{"id":1025,"date":"2012-12-25T15:25:06","date_gmt":"2012-12-25T14:25:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ifit.ch\/?p=1025"},"modified":"2021-06-21T11:51:28","modified_gmt":"2021-06-21T09:51:28","slug":"haben-wir-eigentlich-platz-fur-gott-wenn-er-bei-uns-einzutreten-versucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/website.ifit.li\/?p=1025","title":{"rendered":"Haben wir eigentlich Platz f\u00fcr Gott, wenn er bei uns einzutreten versucht?"},"content":{"rendered":"<h1>Predigt von Papst Benedikt XVI. an Heilig Abend<\/h1>\n<figure id=\"attachment_4737\" aria-describedby=\"caption-attachment-4737\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\"><img data-opt-id=723583984  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4737\" src=\"https:\/\/ml2mintiuscj.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/website.ifit.li\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Papst-Benedikt-XVI.-300-dpi-e1449153974846.jpg\" alt=\"Em. Papst Benedikt XVI.\" width=\"150\" height=\"232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4737\" class=\"wp-caption-text\">Benedikt XVI. Anno domini 2005<\/figcaption><\/figure>\n<p>Immer wieder r\u00fchrt die Sch\u00f6nheit dieses Evangelium unser Herz an \u2013 Sch\u00f6nheit, die Glanz der Wahrheit ist. Immer wieder trifft es uns, da\u00df Gott, damit wir ihn lieben k\u00f6nnen, damit wir wagen, ihn zu lieben, sich zu einem Kind macht, sich vertrauend als Kind in unsere H\u00e4nde gibt. Er sagt gleichsam: Ich wei\u00df, da\u00df mein Glanz dich erschreckt. Da\u00df du dich gegen meine Gr\u00f6\u00dfe zu behaupten versuchst. Nun, so komme ich als Kind zu dir, damit du mich annehmen, mich lieben kannst.\u00a0<!--more--><br \/>\nImmer wieder trifft mich auch das fast nebenbei gesagte Wort des Evangelisten, da\u00df in der Herberge kein Platz f\u00fcr sie war. Unausweichlich steht die Frage auf, wie es denn w\u00e4re, wenn Maria und Josef bei mir anklopfen w\u00fcrden. W\u00e4re da Platz f\u00fcr sie?<br \/>\nUnd dann kommt uns in den Sinn, da\u00df der Evangelist Johannes die fast zuf\u00e4llig erscheinende Notiz \u00fcber den fehlenden Platz in der Herberge, der die heilige Familie in den Stall dr\u00e4ngte, ins Grunds\u00e4tzliche vertieft und geschrieben hat: \u201eEr kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf\u201c (Joh 1, 11). Die gro\u00dfe moralische Frage, wie es um die Heimatlosen, die Fl\u00fcchtenden, die Menschen unterwegs bei uns steht, wird so noch grunds\u00e4tzlicher: Haben wir eigentlich Platz f\u00fcr Gott, wenn er bei uns einzutreten versucht? Haben wir Zeit und Raum f\u00fcr ihn? Wird nicht gerade Gott selbst von uns abgewiesen?<\/p>\n<h1>Unsere g\u00e4ngigen Ausreden und Ablehungsmethoden<\/h1>\n<p>Das beginnt damit, da\u00df wir keine Zeit f\u00fcr ihn haben. Je schneller wir uns bewegen k\u00f6nnen, je zeitsparender unsere Ger\u00e4te werden, desto weniger Zeit haben wir. Und Gott? Die Frage nach ihm erscheint nie dringend. Unsere Zeit ist schon angef\u00fcllt. Aber die Dinge gehen noch tiefer. Hat Gott eigentlich Platz in unserem Denken? Die Methoden unseres Denkens sind so angelegt, da\u00df es ihn eigentlich nicht geben darf. Auch wenn er anzuklopfen scheint an die T\u00fcr unseres Denkens, mu\u00df er weg-erkl\u00e4rt werden. Das Denken mu\u00df, um als ernstlich zu gelten, so angelegt werden, da\u00df die \u201eHypothese Gott\u201c \u00fcberfl\u00fcssig wird. Es gibt keinen Platz f\u00fcr ihn. Auch in unserem F\u00fchlen und Wollen ist kein Raum f\u00fcr ihn da. Wir wollen uns selbst. Wir wollen das Handgreifliche, das fa\u00dfbare Gl\u00fcck, den Erfolg unserer eigenen Pl\u00e4ne und Absichten. Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so da\u00df kein Raum f\u00fcr Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum f\u00fcr die anderen, f\u00fcr die Kinder, f\u00fcr die Armen und Fremden.<br \/>\nVon dem einfachen Wort \u00fcber den fehlenden Platz in der Herberge her k\u00f6nnen wir sehen, wie n\u00f6tig uns der Anruf des heiligen Paulus ist: \u201eLa\u00dft euch umgestalten und euer Denken erneuern\u201c (R\u00f6m 12, 2). Paulus spricht von der Erneuerung, von dem Aufbrechen unseres Verstandes (nous), von der ganzen Weise, wie wir die Welt und uns selber betrachten. Die Bekehrung, derer wir bed\u00fcrfen, mu\u00df wirklich bis in die Tiefe unseres Verh\u00e4ltnisses zur Wirklichkeit hineinreichen. Bitten wir den Herrn, da\u00df wir wach werden f\u00fcr seine Gegenwart. Da\u00df wir h\u00f6ren, wie er leise und doch eindringlich an die T\u00fcr unseres Seins und Wollens anklopft. Bitten wir ihn, da\u00df in uns Raum werde f\u00fcr ihn. Und da\u00df wir so ihn erkennen auch in denen, durch die er uns anredet: in den Kindern, in den Leidenden und Verlassenen, in den Ausgesto\u00dfenen und in den Armen dieser Welt.<\/p>\n<h1>Lobgesang der Engel<\/h1>\n<p>Noch ein zweites Wort der Weihnachtsgeschichte m\u00f6chte ich gern mit Ihnen bedenken: den Lobgesang der Engel, den sie nach der Botschaft vom neugeborenen Erl\u00f6ser anstimmen: Herrlichkeit ist Gott in der H\u00f6he und Friede mit den Menschen seines Wohlgefallens. Gott ist herrlich. Gott ist reines Licht, Leuchten der Wahrheit und der Liebe. Er ist gut. Er ist das wahrhaft Gute, der Gute schlechthin. Die Engel, die um ihn sind, geben zun\u00e4chst einfach die Freude \u00fcber die Wahrnehmung von Gottes Herrlichkeit weiter. Ihr Singen ist Ausstrahlen der Freude, die sie erf\u00fcllt. Bei ihren Worten h\u00f6ren wir gleichsam in die Kl\u00e4nge des Himmels hinein. Da ist keine Frage nach Zwecken dahinter, sondern einfach das Erf\u00fclltsein vom Gl\u00fcck der Wahrnehmung der reinen Helligkeit von Gottes Wahrheit und Liebe. Von dieser Freude wollen wir uns anr\u00fchren lassen: Es gibt die Wahrheit. Es gibt die reine G\u00fcte. Es gibt das reine Licht. Gott ist gut, und er ist die letzte Macht \u00fcber allen M\u00e4chten. Darob sollten wir in dieser Nacht mit den Engeln, mit den Hirten einfach froh werden.<br \/>\nMit der Herrlichkeit Gottes in der H\u00f6he h\u00e4ngt der Friede auf Erden unter den Menschen zusammen. Wo Gott nicht in Ehren steht, wo er vergessen oder gar geleugnet wird, da ist auch kein Friede. Heute freilich behaupten weitverbreitete Str\u00f6mungen des Denkens das Gegenteil: Die Religionen, besonders der Monotheismus, seien der Grund f\u00fcr die Gewalt und f\u00fcr die Kriege in der Welt. Von ihnen m\u00fcsse man die Menschheit zuerst befreien, damit Friede werde. Der Monotheismus, der Glaube an den einen Gott, sei Rechthaberei, Grund der Intoleranz, weil er sich von seinem eigenen Wesen her allen mit dem Anspruch der alleinigen Wahrheit aufdr\u00e4ngen wolle.<br \/>\nNun ist wahr, da\u00df in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand f\u00fcr Intoleranz und Gewalt gedient hat. Wahr ist, da\u00df Religion erkranken und so sich ihrem tieferen Wesen entgegenstellen kann, wenn der Mensch meint, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu m\u00fcssen und so Gott zu seinem Privateigentum macht. Gegen diese Verzerrungen des Heiligen m\u00fcssen wir wachsam sein.<\/p>\n<h1>Wenn das Licht Gottes erlischt, erlischt auch die g\u00f6ttliche W\u00fcrde des Menschen<\/h1>\n<p>Wenn Mi\u00dfbrauch der Religion in der Geschichte unbestreitbar ist, so ist es doch nicht wahr, da\u00df das Nein zu Gott den Frieden herstellen w\u00fcrde. Wenn das Licht Gottes erlischt, erlischt auch die g\u00f6ttliche W\u00fcrde des Menschen. Dann ist er nicht mehr Gottes Ebenbild, das wir in jedem, im Schwachen, im Fremden, im Armen in Ehren halten m\u00fcssen. Dann sind wir nicht mehr alle Br\u00fcder und Schwestern, Kinder des einen Vaters, die vom Vater her einander zugeh\u00f6ren. Welche Arten von anma\u00dfender Gewalt dann erscheinen, wie dann der Mensch den Menschen mi\u00dfachtet und zertritt, das haben wir in seiner ganzen Grausamkeit im vergangenen Jahrhundert gesehen. Nur wenn das Licht Gottes \u00fcber den Menschen und in ihm leuchtet, nur wenn jeder einzelne Mensch von Gott gewollt, gekannt und geliebt ist, nur dann ist seine W\u00fcrde unantastbar, wie armselig seine Situation auch immer sein mag.<br \/>\nIn der Heiligen Nacht ist Gott selbst ein Menschenkind geworden, wie der Prophet Jesaja angek\u00fcndigt hatte: Das hier geborene Kindlein ist \u201eImmanuel\u201c, Gott mit uns (Jes 7, 14). Und all die Jahrhunderte hindurch hat es wahrhaft nicht nur den Mi\u00dfbrauch der Religion gegeben, sondern von dem Glauben an den Gott, der Mensch wurde, sind immer wieder Kr\u00e4fte der Vers\u00f6hnung und der G\u00fcte ausgegangen. In das Dunkel von S\u00fcnde und Gewalt hat dieser Glaube einen Lichtstrahl des Friedens und der G\u00fcte eingezeichnet, der immerfort weiter leuchtet.<br \/>\nSo ist Christus unser Friede und hat Frieden verk\u00fcndet den Fernen und den Nahen (vgl. Eph 2, 14. 17). Wie sollten wir nicht in dieser Stunde zu ihm beten: Ja, Herr, k\u00fcnde uns auch heute Frieden, den Fernen und den Nahen. Gib, da\u00df auch heute Schwerter in Pflugscharen umgewandelt werden (Jes 2, 4), da\u00df anstelle von Kriegsr\u00fcstung Hilfe f\u00fcr die Leidenden trete. Erleuchte Menschen, die in deinem Namen glauben, Gewalt aus\u00fcben zu m\u00fcssen, da\u00df sie den Widersinn der Gewalt einsehen und dein wahres Antlitz erkennen lernen. Hilf uns, da\u00df wir Menschen deines Wohlgefallens werden \u2013 Menschen nach deinem Bild und so Menschen des Friedens.<\/p>\n<h1>Auf, la\u00dft uns hin\u00fcbergehen nach Bethlehem und das Wort sehen<\/h1>\n<p>Als die Engel gegangen waren, sagen die Hirten zueinander: Auf, la\u00dft uns hin\u00fcbergehen nach Bethlehem und das Wort sehen, das uns geworden ist (Lk 2, 15). Die Hirten eilten auf ihrem Weg nach Bethlehem, so sagt uns der Evangelist (2, 16). Eine heilige Neugier trieb sie, dieses Kind in einer Futterkrippe zu sehen, \u00fcber das doch der Engel gesagt hatte, da\u00df es der Retter, der Gesalbte, der Herr sei. Die gro\u00dfe Freude, von der der Engel auch gesprochen hatte, hatte ihr Herz ber\u00fchrt und befl\u00fcgelte sie.<br \/>\nLa\u00dft uns hin\u00fcbergehen nach Bethlehem, so sagt die Liturgie der Kirche heute zu uns. Trans-eamus hei\u00dft es in der lateinischen Bibel: hin\u00fcber-gehen, den \u00dcberschritt, das \u201eTrans\u201c wagen, mit dem wir aus unseren Denk- und Lebensgewohnheiten herausgehen und die blo\u00df materielle Welt \u00fcberschreiten auf das Eigentliche hin, hin\u00fcber zu dem Gott, der seinerseits zu uns her\u00fcbergekommen ist. Wir wollen den Herrn bitten, da\u00df er uns das \u00dcberschreiten unserer Grenzen, unserer eigenen Welt schenke, da\u00df er uns helfe, ihm zu begegnen, besonders in dem Augenblick, in dem er sich selbst in der heiligen Eucharistie in unsere H\u00e4nde und in unser Herz hineinlegt.<br \/>\nGehen wir hin\u00fcber nach Bethlehem: Bei diesem Wort, das wir mit den Hirten zueinander sagen, sollen wir nicht nur an den gro\u00dfen \u00dcber-Schritt zum lebendigen Gott hin denken, sondern auch an die konkrete Stadt Bethlehem, an all die Orte, an denen der Herr gelebt, gewirkt und gelitten hat. Beten wir in dieser Stunde f\u00fcr die Menschen, die heute dort leben und leiden. Beten wir darum, da\u00df dort Friede sei. Beten wir darum, da\u00df Israelis und Pal\u00e4stinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten k\u00f6nnen. Beten wir auch f\u00fcr die umliegenden L\u00e4nder, f\u00fcr den Libanon, f\u00fcr Syrien, den Irak und so fort: da\u00df dort Friede werde. Da\u00df die Christen in diesen L\u00e4ndern des Ursprungs unseres Glaubens dort ihr Zuhause behalten k\u00f6nnen, da\u00df Christen und Muslime im Frieden Gottes miteinander ihre L\u00e4nder aufbauen.<br \/>\nDie Hirten eilten. Heilige Neugier und heilige Freude trieb sie. Bei uns kommt es wohl sehr selten vor, da\u00df wir f\u00fcr die Dinge Gottes eilen. Gott geh\u00f6rt heute nicht zu den eilbed\u00fcrftigen Wirklichkeiten. Die Dinge Gottes haben Zeit, so denken und sagen wir. Und doch ist er das Wichtigste, der allein letztlich wirklich Wichtige. Warum sollte nicht auch uns die Neugier befallen, n\u00e4her zu sehen und zu erkennen, was Gott uns gesagt hat? Bitten wir ihn, da\u00df die heilige Neugier und die heilige Freude der Hirten in dieser Stunde auch uns anr\u00fchren, und gehen wir so freudig hin\u00fcber nach Bethlehem \u2013 zum Herrn, der auch heute neu zu uns kommt. Amen.<\/p>\n<h3>Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Volltext (Link vergriffen): Weihnachtspredigt, Radio Vatikan, Artikel 650271<\/li>\n<li>Libreria Editrice Vaticana: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/homilies\/2012\/documents\/hf_ben-xvi_hom_20121224_christmas.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Homilie von Papst Benedikt XVI. an Heilig Abend 2012<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Papst Benedikt XVI. an Heilig Abend Immer wieder r\u00fchrt die Sch\u00f6nheit dieses Evangelium unser Herz an \u2013 Sch\u00f6nheit, die Glanz der Wahrheit ist. 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