb sie. Bei uns kommt es wohl sehr selten vor, dass wir f\u00fcr die Dinge Gottes eilen. Gott geh\u00f6rt heute nicht zu den eilbed\u00fcrftigen Wirklichkeiten. Die Dinge Gottes haben Zeit, so denken und sagen wir. Bitten wir ihn, dass die heilige Neugier und die heilige Freude der Hirten in dieser Stunde auch uns anr\u00fchren, und gehen wir so freudig hin\u00fcber nach Bethlehem \u2013 zum Herrn, der auch heute neu zu uns kommt. Amen.\u201c<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Audio (MP3): Weihnachtspredigt von Papst Benedikt XVI. vom 25. Dezember 2012<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-1029-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012-12-25-Weihnachtspredigt-von-Papst-Benedikt-XVI..mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012-12-25-Weihnachtspredigt-von-Papst-Benedikt-XVI..mp3\">https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012-12-25-Weihnachtspredigt-von-Papst-Benedikt-XVI..mp3<\/a><\/audio><\/li>\n<li>Originaltext: P. Bernd Hagenkord SJ, Radio Vatikan, Artikel 650280<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am Weihnachtstag von Papst Benedikt XVI. \u201eBeten wir in dieser Stunde f\u00fcr die Menschen, die heute (in Bethlehem) leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Pal\u00e4stinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten k\u00f6nnen. 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